FeedAccoramböni (Vittoria)
GeschichteBrockhaus 1882

Accoramböni (Vittoria), aus angesehener Familie von Gubbio im Herzogtum Urbino, Tochter Claudio A.s, der in der Vaterstadt wie in Rom zu den ersten städtischen Amtern gelangte, und der Tarquinia Paluzzi Albertoni (s. Altieri), zog früh durch Schönheit und Geist die Aufmerksamkeit auf sich und heiratete 1573 Francesco Peretti, Neffen des Kardinals von Montalto, des nachmaligen Papstes Sixtus V. Das Hauswesen war ein ungeordnetes und Vittorias Ruf blieb nicht lange unangefochten. In der des 16.—17. April 1581 wurde Peretti in der Nähe der Diocletianischen Thermen, wo das Paar die spätere Villa Massimo bewohnte, durch Bravos ermordet, und die öffentliche Stimme bezeichnete als Anstifter der That Paolo Giordano Orsini, Herzog von Bracciano (s. d.), dessen Leidenschaft für Vittoria bekannt war. Die gerichtliche Untersuchung, in welche auch Vittoria verwickelt wurde, ergab nichts Gewisses, und die Angeklagten wurden in Freiheit gesetzt; aber Gregor XIII. ließ dem Herzog das Bersprechen abfordern, sich nicht mit Vittoria zu vermählen; ein Versprechen, dem er kannt ar zuwiderhandelte. Kaum war die Heirat bekannt geworden, so bestieg der Kardinal von Montalto als Sixtus V. den päpstl. Stuhl. Wenige Worte aus seinem Munde veranlaßten wit Giordano, Rom plötzlich zu verlassen und sich mit Vittoria nach Padua zu begeben. Nach kurzer Krankheit starb er, 13. Nov. 1585, 18 Sald am Gardasee. Vittoria, Erbin eines Teils des Vermögens, wurde am Abend des 22. Dez. 1585 in Padua nebst ihrem Bruder Flaminio durch einen Haufen von Kriegsleuten im Dienste Lodovieo Orsinis, eines 1 80 erwandten und venet. Befehlshabers von Korfu, umgebracht: ein Mord, welchen die Republik an dem Urheber und den Thätern blutig rächte. Die Geschichte Vittorias A., 5 von Gleichzeitigen zum Gegenstande mehr oder minder glaubwürdiger Darstellungen gemacht, ist unter Beibringung von mancherlei histor. Zeugnissen geschildert worden von Gnoli: «Vittoria A. Storia del secolo XVIy Wr 1870). Am bekanntesten wurde sie in Deutschland durch L. Tiecks Roman „Vittoria A.» (Bresl. 1840). 471

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 95Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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