Apollinaris der Jüngere, Bischof von Laodicea in Syrien um die Mitte des 4. Jahrh., war einer der eifrigsten Gegner des Arianismus und Rch zu den beliebtesten Schriftstellern seiner Zeit. Nach den alten Kirchenhistorikern soll er nebst seinem Vater, A. dem Altern, welcher Lehrer der Sprachwissenschaft und Presbyter war, zur Zeit, als Kaiser Julian den Christen die Lnderten) der griech. Klassiker verbot, Nachahmungen derselben zum Gebrauch für die Christen, z. B. Heldengedichte und Trauerspiele aus histor. Stoffen des Alten Testaments und eine Einkleidung des Neuen Testaments in Platonische Dialoge, verfertigt haben, von denen jedoch nichts mehr vorhanden ist, außer der dichterischen Umschreibung der Psalmen. A. ist besonders bekannt durch seine eigentümliche, von der Kirche als ketzerisch verdammte Lehre von der Person Christi. Davon ausgehend, daß ein vollständiger Gott und ein vollständiger Mensch sich unmöglich zu Einer Person vereinigen könnten, daß Christus ferner als J3s sein würde, lehrte A., das Menschliche an Jesus bestand nur aus Leib und Seele, entbehrte dagegen des Geistes; an dessen Stelle trat das Göttliche, der Logos. Seit 362 ward der Apollinarismus auf mehrern Synoden, unter anderm auch auf der allgemeinen Airchenversammlung zu Konstantinopel (381) verworfen. Inzwischen bildete A. aus seinen Anhängern zu Antiochien eine eigene Gemeinde, zu deren Bischof er Vitalis bestellte. Auch verbreiteten sich die Apollinaristen schnell in Syrien und den angrenzenden Ländern, errichteten zu Konstantinopel und anderwärts mehrere Gemeinden mit eigenen Bischöfen, zerfielen aber nach A. Tode (nach 382) in zwei Parteien, deren eine, die Vitalianer, wie sie sich nach ihrem ersten Bischof nannten, den Worten des A. treu blieb. Die andere Partei, die Polemianer, zog jedoch die Konsequenz, Gott und der Leib Christi sei Eine Substanz geworden und daher das Fleisch göttlich anzubeten, weshalb sie auch Sarkolaträ oder An-Nanmten in und, weil sie eine Vermischung beider aturen in Christo annahmen, Synusiasten genannt wurden. Verbote des Kaisers schränkten ihre, von der allgemeinen sonst nicht abweichende Religionsübung 388 und 397 ein, bis sie 428 in den Städten völlig untersagt wurde, worauf sie sich teils unter die Orthodoxen, teils später unter die Monophysiten verloren. Im Zeitalter der Reformation wurde der Vorwurf des Apollinarismus wechselsweise den streitenden Parteien gemacht, den Katholiken wegen ihrer Abendmahlslehre, den Protestanten wegen der Lehre von der Mitteilung der beiden Naturen in Christo. Vgl. Farabulini, «Storia di S. Apollinarob (2 Bde., Rom 1874).