FeedAdler als Symbol. Der A. oder Aar
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Adler als Symbol. Der A. oder Aar, wie sein echter, gegenwärtig jedoch nur 4 in der poetischen Srache gebräuchlicher Name lautet (denn das Wort ist entstanden aus dem althochdeutschen adalaro, d. i. Edelaar), spielt in der Mythologie der indogerman. Völker einerseits als König der Vögel, andererseits als Attribut der höchsten Gottheiten eine wichtige Rolle. Bei den Hellenen war der A. seit alter Zeit der heilige Vogel des Zeus, der Bote und Begleiter des Weltkönigs, der in den künstlerischen Darstellungen entweder zur Seite seines Gebieters oder —— (wie bei dem berühmten Bilde des Phidias) auf dessen Scepter sitzt und den Blitz in den Klauen trägt. Der A. des Zeus ist vielfach in die griech. Mythen verflochten. Von ihm wird Ganymed als Hirt oder Jäger auf freiem Felde ergriffen und * Zeus emporgehoben. In der Gestalt eines A. entführt Zeus die schöne Nymphe Ägina durch die Lüfte. Spätere Gauv-Maler und Hehe dar stellen häufig den Ganymed oder die Hebe dar, wie sie den A. des Zeus liebkosen und ihm Nektar reichen. Zeus versetzte dankbar seinen A. als Sternbild an den Himmel. Als königlicher Vogel und Sinnbild siegreicher Stärke ist demnach der A. schon von alters her zum Symbol für Völker, Fürsten und Heere gewählt worden. Als Heerzeichen erscheint er zuerst nach den Berichten des Xenophon bei den Persern, bei denen schon unter Cyrus ein goldener A. mit ausgebreiteten Flügeln auf einem Spieße dem Heere vorangetragen wurde. Von den Persern ging dann dieser Gebrauch unter Ptolemäus Soter 305 v. Chr. auf das ägypt. Reich über. Bei den Römern war die den Romulus säugende Wölfin das Abzeichen der Stadt Rom, hingegen der mit Blitzen und Donnerkeilen in den Fängen bewaffnete A., als das Symbol des obersten latin. Bundesgottes (Jupiter), das Sinnbild des röm. Staats sowohl unter der Republik wie auch in der Kaiserzeit. Der A. erscheint daher nicht nur auf zahllosen röm. Münzen, auf den Sceptern und Helmen der Kaiser und anderwärts, sondern er wurde auch durch Marius während seines zweiten Konsulats (104 v. Chr.) zum Feldzeichen der Legionen erhoben, nachdem er bereits das andern Me der ersten Manipel jeder Legion (die andern Manipel führten einen Wolf, Eber und sonstige Tierbilder als Signum) gewesen war. Der röm. Legionsadler schwebte auf einer hohen Stange oder Lanze mit ausgebreiteten Fittichen, wie zum Schwunge in die Luft ansetzend, in den Klauen bisweilen Blitze haltend, in späterer Zeit mit Lorbeeren geschmückt. Anfangs waren die Ä. von Holz, dann von Silber mit goldenen Blitzstrahlen; Warge war unter ihm eine kleine Fahne (Vexillum) angebracht, seit Augustus mit der Nummer und Devise der Legion. Der Legionsadler befand sich stets bei der ersten Kohorte, im Lager stand er bei dem Prätorium. Es galt für ein böses Omen, wenn es Mühe machte, die Stange bei dem Abmarsche wieder herauszuziehen. amentlich später genoß der röm. Legionsadler eine fast göttliche Verehrung, da bei ihm das Asyl war und bei ihm geschworen wurde. In spätern Zeiten, wie unter anderm die Reliefs an der Trajanssäule bekunden, finden sich an den Lanzen, auf denen die Legionsadler getragen wurden, Kränze, Schilde, Inschriften, ja selbst Kaiserbüsten. Der Verlust des A. galt den Truppen für einen großen fen drohbesonders für dessen Träger. Kapitalstrafen dro ten dem Feigen, welcher den A. im Stich gelassen oder sonst verloren hatte. Der älteste Centurio des ersten Manipels der Triarier hatte die Schutzwache und übergab den A. beim Aufbruche dem aquiliter, der über Helm