FeedAinmiller (Max Emanuel)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Ainmiller (Max Emanuel), berühmter deutscher Glasmaler, geb. zu München 14. Febr. 1807, war uerst Archite turmaler unter Gärtner an der Akaemie zu München und Ornamentist in der Porzellanfabrik zu Nymphenburg. Als unter Heß Vorstande ein Institut in München für die von König Ludwig I. von Bayern geförderte Wiederbelebung der mittelalterlichen Glasmalerei eingerichtet ward, erhob A. sin 1828 als Inspektor dasselbe durch seine neuen Erfindungen und Verbesserungen in der Technik auf den Gipfelpunkt. Er stellte Farbenglas in so großer Vollkommenheit her, daß man über 100— 120 verschiedene Farben und Nuancen verfügen konnte. Sein lle Aufnaber Sinn war wesentlich auf monumentale Aufgaben gerichtet. Aus jener Anstalt gingen Eung zuerst die Fenster für den Dom zu Regensburg (1826—33) und die für die Mariahilfkirche in der Vorstadt Au bei München (1833—38), für welche A. die ornamentalen Teile lieferte, die große Reinheit des Stils und Klarheit der Zeichnung bekunden. Für die Isaakkirche in Petersburg dertellu damals ein 9,6 m hohes Fenster, dessen Herstellung von A.s technischer Fertigkeit Zeugnis ablegte. Auf Veranlassung des Engländers Rlnd Hope führte er sodann 14 Fenster 510 eine irländ. Kirche aus. Es folgten 1844 —- 48 ie prächtigen Fenster, welche König .* für den Kölner Dom bestimmt hatte. Die Anstalt wurde 1851 vom Staate an A. überlassen, der nun für eigene Rechnung weiter arbeitete. Unter die Erzeugnisse aus dieser Zeit gehören zunächst die mit prächtigen Blumenstücken ausgemalten Fenster des Lustschlosses Wilhelma bei Stuttgart (1852). Die Dome zu Regensburg und Augsburg erhielten je ein Fenster mit Malereien (1853), nach England gingen 1854 f echs Fenster für das St.⸗Peterscollege in Cambridge, fünf nach Landshut fer den Chor der St.⸗Jo hem moet Das Münster zu Basel wurde mit einem Rosettenfenster geschmückt. Zwei Fenster mit den Gestalten des 12 schent⸗ und Paulus 0 den Vatikan gingen als Geschenk König Maximilians II. an Pius IX. Das großartigste und umfangreichste Werk A.s war indes die Herstellung sämtlicher Fenster der Kathedrale zu Glasgow; 40 derselben, mit mehr als 100 bibli chen und Geiil Bildern, wurden bis zu Anfang 1864 unter eihilfe seines Sohnes Heinrich vollendet und eingesetzt. Eine Anzahl von Gemälden für eine Kirche in Boston war 1863 kaum abgesendet, als schon neue Bestellungen für die Paulskirche in London und den Kölner Dom einliefen. Noch ist hervorzuheben das große Glasgemälde für das Parlamentshaus zu Edinburgh (1868), die Gründung des College of justice durch König Jakob V. im J. 1532 vorstellend. A.s Schöpfungen haben bei einzelnen Mängeln das große Verdienst, zur Wiederbestellung dieses lange vergessenen Fachs eine kräftige Anregung gegeben zu haben. A. starb 8. Dez. 1870 zu München. — Sein Sohn, Heinrich A., geb. 28. März 1837 0 München, besuchte ildete n die Gewerbe⸗ und Polytechnische Schule, bildete sich dann im Zeichnen nach der Natur und der Antike an der Akademie in München aus und trat nachher in die königl. Glasmalerei-Anstalt ein, welcher sein Vater vorstand. Während sich A. mit der Aneignung der Glasmalereitechnik beschäftigte, bildete ihn Heß in der Historienmalerei aus, sodaß schon nach wenigen irchen in Glas ausgeführt wurden. Seine erste größere Arbeit war ein Karton für ein Fenster des St.⸗Peterscollege in Cambridge; ompof folgte eine große Reihe von Figuren und Kompositionen für Airen der Kathedrale in Glasgow, die anglikan. irchen in Stuttgart und Baden-Baden, das Schloß Lumigny bei Coulommiers, die Paulskirche in London u. s. w. Nach dem Tode seines Vaters siedelte A. nach Salzburg über, um dort mit Muße seinem Lieblingsstudium, der Renaissance, obzuliegen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 277Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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