FeedAfzelius
HeilkundeBrockhaus 1882

Afzelius, berühmtes schwed. Gelehrtengeschlecht, welches von einer Bauernfamilie in Westergötland stammt. — Adam A., geb. 7. Okt. 1750 zu Larf, einem Dorfe in Westergötland, woselbst sein Vater Pastor war, der letzte Schüler Linnés, wurde 1777 Docent der orient. Litteratur, 1785 Demonstrator der Botanik in Upsala und ging 1792 als Naturforscher nach der engl. Kolonie Sierra Leone in Afrika, wo er bei der Ausplünderung der Kolonie durch die Franzosen alle seine Sammlungen verlor. Nach der Rückkehr fungierte er (1797— 98) als Gesandtschaftssekretär in London, ward 1799 wieder akademischer Lehrer in Upsala und erhielt 1812 die Professur der Materia medica. Er starb 30. Jan. 1837. Als Schriftsteller ist A. bekannt durch mehrere naturhistor. Werke, sowie durch die 1823 veranstaltete Herausgabe der Selbstbiographie Linnés (deutsch, Berl.d 1826). Nach me ist, außer mehrern Pflanzen- und einigen Insektenarten, das Pflanzengeschlecht Afzelia benannt. Seine ethnogr. und Pflanzen-d sammlungen wurden für die Universität zu Upsala l angekauft. — Johan A., des vorigen Bruder,‚ geb. 13. Juni 1753, seit 1784 Professor der Chemie in Upsala, gest. 20. Mai 1837, nachdem er seit 1820 im Ruhestande gelebt, hat, ohne viel als Schriftsteller aufzutreten, als Lehrer (von Berzelius u. a.) bedeutend zur Ausbildung der Chemie beigetragen. — Pehr von A., der dritte und be-ll rühmteste der Brüder, geb. 14. Dez. 1760, wurde 1801 zum Professor der Medizin in Upsala und 1812 zum Leibarzt des Kronprinzen Karl Johann ernannt; 1815 erfolgte seine Erhebung in den Adelsstand. Seit 1820 in den Ruhestand versetzt, starb er 2. Dez. 1843. Er war für seine Wissenschaft wie für die Universität sehr thätig und lange Zeit einer der berühmtesten praktischen Arzte Schwedens. — An ders Crik A., ein Verwandter der vorigen, geb. zu Forshem 25. April 1779, war seit 1818 Professor der Rechtswissenschaft zu Abo, erhielt aber 1821 den Abschied mit Beibehaltung seines Gehalts. Wegen unvorsichtiger polit. Außerungen der russ. Regierung verdächtig, sah er sich 1831 des Landes verwiesen. Da er dem Befehle nicht sogleich nachkommen konnte, wurde er von Aland nach Finland und von dort nach Wjätka transportiert, wo man ihn vier Jahre gefangen hielt. Hierauf ward er nach Willmanstrand in Finland und zuletzt nach RiA geschickt, woselbst er 1. März 1850 starb. — Arvid August A., öoi 6. Mai 1785, war seit 1821 Forschn zu Enöping und machte sich durch seine Forschungen im Gebiete altnord. Literatur sowie als Dichter rühmlich bekannt. Er gab in dem Titel mit Geijer schwed. Volkslieder unter dem Titel: «Svenska Folkvisor fràn forntideno (3 Bde., Stockh. 1814 —17; deutsche Auswahl, von Mohnike, Berl. 1830) mit den alten Melodien heraus. Eine andere Sammlung von Volksliedern und Gesängen, die A. den alten Originalliedern nachgebildet hatte, erschien mit Musikbeilagen in Atsked af Svenska Folksharpano (Stockh. 1848). Trefflich übersetzte A. ins Schwedische die Hervarasaga (Stockh. 1811) und die Edda Sämundar Stochh. 1818), welche letztere er in Verein mit Rask (Stockh. 1818) auch isländisch herausgab. Sein Trauerspiel Den siste Folkungen (Stockh. 1830) ist nur in den lyrischen Teilen gelungen. Außerdem beschäftigte sich A. mit der Derausgabe einer auf Volksüberlieferungen gegründeten Geschichte Schwedens bis zum Tode Karls XII. unter dem Titel: (Svenska folkets Sagohäfdero (Tl. 1—11, Stockh. 1839— 70). Die drei ersten Teile dieses Werks erschienen, mit einem Vorwort von L. Tieck, in deutscher übersetzung von Ungewitter (4Volkssagen und Volkslieder aus Schwedens älterer und neuerer Zeito, Lpz. 1842). A. starb 25. Sept. 1871 zu Enköping. 49., bei naturwissenschaftlichen Bezeichnungen Abkürzung für Agardh. [für Silber.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 200Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 7

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Heilkunde 6