FeedAiguillon
GeschichteBrockhaus 1882

Aiguillon, ein franz. Herzogstitel, der von dem Schlosse und der Stadt dieses Namens im Depart. Lot-Garonne hergenommen ist. Der Kardinal Richelieu kaufte die Besitzung 1638 für seine Nichte Marie adelaine de Vignerot. Von dieser hochsinnigen Frau, die das Vertrauen des Oheims in hohem Grade besaß und 1675 starb, Arnand Besitztum und Titel auf deren Neffen rnaud Vignerot und von diesem 4* dessen Sohn Armand Vignerot Duplessis ichelieu, Herzog von A. Derselbe wurde 1720 geboren und zog früh die Neigung der Geliebten Ludwigs XV., der Könte von Chäteaurour, auf sich, weshalb ihn der König zur Armee abschickte. Bei Dardenr des Gllaß 1742 verwundet, wurde er Gouverneur des Elsaß und befehligte dann in der Bretagne. Als Gouverneur dieser Provinz geriet er durch seine gewissenlose Willkür in so schwere Händel mit dem dortigen Parlament, daß er auf Veranlassung des Ministers Choiseul abgerufen wurde. Durch die Gunst der Gräfin Dubarry gewann er jedoch einen solchen Einfluß auf Ludwig XV., daß er nach dem Sturze Choiseuls dessen Nachfolger wurde und nun im Einverständnis mit der Dubarry Frankreichs Angelegenheiten unbeschränkt leitete. Ihm ward hauptsächlich die Schwäche und Unfähigkeit der franz. auswärtigen Politik zur Last elegt, die nunmehr und namentlich bei der Teilung Polens hervortrat, wie denn sein Ministerium überhaupt als äußerste Entartung des alten Reime zu bezeichnen ist. Bei der Thronbesteigung Ludwigs XVI. 1774 wurde er entlassen und 177⁵ sarb vom Hofe verwiesen. Verachtet und vergessen, tarb er 1782. — Sein Sohn Armand, Herzog von A., geb. 1750, war 1789 Abgeordneter des Adels von Agen bei den Generalstaaten, erklärte sich für den dritten Stand und war einer der ersten, welche auf alle Vorrechte verzichteten. Nachdem er kurze Zeit 1792 am Rhein befehligt hatte, mußte er, dem Nationalkonvente mißliebig geworden, fliehen, ging nach London und starb in Hamburg 4. Mai 1800.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 275Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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