FeedHirt (Joh. Christian)
Bildende KunstBrockhaus 1882

Hirt (Joh. Christian), Bildhauer, geb. 4. März 1836 zu Fürth in Franken, war nach dem Wunsche seines Vaters zum Handwerker bestimmt, genoß jedoch den Unterricht der Gewerbeschule und fand in dem Geschäft seines Oheims, welcher mit Elsenbeinschnitzereien handelte, zunächst einige Gelegenheit, sich künstlerischer Thätigkeit zu widmen. Indem er dabei eifrig sich im Zeichnen übte, gewann er stets größere Neigung zu eigentlich artistischem Schaffen und erreichte es 1855 endlich, an die Akademie in München zu gelangen, wo ihn Professor Widnmann in der Bildhauerei unterrichtete. Nachdem ihm 1858 der erste Preis bei einer Konkurrenzarbeit zuteil geworden war und überdies für die Ausführung derselben die große silberne Medaille, erhielt der Künstler alsbald lohnende Aufträge. So vollendete er für Franz Hanfstängl ein Grabmalrelief für 386 Sohn, anderes entstand für das Palais des Barons von Stieglitz in Peters— burg. Für den Bau des münchener Nationalmuseums fertigte er mehrere Statuen, für die Gruft der Königin Marie von Bayern drei große Reliefs. Die Technik in Elfenbein, welche H. anfangs als Erwerbsquelle benutzt hatte, sollte ihm noch einmal dienen, um ein hervorragendes Kunstwerk in derselben hervorzubringen, indem er für ein von Franz Seitz entworfenes Album, eine Gabe der bayr. Offiziere an den Der ar0 Karl von Bayern, einen 0 Lindrr er König bestellte dann für das loß Linderhof eine Reihe von Arbeiten bei ihm, außerdem war H. ungemein thätig mit Anfertigung von Gruppen und Statuetten in Marmor, der deutschen Geschichte und Sage entnommen, welche, vielfach reproduziert, zum Handelsartikel wurden. Hierauf schuf er die in München 1879 ausgestellte Eurydice, welche für einen Privaten in Köln in Marmor ausgeführt wurde, desgleichen im selben Auftrage eine Andromeda und zwei große Gruppen: Tag und Nacht. Für seine Quellnymphe erhielt der Künstler in Nürnberg die goldene Medaille. Sie befindet sich in der Galerie des Kunstvereins zu München. Nebst mehrern Grabdenkmälern ist noch das Modell zu einer Gruppe Nessus und Dejanira zu erwähnen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 263Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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