FeedAdoptianischer Streit
ReligionBrockhaus 1882

Adoptianischer Streit, das letzte Glied der christologischen Streitigkeiten, bewegte gegen Ende des 8. Jahrh. die span. und fränk. Kirche. Veranlaßt durch die Ketzerei des Migetius, welcher die Dreieinigkeitslehre dahin deutete: die Person des Vaters sei David, die Person des Sohnes die aus der Jungfrau angenommene aus dem Samen Davids, die Person des Heiligen Geistes der Apostel Paulus, hob Elipandus, Erzbischof von Toledo, mit Nachdruck hervor, die Person des Sohnes sei nicht die aus dem Fleisch entstandene, sondern die vom Vater vor aller Zeit gezeugte. Von hier aus ging er fort zu der Behauptung, daß Christus nach seiner göttlichen Natur allerdings schon von Natur Gottes Sohn sei, nach der menschlichen Natur dagegen nur durch die Gnade Gottes zum Sohn Gottes erklärt, angenommen und adoptiert sei. Nach der göttlichen Natur, als der Eingeborene, sei +11 stus wahrer, natürlicher Sohn Gottes, nach der menschlichen Natur, als der Erstgeborene, sei er nur Adoptivsohn; nach jener sage er: Ich und der Vater sind eins, nach dieser ordne er sich dem Vater unter. Elipandus und seine Freunde, von denen besonders zu nennen sind: Felir, Bischof von Urgelis, Ascaricus und Abt Fidelis in Asturien, beriefen sich für diese Ansicht auf diejenigen Stellen der Schrift, welche die Unterordnung Christi unter den Vater lehren, auf altkirchliche Väter und auf die Ausdrücke der alten Mozarabischen Liturgie. Die Gegner, Etherius, Bischof von Osma, und Beatus, Abt von Libana, warfen ihnen Nestorianismus vor. Bisjetzt hat jedoch der histor. Zusammenhang zwischen Adoptianern und Nestorianern nicht erwiesen werden können, wenn auch möglich ist, daß mit den Arabern die von ihnen geschützten Nestorianer nach Spanien kamen. Jedenfalls aber stellten die Adoptianer sich entschieden auf den Boden des Chalcedonense und lehrten nachdrücklich die Einheit der gottmenschlichen Person Christi. — Weil Felix von Urgelis dem fränk. Reich Tur hörte, ward der Streit auf dieses übertragen. Auf der Synode zu Regensburg 792 ward Felix zum Widerruf bewogen, aber dennoch nach Rom geführt und von Papst Hadrian gefangen gehalten, bis er ein orthodoxes Glaubensbekenntnis aufsetzte und beschwor. Nach Urgelis zurückgekehrt, gab er dasselbe wieder auf und flüchtete U5— sarazen. Gebiet. Darauf ließ Karl d. Gr. auf der Versammlung zu De Gele 794 die Sache nochmals untersuchen. ie Gelehrten Karls, Alcuin an der Spitze, setzten die akatholischeo Lehre entgegen, daß der Mensch von Gott adoptiert werde, nicht die menschliche Natur Christi. Die Einheit der Person in der doppelten Natur Christi mache die Annahme eines doppelten Sohnes Gottes, eines ursprünglichen und adoptierten, zur Unmöglichkeit oder zur nestorianischen Ketzerei. Die menschliche Natur Christi könne nirgends, nie und in keiner Weise ohne die Verbindung mit der göttlichen Natur vorgestellt werden. Felix widerrief zum zweiten mal auf der Synode von Aachen (799), der Gewalt weichend, und, wie es scheint, nie völlig überzeugt. Er starb 818 in milder Haft zu Lyon. Elipandus beharrte bei seiner Ansicht, die später vielleicht nur von Folmar (um 1160), in einem gewissen Sinne von Duns Scotus (gest. 1308) und Durandus von San-Porciano (gest. 1322), von dem Jesuiten Vasquez (um 1606) und dem Protestanten Calixtus (1643) verteidigt worden ist. Vgl. Helfferich, Der westgot. Arianismus und die span. Ketzergeschichtes (Berl. 1860); Gams, Kirchengeschichte von Spanieno (Bd. 2, Abteil. 2, Regensb. 1874).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 158Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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