Helvétius (Claude Adrien), berühmter franz. Philosoph, aus ursprünglich schweiz. Familie, der Sohn des Jean Claude Adrien H. (geb. 1662, gest. 1755) und der Enkel des Jean Adrien H. (gest. 20. Febr. 1727), die sich beide als Arzte einen Namen erwarben, wurde im Jan. 1715 zu Paris geboren. Er war für das Finanzfach bestimmt und wurde nach beendigten Studien zu seinem Oheim geschickt, um sich praktisch in diesem Fache auszubilden. Schon im 23. Jahre erhielt er eine Generalpächterstelle, die er jedoch wieder aufgab und gegen ein Hofamt bei der Königin vertauschte, vermochte aber auch in den Zerstreuungen des Hofs keine Befriedigung zu finden. Im J. 1751 heiratete er die schöne und geistvolle Tochter des Grafen Ligniville, eine Nichte der Frau von Graffigny, und von nun an lebte er den größten Teil des Jahres auf seinem Landgute Voré, wo er sich seiner Familie, Studien und schriftstellerischen Arbeiten widmete. Er hob auch den Ackerbau auf seinen Gütern, suchte Industrie in Gang zu bringen und übte eine ungemessene Wohlthätigkeit. Im J. 1758 gab er sein berühmtes Werk De l'esprito heraus, in welchem er alle Thätigkeiten des menschlichen Geistes aus dem Gefühls- oder Auffassungsvermögen (sensibilité) ableitet und den Beweis zu führen sucht, daß der Hebel aller menschlichen Thätigkeit das Bedürfnis der Selbstbefriedigung Eintérét) sei, die Tugend aber nur darin bestehe, die eigene Befriedigung dem allgemeinen Wohlsein, zunächst des engern geselligen Kreises, weiter dann der Gemeinde, des Staats, endlich der Menschheit unterzuordnen. Seine Angriffe auf das Bestehende in Religion und Politik zogen ungeachtet der Verhüllung, in welcher er sie vortrug, dem Werke und seinem Verfasser Verfolgung zu. Das Buch wurde 1759 auf Befehl des Parlaments öffentlich verbrannt, und H. sah sich genötigt, einen förmlichen Widerruf zu leisten. Erbittert hierüber, machte er 1764 eine Reise nach England und ging im Jahre darauf nach Deutschland. In Potsdam nahm ihn Friedrich II. mit Auszeichnung auf, obschon ihm seine wissenschaftlichen Ansichten nicht zusagten. Noch in der Fülle seiner Kraft starb H. 26. Dez. 1771. Nach seinem Tode gab der Fürst Galizin von ihm noch das Werk De l'homme, de ses facultés intellectuelles et de son éducationo (2 Bde., Lond. 1772; deutsch von Wichmann, Bresl. 1772 heraus, worin H. die Gedanken seines Buchs De Pesprito weiter ausgeführt hatte. Unter den Gesamtausgaben seiner Werke sind die beiden von 1795 in 5 und in 14 Bänden die besten.