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ReligionBrockhaus 1882

Album hieß bei den alten Römern eine weiße, gewöhnlich mit Gips überzogene Tafel, welche, mit schwarzer Inschrift versehen, öffentlich aufgestellt wurde. Auf solchen Tafeln veröffentlichten der Pontifex die offizielle Jahreschronik (annales maximi), der neuerwählte Prator sein Jahresedikt, andere Beamte Personenverzeichnisse, z. B. der Senatoren, der Richter, der geistlichen Kollegien und Korporationen. So Dun auch die Dienstlisten der röm. Heeresabteilungen und in der christl. Kirche das Verzeichnis der Kleriker (griech. Kanon). An diesen Sprachgebrauch anschließend, bezeichnete man gegen Ausgang des Mittelalters mit dem Namen A. ein Buch weißer, zusammengehefteter oder lose zusammengelegter Blätter, welches die Bestimmung hatte, eigenhändige Auf- und Einzeichnungen verschiedener Personen aufzunehmen. Daher führte nicht nur auf Universitäten und höhern Schulen das Verzeichnis ihrer Angehö—⸗ rigen den Namen A., sondern auch die Stammbücher (s. d.), welche besonders von Gelehrten und Künstlern angelegt wurden, um von befreundeten Conversations-Lexikon. 13. Aufl. I. Fachgenossen oder sonst berühmten Männern etwas zur Erinnerung einschreiben oder einzeichnen zu lassen. V. Deutschland war jedoch die Benennung A. von Büchern letzterer Art durch den Namen Stammbuch oder Gesellenbuch längst in den Hinterrund gedrängt worden, als das Wort A. von earr aus, wenn auch mit etwas veränderter nwendung, wiederum in Aufnahme kam. Gu Frankreich hatte sich seit der Restauration der Gebrauch verbreitet, Sammlungen von Poesien namhafter Dichter, vorzugsweise aber von Zeichnungen eindn Rue Maler anzulegen, welchen man die Form eines Buchs und den Namen A. verlieh. . Mode fand in England und Deutschland alsbald Nachahmung. Außerdem aber wurde jetzt der Name A. vielfach als Titel für eine große Anzahl litterarischer und artistischer Erscheinungen benutzt. Die Reihe dieser Klasse von A., die oft künstlerischen Wert besitzen, beginnt in Deutschland mit dem Jügelschen A. «Malerische Erinnerungsblätter an den Rheinp (Frankf. 1830). Besonders hervorragende Erscheinungen auf diesem Gebiete sind u. a. noch das «Düsseldorfer Künstler-Albumo (seit 1851, fortgesetzt seit 1866 als «Deutsches Künstler-Album v) welches dem Wiener Künstler-Albump (1857—61) und ähnlichen Unternehmungen zum Vorbild gedient hat. Endlich führt den Namen A. auch noch eine Anzahl von Büchern, welche, nach Art der Chrestomathien, namentlich Poesien verschiedener Dichter nach gewissen Gesichtspunkten (Ländern, Völkern, Zeitaltern) zusammenstellen, wie z. B. das A. der neuern deutschen Lyrik (9. Aufl., Lpz. 1877) und viele andere unter diesem Titel vorhandene poetische Anthologien. Eine andere Art von A. ist das Photographie-A., welches einen stehenden, oft sehr glänzend und geschmackvoll vertretenen Artikel der feinern Buchbinderarbeit bildet, und das Briefmarken-A.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 353Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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