Aconit, Aconitum, eine schon den Alten unter diesem Namen bekannte, gegen 20 Arten umschließende Pflanzengattung aus der der Ranunkulaceen, dem Rittersporn zunächst verwandt, deren Arten (lauter perennierende Stauden mit aufrechtem Stengel und abwechselnden, handförmigen Blättern) die Volksnamen Sturmhut, Eisenhut (wegen der einem Helme mit geschlossenem Visier Raddaen Blume), Venuswagen u. s. w. führen. Wegen der ansehnlichen, meist dunkelblauen oder violetten, seltener gelben und weißlichen Blumen, welche in lange Trauben oder pyramidale Sträuße gestellt sind, werden mehrere Arten dieser in der gemäßigten Zone der nördl. Halbkugel heimischen Gattung zur Zierde kultiviert, namentlich A. Stoërckeanum, Napellus, variegatum. Alle Arten enthalten in allen ihren Teilen, besonders in den stets handförmig zerteilten Blättern und in den oft knolligen Wurzeln, brennend scharfe und betäubend giftige Stoffe und müssen deshalb als gefährliche Giftpflanzen bezeichnet werden. Es sind schon oft Rergiftungen, die bisweilen einen tödlichen Ausgang genommen haben, vorgekommen, sei es infolge zufälliger Beimengung von Aconitblättern unter Gemüse und Salat, sei es dadurch, daß Unkundige die knolligen Wurzeln der giftigsten Art, des in Gebirgsthälern Mittel- und Südeuropas wachsenden A. Napellus, für die Wurzeln einer andern Gebirgspflanze, des Liebstöckels, welche man in vielen Gebirgsgegenden als Ingredienz zu einem Kräuterliqueur verwendet, hielten. Das im Orient und besonders in Indien als eins der schrecklichsten Gifte geltende Bikh (Bish, Tubera Aconiti indica) stammt nach neuern Untersuchungen nicht nur, wie man früher annahm, von A. ferox, sondern auch von A. palmatum, Napellus und luviduum. Die Wurzeln sämtlicher genannten Arten dienen in Indien zur Herstellung eines gefürchteten Pfeilgiftes, welches besonders von den Digaroa gebraucht wird, die zu diesem Zwecke die geriebenen Wurzeln mit dem Safte der Dillenia speciosa vermischen. 1— der Heilkunde wurde der A. zuerst durch den kaiserl. österr. Leibarzt von Stoerck im 18. Jahrh. eingeführt, weshalb ihm zu Ehren auch eine in den Gärten als Zierpflanze sehr verbreitete Art den Beinamen Stoerckeanum erhalten hat. Am heil-Raben ist aber die obengenannte giftigste Art, „Napellus. In der Pharmacie sind die Knollen der letztern Art als Tubera Aconiti offizinell, aus welchen auch ein Extrakt und eine Tinktur bereitet wird. Der A. hat besonders bei den Lamenich bei viel Beachtung gefunden, welche ihn namentlich bei u. s. w. anwenden. Sonst wird der A. innerlich gegen Rheumatismus, Gicht, Lungensucht, chronische Lähmungen, Nervenkrankheiten, Asthma, Unterleibsstockungen, schlechte Säfte u. dgl., äußerlich bei bösartigen Geschwüren, Krebs etc. verordnet. Bei Aconitvergiftungen lasse man, bis die ärztliche Behandlung eintritt, Essig oder Wein inkleinen Gaben trinken, und gebe, namentlich wenn die Vergiftung zeitig bemerkt wird, ein Brechmittel. Die Wirkungen einer Vergiftung äußern sich zunächst in brennenden Schmerzen in der Mundhöhle und auf der Zunge, worauf bald vermehrte Harn⸗ und Schweißab +ν von beschleunigtem Puls, Erweiterung der Pupille, Dunkelsehen, Schwindel und Kopfschmerz begleitet, eintritt. Dann folgen Erbrechen, Kolikschmerzen, Krämpfe, Zittern der Glieder, Beengung der Respiration, bis zuletzt, wenn nicht Hilfe geschafft wird, unter Delirien, Ohnmachten, Zuckungen und unwillkürlichem Stuhlabgang der Tod eintritt. Die giftige Wirkung der Aconitpflanzen wird durch ein in allen Teilen, namentlich aber in den Wurzelknollen enthaltenes Alkaloid, das Aconitin(s.d.), hervorgerufen. Außer diesen ist noch im A. ein anderes, nicht giftiges Alkaloid, das Aconellin nachgewiesen, welches vielleicht mit Narkotin identisch ist, sowie ferner ein weiteres Alkaloid, das Napellin, vielleicht