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ReligionBrockhaus 1882

Arianer und Arianischer Streit. Die Arianer lehrten, daß Christus Gott nicht wesensgleich sei, wogegen nach langen und schweren Kämpfen von den ökumenischen —— zu Nicäa (325) und Konstantinopel (381) als Kirchenlehre die Wesensgleichheit des Sohnes mit dem Vater bestimmt ward. Origenes (s. d.) hatte beiden Rücksichten des kirchlichen Dogmas, Christus als selbständiges Wesen und als Gott wesensgleich aufzufassen, zu genügen geglaubt durch die Formel, Christus sei vom Vater ewig gezeugtv. Hier setzte der Presbyter Arius zu Alexandrien ein, ein Mann von verständig kritischer Richtung, ohne spekulatives Vermögen und Sinn für religiöse Mystik, indem er seit 318 ausführte: der Vater ist Kungezeugte, der Sohn ist cgezeugto, also dem Vater wesentlich ungleich; das (Ungezeugtsein macht gerade das Wesen der Gottheit aus, also ist der Sohn in d wahrer Gott; die (Zeugungo ist ein Vorgang in der Zeit, also ist der Sohn nicht «ewigo; entstand er auch nicht in der Zeit (welche erst mit der Schöpfung beginnt), so war doch ein Moment, wo der Sohn noch nicht waro; eine Zeugungo als Mitteilung des Wesens würde in Gott eine Teilung setzen, das ist unmöglich, deshalb ist der Sohn nicht gezeugt, sondern HIchulen; er ist ein Geschöpf; freilich das erste und vollkommenste und selbst Prinzip der Weltschöpfung, aber doch gleich allen andern Geschöpfen nicht aus dem Wesen, sondern durch den Willen Gottes aus nichts hervorgegangen; der Sohn ist beschränkt, intellektuell, sofern er den Vater nicht vollkommen erkennt, sittlich, sofern er von Natur des Bösen fähig und nur durch die freie wen der So seines Willens unwandelbar gut ist; weil der 0505 diese sittliche Beharrlichkeit im Leicher Wandel bewährt hat, hat Gott ihm immer reichere Gnaden erwiesen, ihn an der Weisheit und Vernunft Gottes teilnehmen lassen, sodaß er durch dies Teilhaben selbst Gott ward und aus diesem Grunde . Wez Sohn Gottes, ja, Gott enannt werden kann. Wegen dieser Ansichten ward lrius 318 auf einer Synode zu Alexandrien durch seinen Bischof Alexander abgesetzt und exkommuniiert. Arius fand Euseh nicht bloß unter dem Volk, sondern auch bei Eusebius von Nikomedien und Eusebius von Cäsarea Beifall, aber auch das große ökumenische Konzil zu Nicäa, 325, besonders geleitet von Athanasius und Marcellus von Ancyra, verdammte ihn. Hier ward die volle Wesensgleichheit des Sohnes mit dem Vater (Homousie, daher die Piareit zar Homousiasten) als kirchliche Rechtgläubigkeit sanktioniert. Obgleich auch die Freunde des Arius, die Eusebianer, diese Formel unterschrieben, bildete dies Konzil nur den Eingang zu einem jahrzehntelangen furchtbaren Kampf, in dessen erster Hälfte (325 -355) die Arianer siegreich waren, um später (355—381) desto völliger zu unterliegen. Als Kaiser Konstantin sah, wie widerwillig das Morgenland aus Furcht vor Sabellianismus d.) die neue Formel der Cul wandte er seine Gunst den unter Führung der Eusebianer vereinigten Gegnern des Athanasius zu. Arius ward 328 auf Grund eines unbestimmten Bekenntnisses aus der Verbannung zurückberufen und sollte 336 feierlich in die Kirchengemeinschaft aufgenommen werden, als er anz + starb. Athanasius ward von einer ynode zu „Mar⸗ abgesetzt und 336 nach Trier verbannt; auch Marcellus von Ancyra wurde auf einer Synode zu Konstantinopel 336 abgesetzt; die Eusebianer setzten auf der Kirchweihsynode zu Antiochien 341 hintereinander vier Einigungsformeln auf, in denen der entscheidende Ausdruck Homousie », Wesensgleichheit, ausgelassen ward; ja, auf der Syn10 —— —— 344, ward statt derselben die bloße Wesensähnlichkeit (Domöusie, daher Homöusiasten) behauptet. Das Abendland freilich hielt an der Entscheidung von Nicäa fest und erklärte sich auf den Synoden zu Rom 341 und zu Sardica 343 mit Entschiedenheit für die urder Gegenne aber das Morgenland beharrte auf der Gegensynode zu 1 hetder polis 343 und der ersten zu Sirmium 351 bei der Wesensähnlichkeit. So standen die beiden Hälften des Reichs einander gegenüber, aber nach dem Tode des Konstans 350 und der Besiegung des Magnentius 353 wußte der jetzt Alleinherrscher gewordene Konstantius das Abendland zu zwingen, auf zwei Synoden, zu Arles 353 und zu Mailand 355, der Verurteilung des Athanasius beizutreten und die vermittelnde Formel der Eusebianer anzunehmen. Jetzt aber leichnoit die bisher vereinigten Gegner der Wesensgleichheit sofort in drei Parteien. Die strengen