Aderlaß, die operative Eröffnung eines blutführenden Gefäßes, meist einer Vene (Venäsektion, Phlebotomie), selten einer Pulsader (Arteriotomie). Der Zweck des A. ist zunächst, eine gewisse Menge Blut ausfließen zu lassen, zu dem entferntern Zwecke, entweder die Blutmenge im ganzen Körper oder in einem einzelnen Organe zu vermindern, oder die Blutbeschaffenheit zu verbessern, oder den Kreislauf des Blutes wieder anzufachen. Allgemein hat man früher den A. bei Entzündungen, namentlich der Lunge, für unentbehrlich gehalten. Die neuere Medizin hat jedoch gezeigt, daß diese Krankheiten ohne A. in der Regel günstiger verlaufen, und daß derselbe buh in vielen andern Krankheiten, wo er ehedem übli war (3. B. bei Typhus, Blutspucken, Rheumatismus), durch die darauffolgenden Schwächezustände mehr schadet als nützt. Die Präservativ-Aderlässe, welche sich insbesondere die Landleute machen lassen, sind — zu entbehren. Gegenwärtig macht man den A. bisweilen zu dem Zwecke, das Blut von einem gesunden Menschen in den Körper eines Kranken überzuleiten. (S. Transfusion.) Die Operation des Aderlassens geschieht vorzugsweise am Arme, an einer der drei in der Beugeseite des Ellenbogengelenks liegenden Venen, selten amFuße, an den Halsadern und andern Stellen. Man umwickelt zuvor das Glied oberhalb der Operationsstelle fet mit einer Binde, damit der Rückfluß des Blutes durch die Hautvenen gehemmt wird und das Blut ac in letzterm staut und sie auftreibt. Hierauf macht man in die gewählte Vene einen Stich mit dem Aderlaßschnepper oder besser mit der Lanzette und läßt nun ein bestimmtes Quantum Blut ausfließen. Kommt der Blutfluß ins Stocken so läßt man Hand und Finger, beziehentlich Fu und Zehen der operierten Seite, kräftig bewegen, Conversations-Lexikon. 13. Aufl. I. Man Lededt die Wunde mit einer Aonprese, Die worauf das Blut meist wieder zu fließen beginnt. vermittelst einer Binde befestigt wird, und läßt den Arm 24 Stunden ruhig halten. Die Tierärzte lassen bei Pferden mittels einer Fliete, worauf ein Schlag geführt wird, zur Ader. (S. Blutentziehung) Vgl. Bauer, «Geschichte der Aderlässeß (Münch. 1870).