und Panzer noch ein Bärenfell trug. In der Schlacht stand der A. im dritten Treffen bei den Triariern, später am rechten Flügel der Legion bei der ersten Centurie der ersten Kohorte. Das Mittelalter kennt den A. als Heerzeichen nur in seiner heraldischen Bedeutung auf Fahnentüchern. Erst durch Napoleon I. wurde er wieder zum Heereichen wie überhaupt zum Symbol des kaiserl. Dram erhoben. Jedes Regiment erhielt bei der rönung 2. Dez. 1804 einen A., der beim ersten Bataillon geführt wurde. Der porte-drapeau war Offizier. Der französische A. hat jedoch nicht die 2. Den Form, sondern er erscheint als goldener „des Zeus, in natürlicher Gestalt, zum Aufschwung bereit sitzend und Blitze in den Fängen tragend. Nach dem Sturze Napoleons I. beseitigten die Bourbonen den A.; Napoleon III. stellte ihn durch Dekret vom 1. Paif 1852 zwar allerwärts in der Form des ersten Kaiserreichs wieder her, doch wurde derselbe durch die Republik von 1870 aufs neue beseitigt. 15 Fahnen angebracht findet sich der A. im preuß., österr. und russ. Heere. In der Heraldik ist der A. das verbreitetste aller Wappenbilder; er findet sich nicht nur in den Wappen mehrerer größerer Staaten, sondern auch in denen vieler kleinerer Fürsten, Grafen und anderer Edelleute, sowie zahlreicher Städte. Der vorzugsweise so genannte auaebrei A. erscheint in der Luft schwebend mit ausgebreiteten Flügeln, aber mit senkrecht gehaltenem Körper und von vorn anzusehen, mit rechts gewandtem Kopfe (gewöhnlich mit ausgeschlagener Zunge), ausgespreizten Beinen und Krallen und herabhängendem, sog. krausem Schwanze. In dieser Weise findet er sich in Gold, Silber, Schwarz und allen übrigen Farben. In manchen Wappen zeigt sich das Bild des sog. gestummelten A.l(bei den Franzosen alérion genannt), d. h. der untern Teile der Beine und des Schnabels beraubt. Meist ist der A. einköpfig, in einzelnen töpägt jedoch auch zweiköpfig. Der schwarze zweiköpfige oder Doppeladler des Römisch-deutschen Kaiserreichs ist mit dem einen Kopfe und Halse rechts, mit dem andern links gewendet, beiderseits rotgezungt, goldgeschnabelt, goldgekrönt und Loldumschennt, mit ausgebreiteten Flügeln, ausgespreizten Beinen, goldenen Fängen und krausfederigem Schwanze, mit dem rechten Fange das Scepter, mit dem linken den Reichsapfel haltend. Dieser deutsche Reichsadler war ursprünglich einköpfig und soll von Karl d. Gr. bei seiner Krönung in Rom (25. Dez. 800) nach dem Vorbilde der Römer zum Symbol des von ihm gegründeten Reichs erhoben worden sein. Als Symbol des Deutschen Reichs läßt er sich nachweisen auf der Reichsfahne bereits unter Kaiser Otto II., auf den Siegeln der Mark⸗ und Pfalzgrafen 977, auf Münzen 1195, in Siegeln 1299, aber überall nur einköpfig. Angeblich um das Ost⸗ und Weströmische Reich zu bezeichnen, oder um die Vereinigung der Kaiser⸗ und Königswürde anzudeuten, findet er sich zweiköpfig zuerst auf einer Reichsmünze, die um 1325 unter Ludwig dem Bayer geschlagen wurde. Doch Püe dies nur vorübergehend, denn das Siegel der Goldenen Bulle von 1356 trägt noch einen einköpfigen A. Wenzel führte seit 1378 den zweiköpfigen A. im Majestätssiegel, und unter Sigismund ward er von 1433 an beständiges deshen des deutschen Kaisers und Kaiserreichs bis zu dessen Auflösung. Vgl. Römer-Büchner, «Der deutsche A. nach Siegeln herden Donoeludler (Frankf. 1858); von Köhne, «über den Doppeladlerv (Berl. 1871); Hohenlohe-Waldenburg, «Zur Geschichte des heraldischen Doppeladlersy (Stuttg. 