FeedAldobrandinische Hochzeit
Sitten & ModeBrockhaus 1882

Aldobrandinische Hochzeit, ein altes, wahrscheinlich aus dem Zeitalter des Augustus stammendes Wandgemälde, nach einem Marariech. Vorbilde, das in der Nähe von Sta.⸗Mariaaggiore zu Rom beim Bogen des Gallienus in den ehemaligen Gärten des Mäcenas 1606 gefunden ward. Zuerst Besitztum des Kardinals Aldobrandini, erhielt es von diesem den Namen. Nach Hen ahrhunderten kam es durch Erbschaft in esitz der Familie Borghese, die es verkaufen ließ. Seit 1818 befindet es sich im Vatikan. Die Darstellung umfaßt zehn Personen und ist reliefartig in drei Gruppen geteilt. In der Mitte das Brautgemach. Die Braut sitzt in ein duünnes weißes Gewand bis auf das Gesicht verhüllt auf dem reichen Lager; ihr zur Rechten sitzt, ebenfalls auf dem Bekte, die Pronuba, ihr liebevoll zuredend, während eine Dienerin sich bereitet, die Braut zu salben. Links in einem andern Gemache Frauen, die das gebräuchliche Fußbad rüsten; rechts, dicht vor dem Brautgemach, auf einer Estrade der harrende Bräutigam und in einem Vorraume drei Frauen mit dem Opfer und dem Gesang des Epithalamiums beschäftigt. Winckelmann hat diese Darstellung auf die Hochzeit des Peleus und der Thetis, Biondi auf die des Manlius und der Julia edeutet, andere denken an die Vermählung des aris mit der Helena, noch andere bezeichnen dieses Bild als chistor. Genres und erkennen in demselben eine einfache Hochzeitsfeier ohne mythische Unterlage. O. Müller hält die der Braut zuredende Figur für Aphrodite und die Dienerin für Charis; Böttiger gibt dem Gemälde eine allegorisch-mythische Bedeutung. In künstlerischer Hinsicht ist zu bemerken, daß dem Gemälde durchaus ein pla lischer Reliefstil zu Grunde liegt. Vgl. Böttiger, Die Aldobrandinische Hochzeito (Dresd. 1810).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 366Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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