Agrostis L. (Straußgras), Pflanzengattung aus der Familie der Gräser, Abteilung der Straußgräser (Agrostideen), einjährige und ausdauernde Arten enthaltend, die sich durch den schlanken, dünnen Halm, die schmalen, in der Knospenlage entweder zusammengerollten oder zusammengefalteten Blätter und die feinästigen, vor der Blütezeit zusammengezogenen, Drchen ausgebreiteten Rispen mit sehr kleinen Ahrchen auszeichnen. Bei allen sind ferner die Ahrchen einblütig, die unbegrannten und gekielten Hüllblätter langer als die Blüte; die Ahrchenachse ist am Grunde des Deckblattes kurz behaart, die Perigonblätter sind eiförmig, der Griffel ist sehr kurz oder fehlt ganz, die federförmigen Narben treten am Grunde des Ahrchens zwischen den Spelzen nach außen, und letztere bedecken lose noch die längliche oder eiförmige, im Querschnitte rundliche und innen schwach gefurchte Frucht. Von den bei uns einheimischen Arten ist zunächst A. Spica venti L. (Windhalm, große Meddel) dadurch ausgezeichnet, daß die Achse des Ahrchens über die Blüte hinaus zu einem Stiele als Ansatz zu einer zweiten Blüte verlängert ist und daß das fünfnervige Deckblatt eine Granne nahe unter seiner Spitze trägt, Merkmale, welche manche Botaniker veranlassen, diese und verwandte Arten als eigene Gattung (Apéra Adans.) abzutrennen. Der durch 0,3 — 1,6 m hohen Halm und weitschweifige Rispe ausgezeichnete Windhalm ist übrigens auf Sandboden, besonders wo er sich auf Getreideäckern einnistet, ein sehr lästiges Unkraut, dessen Körner noch vor der Erntezeit ausfallen, das nalig vor der Aussaat im Frühjahre durch mehrmaliges Umackern des Bodens möglichst beschränkt werden muß. Die übrigen Arten der Gattung A. besitzen dreinervige Deckblätter und keinen Ansatz zu einer zweiten Blüte. Unter ihnen ist A. alba L. (weißes Straußgras, Fioringras) die wichtigste Art, die auf feuchtem (doch immer leichterm) Boden zu den bessern Futtergräsern gehört und besonders auch auf salzhaltigem Boden (Wiesen an den Küsten, um Salinen) vorzüglich gedeiht. Es besitzt 30 —60 em (doch selbst bis 1,25 m) hohe Halme, flache und in der Knospe zusammengerollte Blätter mit länglichem Blatthäutchen, nach dem Blühen zusammengezogene Rispen mit meist grünlichweißen (seltener violetten) Ahrchen und zweispitzige, nur zuweilen auf dem Rücken eine Granne tragende Deckblättchen. Die weite Verbreitung und dichte Rasenbildung wird durch Ausläufer vermittelt, die auch bei den folgenden beiden Arten vorkommen. Von diesen steht A. vulgaris Neth. (A. stolonifera L., gemeines Straußgras, kleine Meddel) der vorigen Art am nächsten, unterscheidet sich aber leicht durch das kurze, abgestutzte Blatthäutchen, die auch nach dem Verblühen ausgebreitete Rispe und die meist violetten, selten grünlichen Ahrchen. Diese Art begnügt sich noch mit dürrem Boden und zählt daher zu den guten, besonders zur Schafweide geeigneten Triftengräsern. A. canina L. (Hundsstraußgras) endlich, auf sumpfigen Wiesen und in feuchten Wäldern nicht selten, 98 in der Knospe zusammengefaltete (nicht gerollte) lätter, von denen wenigstens die untern auch später borstenförmig zusammengelegt bleiben, ein längliches und gezähneltes Blatthäutchen, nach dem Blühen zusammengezogene Rispen und die an der Spitze gezähnelten Deckblätter unter der Mitte des Rückens mit einer geknieten, das Ahrchen überragenden Granne.