1871). Der Reichsadler des jetzigen Deutschen Reichs ist nach kaiserl. Erlaß vom 3. Aug. 1871 der heraldische, schwarze, einköpfige rechtssehende A. mit rotem Schnabel, dpfel und Klauen, ohne Scepter und ohne Reichsapfel. Auf der Brust desselben liegt der königl. preuß. Wappenschild (silbern mit einem schwarzen „welcher auf der Brust den in Silber und Schwarz gevierten hohenzoll. Stammschild trägt), um den sich die Kette des Schwarzen Adlerordens schlingt, wenn nicht der Reichsadler selbst in einen Schild gesetzt wird. Über dem Haupte des Reichsadlers schwebt die Reichskrone, von welcher zu beiden Seiten goldene, mit Arabesken verzierte Bänder abfliegen. Die Reichsbehörden führen diesen A. in ihren Siegeln freischwebend. Wird er da-Cauns wie z. B. im Siegel des Kaisers, in einen child gesetzt, so ist dieser golden. Vgl. Stillfried-Alcantara, (Die Attribute des neuen Deutschen Reichsv (Berl. 1872; 2. Aufl. 1874). Osterreich hat den doppelköpfigen A. des frühern Deutschen Reichs beibehalten. Rußland nahm den Doppeladler 1472 unter dem Zar Iwan Wassiljewitsch an, um anzudeuten, daß der Zar von den griech. Kaisern abstamme, welche ebenfalls den Doppeladler seit der Teilung des Römischen Reichs als Symbol führten. Der Hopsge A. gleicht im ganzen dem frühern doppelköpfigen Deutschen Reichsadler nur daß Schnabel, Zungs und Fänge rot sind. Den f warzen einköpfigen A. führt unter andern au das Nönigreich Preupen. Der Ursprung des zufuh Wappens ist auf den Deutschen Orden 1 Nterte ren, welchem der Kaiser Friedrich II. als Anerken- als Wü Tapferkeit seiner Ritter den Reichsadler als Wappen verlieh. Als Sigismund den A. veränderte, blieb der alte Reichsadler das ausschließliche Eigentum der dpei 3 Ritter. Mit ihren Farben schwarz und weiß ging er an das Herzogtum ½ über, als Albrecht (J. d.) von Brandenburg, der letzte Großmeister, Protestant wurde und 1525 die Besitzungen des Ordens in ein weltliches erbliches Lehen verwandelte. Als 1618 das Herzogtum Preußen an die Linie Kurbrandenburg (deren Wappen ein roter A. in silbernem Felde war) überging, erhielt diese auch den preuß. schwarzen A. und die Farben des Ordens. Der preußische A. wird rechts sehend dargestellt, mit goldenem Schnabel, goldenen Fängen und goldener Krone, rotgezungt, mit goldenen Kleestengeln auf den Flügeln und dem goldenen I prend. Wun auf der Brust. In dem neuen großen preuß. Wappen, wie es durch den königl. Erlaß vom 16. Aug. 1873 abeändert ist, erscheint der A. in acht verschiedenen Feldern: für hemn, Kr Brandenburg, Posen, Schlesien, Niederrhein, Krossen, Ostfriesland (mit dem gekrönten Jungfrauen-A.) und Frankfurt a. M. Vgl. Stillfried-Alcantara, Die Titel und Wappen des preuß. Königshausesv (Berl. 1875). Ein weißer gekrönter A. in rotem Felde war das Wappen des Königreichs Polen, ein roter A. ohne alles Abzeichen bildet das Wappen der Stadt Potsdam. Das Wappen der Vereinigten Staaten von Amerika besteht in einem dunkelbraunen auffliegenden A., der in der einen Klaue ein Bündel Pfeile, in der andern einen lzweig hält und dessen Brust ein Schild bildet, dessen oberer Teil blau ist und dessen untere silberne 1 sechs senkrechte rote Balken durchschneiden. Im Schnabel hält dieser A. ein Band mit der Inschrift pluribus unumo; umgeben ist er von 13 Sternen (der ursprünglichen Zahl der Staaten) oder so vielen Sternen, als die Union zur Zeit Staaten zählt. (S. Tafel: Wappen.) Nach diesem Adlerwappen führen die nordamerik. Hauptgoldmünzen den Namen Cagle (I. d.). Der A. ist endlich auch das Zeichen mehrerer Ritterorden. (S. Adlerorden.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 149Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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