identisch mit Acolytin. Einzelne Aconitarten scheinen kein A. zu enthalten; so konnte Hübschmann in A. Lycoctonum L. kein Aconitin nachweisen, fand dagegen zwei andere Alkaloide, Lycoctonin und Acolyctin. Die aus Ostindien kommenden, vom Himalaja stammenden Aconitknollen, welche Bikh genannt werden, liefern vorzugsweise ein vom Aconitin abweichendes Alkaloid, das Pseudo-Aconitin, identisch mit Nepalin, Napellin, Acraconitin. Die verschiedenen Alkaloide sind in der Pflanze mit organischen Säuren verbunden, von denen Aconitsäure (s. d.) mit Sicherheit nachgewiesen ist. Aconitin, ein Alkaloid, dem die Aconitpflanzen ihre giftigen Eigenschaften und ihre Aconitre Wirkung verdanken. Da die einzelnen Aconitarten verschiedene Alkaloide enthalten, so ist das im Handel vorkommende Präparat je nach seiner Darstellungsweise verschieden, und man unterscheidet daher im Droguenhandel zwischen Aconitinum Germanicum, Aconitinum Franco-Gallicum und Aconitinum Anglicum. Von diesen soll das deutsche, aus Aconitum Napellus bereitete am wenigsten giftig sein, das englische ist weit giftiger und wird von dem ranzösischen an Giftigkeit noch übertroffen. In Cngland bedient man sich vielfach der Iefen Knollen, die vorzugsweise Pseudo-Aconitin kbem doch kommt aus England auch A., welches mit dem deutschen übereinstimmt. Auf die verschiedene Wirkungsweise der Präparate ist vom Arzte und Apotheker Rücksicht zu nehmen. Das A. wurde 1833 von Hesse entdeckt. Seine der Formel C. H7 NO, entsprechen. Zur Darstellung des A. extrahiert man gröblich gepulverte Knollen von Aconitum Napellus mit starkem Alkohol, destilliert die weingeistigen Tinkturen bis auf einen kleinen Rest, den man in einer Porzellanschale bei möglichst niederer Temperatur abdunsten läßt. Das honigdicke Extrakt wird in heißem Wasser aufenommen und bis zur sauren Reaktion mit Schwefelsäure versetzt, worauf man die Lösung, um Harz und Fett sich abscheiden zu lassen, etwa zwei Tage lang stehen läßt und dann durch nasses Papier filtrirt. Aus dem Filtrat fällt auf Zusatz von Ammoniak noch unreines A.; man läßt dasselbe unter anfänglichem Ites dan Erwärmen der Flüssigkeit Ie absetzen, stellt es dann nach 24 Stunden an einen kal ten Ort, sammelt es auf einem Filter und trocknet bei einer 40“ nicht übersteigenden Temperatur, um Zusammenbacken möglichst zu vermeiden. Der Rückstand wird mit Ather behandelt, worin das A. sich löst, während fremde Stoffe zurückbleiben. Die ätherische Lösung wird verdunstet, der Rückstand in mit Schwefelsäure versetztem Wasser aufgenommen und aus dieser Lösung das A. durch Ammoniak gefällt. Nach vorsichtigem Trocknen an einem lauwarmen Orte bildet das so dargestellte Präparat ein weißes oder gelblichweißes, geruchloses Pulver von bitterm, scharfem, kratzendem Geschmack; in kaltem Wasser schwer löslich, in heißem Wasser erweichend und zu einer harzähnlichen Masse zusammenfließend; alkalisch; in Säure enthaltendem Wasser leicht löslich, ebenfalls leicht löslich in Weingeist, Ather, Chloroform, Amylalkohol, Benzol; die Lösungen drehen die Ebene des polarisierten Lichttrahls nach links; unlöslich in Petroleumäther; chmilzt im trockenen Zustande bei 120“. Die charakteristischen Reaktionen bestehen in seinem Verhalten zu koncentrierter Schwefelsäure, worin es mit gelber Farbe 9 4 ist; die Flüssigkeit nimmt nach 24 Stunden einen braunroten, ins Violette ziehenden Farbenton an und wird nach zwei Tagen farblos; ferner in seinem Verhalten gegen Phosphorsäure, womit es beim Erwärmen im Wasserbade nach einiger Zeit violette Farbe annimmt. A. verbindet sich mit Säuren zu meist nicht krystallisierbaren Salzen, nur das Nitrat krystallisiert leicht (Flückiger); die koncentrierte Lösung des salzsauren Salzes gibt mit Goldchlorid einen gelben, nicht krystallinischen Niederschlag.