Agadir oder Santa-Cruz, Hafenstadt im südl. Marokko, 2½ Stunde nördlich von der Mündung des Wad-Sus, ist von Mauern umgeben und hat etwa 700 E. Im v. 1500 wurde hier zum Schutz der Fischerei von den Arabern ein Fort Santa-Cruz gebaut, von den Arabern Där-Rumia genannt. Etwas später kaufte Portugal die Stelle und baute dort eine kleine befestigte Stadt, Santa-Cruz de la Barbaria, welche 1536 in Besitz Marokkos kam. A. bedeutet in der Berbersprache überhaupt «ein von Mauern umgebener Platzo und war auch der alte Name von Cadir. Ngadische oder Agatische Juseln (Aegates oder Aegusae Insulae, d. h. Ziegeninseln, ital. Egadi), eine Gruppe von drei gebirgigen Inseln heißt es Aspri Thalassa, bei den Türken Ak-Deniz, d. i. Weißes Meer, im Gegensatz zum Schwarzen Kaso, Scarpanto oder Karpatho und Rhodos zur Südwestecke Kleinasiens hindurchgeht. Im SW. steht es mit dem Jonischen, im SO. mit dem sog. Levantischen, im NO. durch den langgestreckten Wasserzug des Hellespont, des Marmarameers (Propontis) und Bosporus mit dem Schwarzen Meere in Verbindung. Es ist von S. gegen N. 670 km lang, hat eine durchschnittliche Breite von 300 km und eine Fläche von 196350 qKm. Durch die verschiedenen, zum Teil vulkanisch gehobenen Gruppen und Reihen seiner zahlreichen Inseln, die l Sporaden (s. d.) und Cykladen (s. d.), die eine natürliche Brücke zwischen Europa und Asien bilden, wird es in mehrere kleine Becken geschieden, die im Altertum eigene Namen hatten: der nördlichste, minder inselreiche Teil zwischen Thessalien und dem Hellespont hieß das Thrazische Meer, der südlichste zwischen den Cykladen und Kreta das Kretische, der südwestliche zwischen den Cykladen und dem Peloponnes das Myrtoische, der südöstlichste zwischen Kreta und Rhodos das Karpathische, und der von Rhodos bis 2.* reichende Teil, das Gebiet der eigentlichen Sporaden, das Ikarische Meer. Der Archipel wiederholt in seiner vermit-⸗ telnden Lage zwischen oichelung Un Erdteilen, in seiner reichen Küstenentwickelung und Inselbildung im kleinen die Verhältnisse des Mittelmeers. Im Gegensatz zu dem Adriatischen Meere wenden ihm die dasselbe begrenzenden Halbinseln ihre am meisten gegliederten, bevölkerten und kultivierten, ihre kommerziell und historisch am meisten hervortretenden Gestade nicht ab, sondern zu. ö Die Gestade sind mit wenigen Ausnahmen gebirgig, steil, pittoresk wie die Inseln, auch wie diese vorherrschend, selbst im N. und O., von Griechen, doch im ganzen schwach bevölkert. Die Westküste, welche Tee Nused9⸗ Thessalien und dem südwestlichsten Teile Macedoniens angehört, ist im Verhältnis zu seiner überaus günstigen Gliederung nicht eben reich an bedeutenden Hafen⸗ und Handelsplätzen. Die Rolle der Verkehrsvermittelung fällt hier vielmehr den vorliegenden Inseln zu. Vom Kap Malia, dem wegen sener Stürme und der Schwierigkeit der Umsegelung schon seit Homers Zeit verrufenen Fromontorium Malea, zieht die hohe, steile, mit Felsriffen und Schären besetzte Küste, ohne eine andere nennenswerte Stadt aufzuweisen als Monembasia oder Napoli di Malvasia (Epidauros Limera), an 150 kmeweit nordwärts bis an den Argolischen oder Golf von Nauplia. Jenseit der mehrfach eingebuchteten Halbinsel von Argolis folgt, östlich von der Halbinsel Attika begrenzt, der Golf von Agina, der Saronische Meerbusen der Alten, mit mannigfach Nen'Epidan Küstensaume, guten Ankerplätzen, wie ea-Epidavro, Kechriäs (Osthafen von Korinth), dem Piräus oder Hafen von Athen