Heß (Heinr. Maria von), Historien⸗ und Freskomaler, Bruder von Peter H., geb. 19. April 1798 zu Düsseldorf, wurde zuerst von seinem Vater, dann unter Langer seit 1813 an der münchener Akademie für die Historienmalerei gebildet. Schon sein erstes selbständiges Bild, eine Grablegung, erregte allgemeine Anerkennung. Nach einer Reihe kleinerer Bilder aus der bidlischen Historie folgte ein größeres Gemälde, eine heilige Familie, 1817 in München ausgestellt, welches ihm mehrere Bestellungen der verwitweten Königin Karoline von Bayern verschaffte. Nachdem er durch die Darstellung einer Vesper, durch ein sinniges Bild: Glaube, Liebe, Hoffnung (in der Leuchtenbergschen Sammlung), einen heil. Lukas, der die Madonna malt, eine Grablegung in der Theatinerkirche, heilige Familie (im Besitz des Königs von Preußen) u. s. w. seinen Ruf noch erhöht, ging er 1821 mit Unterstützung des Königs von Bayern nach Rom, wo er bis 1826 verweilte und sein großes, von dem Cinflusse Rafaels zeugendes Gemälde Apollo und die neun Musen ausführte, das sowohl in Rom wie in München mit Enthusiasmus aufgenommen wurde. Im V. 1826 ward er als Professor an die Akademie von? 19.10 berufen, und zugleich erhielt er den Auftrag, die artistische Leitung der Glasmalereinahmen welche ein Jahr darauf erstand, zu übernehmen. Um hier eine ernste künstlerische Richtung zu begründen, zeichnete H. selbst 1826 die Kartons zu den Fenstern des regensburger Doms. Später behielt er nur die obere Anordnung und Leitung der Anstalt in Händen. Er entwarf ferner die Glasgemälde der 19 großen Fenster in der Aukirche bei München (bis 1837), sowie die dem lölner Dom von König Ludwig IJ. geschenkten 4 Fenster. Als Freskomaler schmückte er 1827—37 die Allerheiligenkirche mit 67 Banlita Gemälden auf Goldgrund, 1838—45 die Basilika des heil. Bonifacius. Dieselbe enthält nebst den beiden Seitenaltargemälden 64 Kompositionen größtenteils überlebensgroßer Bilder, von denen 22, als Fries um das Innere der Kirche gelegt, das Leben des heil. Bonifacius darstellen. Diese Gemälde sind von großer harmonischer Wirkung in dem schönen ausgedehnten und stilvollen Gebäude. Sie wurden nebst dem im Klosterrefektorium befindlichen großen Abendmahl gegen Ende des J. 1846 vollendet. Später wandte sich H. wiederum der Olmalerei zu und führte unter anderm ein großes, durch hohe Formenschönheit ausgezeichnetes Altarbild aus: Madonna mit vier Heiligen, welches König Ludwig I. als ein Gedächtnisbild der vier von ihm in München erbauten Kirchen für die Neue Pinakothek bestimmt hatte. An der Vollendung eines Abendmahls in großen Dimensionen, ebenfalls ar König Ludwig bestimmt, hinderte ihn sein 29. März 1863 erfolgter Tod. H. Kompositionen sind von einfacher, ruhiger Anordnung. Auch als Porträtmaler erwarb er sich einen wohlverdienten Ruf. In der letzten Zeit war er auch Direktor der königl. vereinigten Sammlungen zu München.