FeedAneurysma
HeilkundeBrockhaus 1882

Aneurysma (grch.) oder Arteriectäsia, Pulsadergeschwulst heißt die krankhafte Erweiterung einer Arterie. Man unterscheidet fünf Arten von Aneurysmen: 1) das echte, wo irgendeine Stelle einer Pulsader in allen ihren Häuten erweitert ist; hierbei kann die Erweiterung den ganzen Ringumfang der Arterie eine Strecke weit betreffen (cylindrisches und spindelförmiges A.) oder nur auf eine Seite beschränkt sein (sackartiges A.); 2) das unechte oder traumatische, wenn sämtliche Arterienhäute zerrissen sind und ein Austritt von Blut das benachbarte Zellgewebe sackförmig ausdehnt (die häufigste Art); 3) das zusammengesetzte, wenn einzelne Häute der Arterie verletzt sind und die unverletzte Haut derselben 6 B. die innere) durch die entstandene offnung sich herausdrängt und einen Sack bildet; 4) das varicöse, wenn bei einem Aderlaß die Vene ganz durchschlagen und zugleich die obere Seite einer unter derselben liegenden Arterie durchschnitten wird, wodurch nun das Blut aus derselben in die Vene drängt; 5) das diffuse, wenn ein ganzer Arterienbezirk erweitert ist; bei der letz50 Airteri findet zugleich eine starke Schlängelung der Arterien statt. Am häufigsten ist das diffuse A. an den Arterien des Hinterhaupts. Manche ältere Arzte belegen mit dem Namen A. auch die Erweiterungen der Herzhöhlen; neuere brauchen den Namen Herz-A. nur für eine umschriebene, sackrin Ausstülpung der Herzwandungen. Die neurysmen sind Herm an großen Arterienstämmen, besonders in der Nähe des Herzens, an dem Bogen der Aorta (innere Aneurysmen) und an den äußern Gliedern, z. B. in der Kniekehle und an den Rippen, wo die Arterien durch Ausdehnung und heftige Bewegungen, Anstrengungen des Körpers, Stoßen, Fallen und Quetschungen öftern Verletzungen ausgesetzt sind. Am häufigsten enhurte die Aneurysmen durch Krankheit der Arterienhäute, indem diese entarten und dadurch ihre Festigkeit und Spannkraft verlieren. (S. Atherom.) Auffallend ist die Häufigkeit der Aneurysmen, namentlich der Kniekehlenarterie, in England, speziell bei den männlichen Bedienten, welche dort oft halbe Tage lang hinten auf der herrschaftlichen Karosse stehen. Die innern Aneurysmen sind schwer und nur durch physik. Diagnostik zu erkennen. Durch den fortwährenden Druck, welchen die Aneurysmen auf die umgebenden Teile ausüben, veranlassen sie Schwinden, selbst knöcherner Teile, seltener Entzündung, Verschwärung oder Brand derselben; die hauptsächlichste Gefahr besteht aber darin, daß sie zuletzt platzen und tödliche Verblutung bewirken können. Wenn man unter der Heilung eines A. die Verödung der abnormen Erweiterung versteht, so kann eine solche von selbst eintreten, wenn nämlich aus irgendwelchem Grunde das Blut in demselben zur Gerinnung kommt, sodaß die Arterie an der kranken Stelle verstopft und eine weitere Ausdehnung ihrer Wand unmöglich wird. Die künstliche Heilung kann entweder ebenfalls durch Herbeiführung einer solchen Gerinnung, oder durch Unterbindung der Arterie nach verschie⸗⸗ denen Operationsmethoden, oder durch 5 aleich dige Zenörung des Aneurysmasacks und gleichmeitige Unterbindung der Arterie erzielt werden. m Gerinnung des Blutes im A. zu veranlassen, bedient man sich entweder der anhaltenden Zusammenpressung der kranken Arterie, beziehentlich des ganzen Gliedes, um auf diese Weise den Lauf des Blutes zu beben f. und durch die langsamere Bewegung desselben sein Gerinnen im A. zu begünstigen, oder man wendet die sog. Elektropunktur an, d. h. man leitet durch Nadeln einen galvanischen Strom durch das A., wobei sich das Blut gerinnend niederschlägt, oder man sben tropfen-i weise eine Flüssigkeit (Eisenchlorid) in den Aneurysmasack, welche s nell eine Gerinnung des Blutes zur Folge hat. Führen diese Methoden nicht zur Heilung, so unterbindet man die Arterie ober⸗ und unterhalb des A., spaltet den Aneurysmasack, entfernt die in ihm enthaltenen Blutgerinnsel und überläßt sodann die Ausstoßung des geöffneten Sacks der darauf folgenden Eiterung.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 637Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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