und den Inselhäfen Agina, Poros Kap Hof und Kuluri oder Salamis. Sstlich vom Kap Kolonnaes (Sunium), der Südspitze Attikas, liegt das langgestreckte Felseneiland Makronisi (Helena) mit dem Hafen Mandri; 17 km nördlicher Port Prasäs, der schönste Hafen Attikas und der einzig beträchtliche an dem langen Gestade, das vom Kap Kolonnaes nordwestwärts, an der Bucht von Marathon und dem Küstenpasse der Thermopylen vorüber, bis zum Golf von Zitüni oder Lamia (Sinus Maliäcus) hin-Lobti Dieser Küste von Attika, Böotien und Ost-Lokris gegenüber liegt die große Insel Euböa lang hingestreckt, vom Festlande getrennt durch das Euböische Meer. Von diesem führt der Kanal von Talanti (Sinus Opuntius) zum Golf von Lamia, in welchen der Hellada (Spercheios) mündet, und von diesem ostwärts der Kanal von Tricheri in den egen N. in Thessalien eindringenden Golf von olos oder Jolkos (Sinus Pagasaeus), dem die hakenförmig umgebogene Halbinsel Isthmia nur einen schmalen Eingang gestattet. Von der Ostspitze dieser Halbinsel zieht an der Küste Thessaliens die prächtige Bergreihe des Pelion und Ossa hin, welche durch die Thalspalte des Salambria (Peneios), das berühmte Thal Tempe, von dem mächtigen Olympos getrennt wird. Die Nordküste oder das Gestade von Macedonien und Thrazien, einst mit griech. Kolonien dicht besäet, hat jetzt außer Salonichi keine bedeutende Seestadt. Im O. des Golfs von Salonichi (Sinus Thermaicus) tritt eine wunderbar reiche Entfaltung des Gestades ein: die macedon. Halbinsel oder Chalcidice mit ihrem Dreizack von e Atdos. gen, zwei Golfen und dem berühmten Berge Athos. Dahinter folgt der Meerbusen von Réndina oder Orphani (Sinus Strymonicus). Weiterhin folgt der wichtige * Kawala, die Mündung der Maritza (Hebros), der 1 von Enos (Anos), dessen Hafen aber versandet ist, und zuletzt der Golf von Saros (Melas Sinus) hinter der au Chertones Halbinsel von Gallipoli oder dem thraz. Chersones am Hellespont. Die Ostküste des Agäischen Meers ist der westl. Küstensaum Kleinasiens, das durch Alluvionen vielfach veränderte Mündungsland der aus reichen üppigen Thälern hervortretenden Flüsse Bakyr-Tschai (Kaikos), Sarabat (Hermos), Kütschük-Menderes am Anern und Böjük-Menderes (Mäander), die im Altertume mit den blühenden Handelsstädten der Aolier, Jonier und Dorer dicht besäeten Gestade von Mysien und Troas, Lydien und Karien. Diese Küste ist in weniger großen Golfen von dem Meere aufgeschlossen und zerspalten, aber dem Verkehr nicht minder geöffnet durch eine Menge kleinerer Meerbusen, Buchten und Häen, und begleitet von einem Schwarme von B. eln, die von Thasos an bis Rhodos das türk. Vilajet Dschesair oder der Inseln bilden. Sehr groß ist die Zahl von guten geräumigen Häfen, Anker- und Landungsplätzen, aber ebenso groß die Vernachlässigung für Kriegs- und Handelszwecke, daher auch der Export im ganzen nicht bedeutend ist. Die wichtigsten Meereseinschnitte sind der Golf von Adramytti im NO. von Mytilene (Lesbos) nebst dem von Aiwaly mit seiner Eilandgruppe, der Golf von Smyrna, von Kuschadasi oder Scalanova östlich von Samos, vom vorigen getrennt durch eine vielfach eingebuchtete Halbinsel, auf welcher gegenüber von Chios der Hafen Tscheschme liegt; ferner die Golfe von Mendelia, von Ko und Symi an der zerspaltenen Südwestecke Anatoliens. Fast der ganze Archipel gleicht einem stark coupierten Gebirgsterrain, dessen Thäler, Mulden und Kessel mit Wasser erfüllt, dessen Kuppen als Inseln hervorragen. In