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ReligionBrockhaus 1882

Advenut oder Adventszeit (vom lat. adventus, Ankunft) nennt die christl. Kirche die Vorbereitungszeit auf das Fest der Geburt Jesu. Sie dauert in der griechischen (wie früher auch in der franz.) Kirche 40 Tage, in der römischen und protestantischen etwa vier Wochen. Wann die Adventszeit zuerst kirchlich gefeiert worden, läßt sich nicht mit Sicherheit nachweisen. Die erste Erwähnung einer kirchlichen Feier der Adventszeit findet sich 524, wo die Synode zu Lerida von der Adventszeit bis zum Feste der Erscheinung Christi die Hochzeiten verbot. Die römische und nach ihr die luth. und deutsch-reform. Kirche feiert vier (oder nach anderer Zählung fünf) Adventsonntage, deren Zahl man durch künslliche e Calui zu rechtfertien wußte, wogegen der strenge Calvinismus überhaupt keine Kirchenjahre, also auch keine Adventeit anerkannte. Der Feier des A. liegt der Geanke zu Grunde, daß die Gemeinde der Gläubien, wie sie überhaupt die Thatsachen des Lebens Fen immer aufs neue geistig durchleben soll, so auch auf die alljährlich erneute Feier seiner Geburt, als auf ein immer wieder erneutes geistiges Kommen des Herrn zu den Seinen, in der rechten emfänglichen Gemütsstimmung vorbereitet werden oll. Demgemäß nimmt das sog. «Kirchenjahro (. d.) mit der Adventszeit den Anfang, ebenso wie die Geschichte des Christentums mit dessen Vorbereitung in der Menschheit durch die Hindeutung der Propheten und des Täufers auf den kommenden Christus beginnt. Gemäß der alten Sitte, den Geburtstag Christi zur Zeit der Wintersonnenwende zu feiemn, fällt die Adventszeit in die kürzesten Tage des Jahres. Die ernste Stimmung, mit welcher die Gläubigen diesen Tag begehen sollen, steht im charakteristischen Gegensatze gegen die geräuschvollen Festlichkeiten, mit welchen die heidnischen Römer und Germanen die Dußruf mit Sonnenwende feierten. Gemäß dem Bußrufe, mit welchem die Predigt des Evangeliums begann (Matth. 4, 17), macht daher die kath. Kirche die Adventszeit zur Zeit der Buße, indem sie öffentliche Derbselet. 5i Tanz und Hochzeitsfeierlichkeiten verbietet, die Fasten vermehrt und in ihrem Kultus das Gewand der Trauer anlegt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 165Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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