Alchimisten immer noch nicht ganz ausgestorben. Noch zu Anfang des 19. Jahrh. bestand in Deutschland eine von Kortum in Bochum (dem Verfasser der Jobsiadev) gegründete Gesellschaft von Alchimisten (die „(Hermetische Gesellschafth genannt), die ihre Verhandlungen im Deutschen Reichsanzeigerveröffentlichte. Nach dem jetzigen Stande der Chemie, wona man die Metalle als Elemente, d. i. als chemis einfache Stoffe, ansieht, muß es für unmöglich gelten, aus andern als goldhaltigen Stoffen Gold zu ewinnen. Sollte sich aber auch zeigen, daß die etalle zerlegbar seien, so steht doch fest, daß der Weg dazu ein ganz anderer sein müßte, als es der von den Alchimisten eingeschlagene war. Niemals hat man bisher aus unedeln Metallen Gold erzeugen können, obschon dies in dem wundergläubigen Mittelalter mit überzeugung behauptet worden ist. Wie — 1 übrigens auch das Ziel der Alchimisten war, so haben sie doch durch die Erfahrungen, die sie bei 1enl der dieses Ziels notwendig machen mußten, der Chemie den wesentlichsten Nutzen gebracht, ja mit den Grund zu dieser Wissenschaft gelegt. Vgl. Schmieder, 4Geschichte der A. (Kass. 1832); Marchand, «Über die A. v (Halle 1847); R. Wagner, Geschichte der Chemiey (pz. 1853); H. Kopp, 4«Geschichte der Chemie v (Bd. 1, Braunschw. 1843); derselbe, «Die Entwickelung der Chemiev (Abteil. 1, Münch. 1871); Löwinstein, «Die A. und die Alchimistenv (Berl. 1870). Aleiäti (Andrea), ital. Rechtsgelehrter, geb. 8. Mai 1492 im Flecken Alzate bei Mailand, aus alter mailändischer Familie, widmete sich dem Rechtsfache und erhielt auf Grund seiner Civilrechtlichen Paradoxen» (Paradoxorum libri VI), einen Ruf an die Rechtsschule von Avignon. In kurzem war A. der berühmteste Rechtslehrer seiner Zeit, lehrte später abwechselnd zu Bourges Bologna, dreimal zu Pavia, zu Ferrara und noch einmal zu Avignon, arbeitete auch mehrere Jahre als Advokat in Mailand und starb 12. Jan. 1550 zu Pavia. A. hat zuerst Gegenstände der echtswissenschaft mit schärferer Kritik und an der klassischen Philologie geschulter Methode behandelt und in gutem Latein dargestellt. Seine Rechtsschriften sind in den Opera omniay (4 Bde., Bas. 1546—49 u. öfter; 6 Bde., Lyon 1560—61.; 4 Bde., Frankf. a. M. 1617) gesammelt. Er schrieb aber auch antiquarische Abhandlungen und eine aus den Quellen geschöpfte Geschichte Mailands bis zur Zeit Justinians in vier Büchern. Unter seinen poetischen Arbeiten waren die Emblemata (zuerst Mail. 1522), Epigramme auf Tugenden und Laster seiner Zeitgenossen, am beliebtesten. Von den zahllosen Ausgaben derselben sind mehrere wegen ihrer Holzschnitte geschätzt. Vgl. Claudio Mignault, Vita dA.„ (Mail. 1584); B. Podesta, (Documenti inediti per servire alla storia del diritto. Andrea A. lettore nello studio de Bologna 1537-415 (Bologna 1874). Aleibiädes (grch. Alkibiades), athen. Staatsmann und Feldherr, Sohn des Kleinias und der Deinomache, geb. zu Athen 451 v. Chr., verlor seinen Vater in der Schlacht bei Koroneia 447, und ward im Hause des Perikles, seines Verwandten, erzogen. Er zeigte von Jugend auf hohe Begabung und manche edle Züge, aber auch skrupellose Selbstsucht, Leichtfertigkeit, kecken Ubermut und die heftige Begierde, überall der erste zu sein. Seine Schönheit, seine hohe Geburt und das Ansehen des Perikles verschafften ihm eine Menge Freunde und Verehrer. Sokrates gewann großen Einfluß auf ihn; allein er konnte doch seinem bessern Selbst nicht mehr zur vollen wahriche verhelfen. Nach Perikles' Tode anfangs wahrscheinlich ein Gegner des Kleon, trat er nach dessen Tode (422), als der Aristokrat Nikias 421 zwischen den kriegführenden Athenern und Spartanern einen Frieden auf 50 J. zu Stande gebracht hatte, eifersüchtig auf des Nikias Ansehen, an die Spitze der radikal demokratischen und Kriegspartei, bewog die Athener, sich im Frühjahr 420 mit den Argivern, Cliern und Mantineern zu verbinden, und wußte Sparta selbst im Peloponnes zu isolieren. Der Sieg der Spartaner 418 in der Schlacht bei Mantineia, an der auch A. teilnahm, machte jedoch dieser Koalition plötzlich ein Ende. Auf des A. unheilvolles Betreiben unternahmen sodann die Athener 415 eine Expedition gegen Sicilien, zunächst um den Egestäern uch gegen Selinus und Syrakus — gewähren; auch ernannten sie hierbei A. nebst Nikias und Lamachos zum Oberbefehlshaber. Aber während man die Zurüstungen betrieb, geschah es, daß in der Nacht zum 11. Mai alle Hermensäulen Athens verstümmelt wurden. A.“ Feinde warfen den Verdacht davon auf ihn, doch wurde er nicht wegen dieses Frevels angeklagt, an dem er auch unschuldig war. Aber er sollte die Eleusinischen Mysterien profaniert haben. A. verlangte vergebens sofortige Untersuchung vor Abgang der Expedition. Diese war erst wenige Wochen weg, als das aufs höchste durch A.' Feinde aufgehetzte Volk ihn zurückrief, damit er sich wegen Parodierung der Mysterien in einem Privathause verantworte. In Sicilien war A. Ansicht über die Art der Ausführung der Expedition durchgedrungen, zu der aber auch A.' Persönlichkeit erforderlich war, und man hatte auch schon einige Erfolge erzielt. Jetzt (im August) folgte A. dem Befehle zur Rückkehr, entfloh aber auf dem Rückwege in Thurii und begab sich nach dem Peloponnes. Als ihn in Athen das Volk zum Tode verurteilte und mit dem Fluche belegen ließ, ging er nach Sparta (Ende 415) und wußte sich hier namentlich durch strenge Beobachtung der Landessitte bald zum Lieblinge des Volks zu machen. Durch ihn wurden die Lacedämonier bestimmt, den Syrakusiern Hilfe zu senden und sich in Attika selbst 413 durch die Besetzung von Dekeleia einen festen Platz zu verschaffen. Auch gab der rachgierige A. den Ausschlag dahin, daß sie nach dem unglücklichen Ausgange der athen. Unternehmung auf Sicilien (Sommer 413) sich für die Verbindung mit dem pers. Satrapen Tissaphernes und die Unterstützung zunächst von Chios entschieden,‚ um letzteres von Athen loszureißen. Er ging selbst im Ilidener 412 dahin und brachte Jonien gegen die — 20 in Aufstand.