einzelnen Teilen des Meers sind die Bahnen des sichern Wassers so labyrinthisch, daß alle Geschicklichkeit des Piloten erforderlich und bei Stürmen dennoch oft vergeblich ist; aber im allgemeinen ist die Schiffahrt bequem und angenehm. Die Wassertiefe ist an den meisten Gestaden und zwischen den Inseln sehr bedeutend; im Piräus bei Athen 8,5—17 m, in der Straße von Talanti, unterhalb des Berges Telethrion auf Euböa, schon bei 950 m von der Küste über 400 m, etwa 500 m von den Steilabhängen des Athos 150 —180 m. Bei den Inseln, in der Nähe der Küste, ist gewöhnlich mit 230 — 270 m noch kein Grund zu finden. Ebbe und Flut wird nur an wenigen Punkten bemerkt; am meisten noch, mit einer Niveaudifferenz von 0,6m, im Euripus, und auch hier wie anderwärts unter dem Einflusse lokaler Strömungen und Winde. Die Strömungen, die an den Küsten entlang gehen, erleichtern die Fahrt in den Golfen und Sunden. Die starke und konstante Strömung, mit welcher der Hellespont die durch große Flußsysteme verstärkten Wassermassen des Schwarzen Meers in das flußärmere Becken des Inselmeers ausschüttet, wird zwar durch die vielen Inseln, vorspringenden Landspitzen und tiefen Buchten in unzählige kleinere Strömungen verzweigt; stets aber behält sie ihre Hauptrichtung nach S. bei und trifft mit der längs der Südküste von Kleinasien gegen W. gerichteten Hauptströmung des Mittelmeers zusammen, die sich, wenn auf dem Archipel Nordostwind herrscht, oft wie das Wasser einer damdehim Schleuse zwischen Rhodos und dem Festlande hindurchstürzt. Die Winde haben auf dem Ägäischen Meere etwas Geregeltes und steigern sich nur selten zu verwüstenden Orkanen. Nur in der kurzen Winterzeit schwanken Wind und Wetter regellos; mit dem Eintritt der guten Jahreszeit Hacht au die Luftströmung einer festen Regel. Acht Monate im Jahre herrscht der Nordostwind, wechselnd mit dem Nord und Nordwest. Jihre orgen erheben sich diese Etesien oder Jahreswinde, die Moussons dieses Meers, von dem Hellespont und der thraz. Küste her und wehen am Tage das ganze Inselmeer hinab. Sie sind trocken, gesund und verdünnen die Atmosphäre, namentlich die dichte Luft und ungesunde Feuchtigkeit in den Thälern. Oft haben die Etesien wochenlang den Charakter eines Sturms, sind aber wegen ihrer Gleichmäßigkeit nicht gefährlich, zumal da der Schiffer bei der Klarheit der Luft bis auf 150 km hin seine Zielpunkte sehen und bei der Menge sicherer Ankerbuchten mit Leichtigkeit Schutz finden kann. Sinkt die Sonne, so lassen diese Winde nach, die See glättet sich, Luft und Wasser werden still, fast unmerklich erhebt sich ein leiser Südwind, Embates genannt, der immer mild, weich und heilbringend ist und darum von Dichtern des Altertums gepriesen wird. Abgesehen von diesem leichten Gegenwinde, sind die Südwinde, selbst im Sommer, wegen Unbeständigkeit und plötzlichen Umschlags unangenehm, doch von kurzer Dauer. Um die Zeit der Solstitien wehen Südost⸗ und Südwestwinde mit großer Gewalt; aber im Winter werden noch weit mehr die Nordstürme gefürchtet, welche, anarhen . von dicken, tiefhängenden Wolken, lebhaften litzen und gewaltigen Donnerschlägen, oft auch von Schnee und Hagel begleitet, sehr heftig, fast orkanartig wehen. Der Flug der Wandervögel, die zu bestimmten Zeiten des Jahres sich wiederholenden Züge der Thunfische geben dem chiffer willkommene Wahrzeichen, und bei Nacht regeln die an dem meist wolkenlosen Himmel auf- und niedersteigenden Gestirne sein Geschäft.