FeedAckerbauschule
TechnikBrockhaus 1882

Ackerbauschule, im Gegensatz zur landwirtschaftlichen Mittelschule, zur atlichen Lehra ule und zur höhern landwirtschaftlichen Lehranstalt (Universitäts-Institut oder selbständige Akademie) ein Bildungsinstitut für den kleinen ländlichen Grundbesitzer, in welchem derselbe mit den theoretischen Grundzügen der Bodenkultur, mit der rationellen Wirtschaft, der Handhabung verbesserter Geräte und Maschinen bekannt gemacht und wie in Bezug auf sein Fach so auch in der Elementarbildung entsprechend Musgabe, werden soll. Die A. hat eine doppelte Aufgabe, eine praktische und eine theoretische. Die erste löst sie durch Atllihen r des Schülers in allen landwirtschaftlichen Arbeiten und Handgriffen, vom einfachen Spatenstich an bis hinauf zur leichtern tierärztlichen Operation. Zu diesem Zwecke wird der Schüler in der zur A. gehörenden Wirtschaft dergestalt beschäftigt, daß er von dem Leichtern stets zum Schwierigern fortschreitet. Der theoretische Unterricht läuft neben der Praxis in der Weise her, daß in Zeiten, wo die Wirtschaft alle Hände und Kräfte in Anspruch nimmt, die Lehre bloß die Erklärung der auszuführenden Arbeiten übernimmt; in der Periode der Arbeitsruhe hingegen, im Winter, tritt er in den Vordergrund. Derselbe zerfällt in die etzung des Elementarunterrichts der Volksschule und in die Theorie der Landwirtschaft selber. Um in diese einzutreten, muß der Schüler eine gewisse Summe naturwissenschaftlicher Kenntnisse erwerben, also vorerst in der Naturgeschichte, Ackerbauchemie und obut hinreichend unterrichtet werden. Dann erfolgt der Fachunterricht in Acker⸗, Wiesen⸗, Garten⸗, Obst⸗, und Weinbau, der Viehzucht und der allgemeinen Tierarzneikunde. Wichtig sind außerdem noch Feldmeßkunst, Zeichnen, Buchhalten, landwirtschaftliche Gesetztunde. Der Kursus an den A. währt in der Regel zwei oder drei Rabre, erstere Zeit meistens an theoretischen Schulen, welche sich nur mit der Lehre beschäftigen und die praktische . H½— entweder ganz beiseite lassen oder doch nur in beschränktem ape erteilen; letztere Zeit an praktischen Schulen, welche den Zögling neben dem theoretischen Unterrichte auch in praktischer Hinsicht vollständig ausbilden. 80 der zweiten Kategorie von A. sind meistens die Kosten des Besuchs geringer, da die Schüler einen Teil, im letzten Jahre oft das Ganze ihres Unterhaltes durch eigene Arbeit verdienen. Hierher gehören auch die Landwirtschaftlichen Winterschulen, welche nur im Winter existieren und deren Direktor im Sommer meistens als landwirtschaftlicher Wanderlehrer fungiert. Das Verdienst der Gründung der ersten A. (1804) gebührt Fellenberg in Hofwyl. Seine Musterschule, welche unter Wehrlis Leitung über 30 Jahre blühte und fast 3000 Zöglinge bildete, rief zuerst in Württemberg Nachahmung hervor. ber leich mit der Akademie entstand (1818) in Ho ahn eine A. für Bauern, welche so große Erfolge hatte, daß die Regierung sich veranlaßt sah, alsbald noch Porandere zu gründen, welche allen übrigen zum Vorbilde dienten. Seitdem sind in den meisten europ. Staaten A. gegründet worden. Vgl. Schinz, «über die Errichtung 14 De landwirtschaf Schulend (Aarau 1845); Löbe, »Die 15491•9 aftlichen Lehranstalten Europaso (Stuttg. 1849); Hosäus, Die Ausbildung junger Landwirte u. s. w. mit besonderer Berücksichtigung der bäuerlichen Verhältnisseß (Jena 1868); Schröder, Die theoretischen Ackerbauschulen u. s. w. v (Nienb. 1869); F. C. Schulz, «Die theoretisch-praktische A.v (Jena 1869); Weidenhammer, Die Land1869); derselbe, «Organisation der landwirtschaftlichen Schulene (Helmstedt 1870); Schulz, «Welche Schule hat der Landwirt zu seiner allgemeinen Vorbildung zu besuchen?v (2. Aufl., Brieg 1879); Linde, (Der landwirtschaftliche Volksunterrichte (Berl. 1879).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 114Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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