Agina, eine 86 gkm große, durchaus gebirgige Insel nahe der Ostküste der peloponnes. Landschaft Argolis. Sie soll ursprünglich Oinone oder Oinopia (nach dem Weine, der neben Ol, Mandeln und Feigen das Hauptprodukt des steinigen und magern Bodens bildet) geheißen haben, von Aacus aber, dem Sohne des eus, für welchen dieser die bis dahin menschenleere Insel mit dem aus Ameisen geschaffenen Volke der Myrmidonen bevölkerte, zu Ehren seiner Mutter, einer Tochter des Flußgottes Asopos, A. genannt worden sein. Nach der Einwanderung der Dorier in den Peloponnes nahmen Dorier von Epidaurus aus die Insel in Besitz. Nachdem sie um die Mitte des 6. Jahrh. v. Chr. das Abhängigkeitsverhältnis zu Cpidaurus gelöst hatte, gelangte die Insel bald an Bevölkerungszahl, Macht und Reichtum zu einer bl beispiellosen Blüte. Die Hauptbeschäftigung er Bevölkerung war Handel und Schiffahrt; daneben wurde auch Industrie (Fabrikation von Thonwaren, Salben und Kurz⸗ und Galanteriewaren) und Kunst, besonders Erzbildnerei (s. Agine⸗ +. ust), eifrig betrieben. Auch Münzen sollen in Griechenland zuerst auf A., und zwar vor der Losreißung der Insel von Epidaurus, unter der Herrschaft des —— Pheidon von Argos, geands gegen die 4et beteiligten sich die Bürger A.s mit Tapferkeit; viele ngehörige der vornehmsten Geschlechter der Insel erwarben sich auch als Sieger in den großen Festspielen zu Olympia u. s. w. Ruhm. Die Macht und Blüte der .v. wurde durch die seit dem Beginn des 5. Jahrh. v. Chr. mit steigender Erbitterung von beiden Seiten eführten, nur durch die Perserkriege unterbrochenen Kämpfe gegen Athen gebrochen, welche mit dem völligen Verlust der Selbständigkeit für die Insel endigten (456 v. Chr.). Im J. 431 v. Chr. wurden sogar die einheimischen Bewohner der Insel durch die Athener vertrieben und die? nsel mit athen. Kolonisten (Kleruchen) besetzt. Nach dem Ende des Peloponnesischen Kriegs führte der spartan. Feldherr Lysander die überreste der alten Behun wied in ihre Heimat zurück, und die Insel war nun wieder ein selbständiger, freilich machtloser Staat. Eine Zeit lang war sie im Besitz der Macedonier, wurde dann von den Athenern erobert und an König Attalos verhandelt, mit dessen Erbschaft sie an die Römer kam. Der Triumvir M. Antonius schenkte sie den Athenern, denen sie aber Auustus wieder wegnahm. Unter den byzant. Kaisern ehörte sie zu dem Themav (Statthalterschaft) von Hellas, kam nach der Eroberung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer in den Besitz von Galeotti Malatesta, von diesem an die Venetianer, wurde 1537 durch die von Khaireddin Barbarossa geführte türk. Flotte erobert, 1654 von dem venet. Admiral Francesco Morosini den Türken abgenommen, fiel aber bald wieder in die Hände derselben und blieb in deren Besitz bis zum griech. Freiheitskampfe. Jetzt gehört sie zu der Nomarchie Attika-Böotien des griech. Königreichs und hat (1879) 6127 E. Die gleichnamige, an der Westküste gelegene Hauptstadt der Insel lag im Altertum an derselben Stelle wie das jetzige, freilich bei weitem kleinere Städtchen A. mit 1773 E. Sie besaß zwei Häfen und eine Anzahl stattlicher Heiligtümer. Unter der türk. Herrschaft hatten sich die ewohner auf die obere Fläche eines 4 km östlich von der Stadt gelegenen Felshügels zurückgezogen welcher noch jetzt die verfallenen und verlassenen Häufer der sog. Paläochora trägt; im Altertum lag hier eine Ortschaft Hie. Der einzig bedeutendere Berg der Insel, im Südosten (jetzt schlechtweg Oros, d. i. Berg, genannt), trug im Altertum auf seinem Gipfel einen Altar des Zeus nach der hei Auf einem Hügel oberhalb der jetzt nach der heil. Marina benannten Bucht der Ostküste stand ein in dor. Stil aus gelblichem Kalkstein erbauter, mit Skulpturen aus parischem Marmor geschmückter Tempel der Athene, von dem noch stattliche Überreste erhalten sind. Vgl. O. Müller, Aegineticorum libero (Berl. 1817.)