Arianer, geführt von Aétius aus Cölesyrien (350 Diakon zu Antiochien, Hich 370) und Eunomius aus inn. (360 Bischof in Cyzikus, gest. nach 392) behaupteten jetzt offen die We-Eusebianer zerfielen in die beiden Parteien der Homöusiasten und der Homöer. Jene, seit ihrer Synode zu Ancyra 358 (Semiarianerv genannt, geführt von Basilius von Ancyra und Georgius von Laodicea, blieben bei der in den Antiochenischen Formeln (341, 344) behaupteten Wesensähnlichkeit des Sohnes, welche auf der dritten Synode zu Sirmium allgemein anerkannt ward. Diese, geführt von den am Hofe einflußreichen Bischöfen Ursacius und Valens, glaubten den Frieden der Kirche dadurch herstellen zu können, daß jede Bestimmung über das Wesen des Sohnes aufgegeben werde, und begnügten sich mit der nichtssagenden Formel: der Sohn ist dem Vater ähnlich. Durch ihren Einfluß bei Hofe wußten sie es durchzusetzen, daß 359 sowohl die nicänisch gesinnte Synode des Abendlandes zu Ariminum als die semiarianisch gesinnte des Morgenlandes zu Seleucia ihre Formel annahm. Dies ofsizielle staatskirchliche Bekenntnis, der Sohn sei dem Vater ähnlich, konnte niemand befriedigen, weder das theol. Denken, noch das christl. fromme Bedürfnis wel-Bat wesentliche Gleichsetzung des WAwoft mit dem ater forderte. Als daher Julianus Apostata 361 363 allen Parteien azu gegenseitiger! erfleischungo Raum gab, standen sich bald wieder nur zwei Parteien gegenüber, Nicäner und Arianer. Trotz der s chweren Bedrückung durch Valens 364-378 siegten die Anhänger der zu Nicäa festgestellten Wesensgleichheit des Sohnes, durch Festigkeit und Wissenschaftlichkeit ihrer Führer ebenso gestützt wie durch das Bedürfnis der gläubigen Christenheit. Unter Theodosius d. Gr. (379—395) kam dieser Sieg auch äußerlich zum Ausdruck, indem das zweite ötumenische Konzil zu Konstantinopel 381 in seinem „Symbolum Nicaeno-Constantinopolitanumo die Wesensgleichheit des Sohnes end ültig feststellte. Vgl. Der Arianismus verschwand im Römerreiche sehr schnell, seitdem auch im Occidente Valentinian II. aus polit. Gründen gegen ihn thätig geworden war. Dagegen war ihm unter den Germanen noch ein unerwarteter Aufschwung beschieden. Von den Westgoten waren einige zum Christentume bekehrt worden, noch ehe der Streit über die Homousie die Kirche zerriß. Eine von Bischof Ulfilas (s. d.) angeführte Fuded westgot. Christen erlangte 355 Wohnsitze am Va edes Balkan. Der großen e eröffnete Kaiser alens, als sie von den Hunnen bedrängt wurden, die Grenzen des Oströmischen Reichs unter der Bedingung des Übertritts zum arianischen Glauben (376). Ulfilas (gest. 388), Arianer von Überzeugung, ward der alts e Führer seiner Landsleute, denen er als köstliches Erbteil seine Bibelübersetzung hinterließ. Mit großer Schnelligkeit brachten deutsche Sendboten den arianischen Glauben zu den übrigen german. Wanderstämmen. Nicht die angeblich größere Einfachheit und Schriftgemäßheit der arianischen Lehre, noch weniger ihre vermeintliche Verwandt-Dur polit dem altgerman. Heidentum, sondern einzig er polit. und nationale Gegensatz hat die Germanen an einer Lehrform festhalten lassen, die damals schon allgemein im Uberhan Reiche verworfen war. CErst das allmähliche Uberhandnehmen röm. Kultur, in Verbindung mit der steigenden Macht der röm. Bischöfe hat einen german. Stamm nach dem andern zum akatholischens Glauben hinübergedrängt. Die seit 429 in Afrika seßhaften Vandalen wurden schaft 534, die Ostgoten in Italien 553 der Herraft und dem Glauben des Kaisers Justinian I. unterworfen. Die Burgunder traten 450, durch ihre westgot. Königsfamilie bewogen, von dem 413 angenommenen Katholizismus zum Arianismus über, kehrten aber unter Sigmund 517 zum Katholizismus zurück. Die Westgoten in Spanien blieben der Lehre des Ulfilas treu, bis ihr König Reccared auf der Roms zu Toledo 589 sich dem kirchlichen Ansehen Roms unterwarf. Auch die Sueven in Spanien, durch die Westgoten seit 469 aus Katholiken Arianer, wurden seit der Mitte des 6. Jahrh. wiederum Katholiken. Am längsten widerstanden die Longobarden, seit 568 unter Alboin in Oberitalien seßhaft. Sie bewahrten bis 662 wenigstens offiziell-kirchlich den Arianismus. Der allgemeine Sieg des Katholizismus wurde durch das siegreiche Vordringen der Franken entschieden, deren König Chlodwig sich zum kath. Glauben bekehrt hatte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 885Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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