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ErdkundeBrockhaus 1882

Ancona, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz des Königreichs Italien und nach Venedig dessen wichtigste Seestadt am Adriatischen Meere, steigt amphitheatralisch am nordöstl. (dem Conerischen) Vorgebirge der adriatischen Küste zwischen dem steilen Monte Ciriaco (Guasco) und dem Monte Astagno (della Fortezza) auf und gewährt von der See aus einen malerischen Anblick. Die Stadt ist Sitz eines Bischofs, eines Appellationsgerichts und der Provinzial⸗ und Bezirksbehörden und zählt (1871) 28931 (Gemeinde: 45 741, 1880: 46 942) C., darunter über 6000 Juden, welche die auch früher grundsätzlich geübte Duldung herbeilockte. Huuper Seehandel und Schiffahrt sind Schiffbau, die Fabrikation von Seidenwaren, Segeltuch, Papier u. s. w. Haupterwerbszweige. Im ganzen ist die Stadt schlecht und eng gebaut; doch ist in neuester Zeit durch Anlagen neuer breiter Straßen vom Hafen aus manches gebessert. Auf dem schönen, von Trajan erbauten Molo von 650 m Länge befindet sich der 115 n. Chr, errichtete, 14m hohe Triumphbogen Trajans aus weißem Marmor, während der neue Molo einen plumpen Bogen (Arco Clementino) aus Backsteinen zu Ehren des Papstes Clemens XII. trägt. Außerdem verdienen Erwähnung die Kathedrale San-Ciriaco, eine Basilika aus dem 11. und 12. Jahrh., welche an der Stelle eines Tempels der Venus Marina steht, mit dem prächtigen Sarkophag des Titus Gorgonius, Prätors von A., in der Krypta, die 1355 erbaute Kirche Sta. Maria della Piazza, das schöne, reiche Portal (von 1456) von Sant'⸗Agostino, einer 1338 errichteten Kirche, die Kirche San-Domenico (von 1470, 1788 renoviert), die prächtige spätgotische, 1443 begonnene Börse (mit Fresken von Tibaldi, 1557) und San-Francesco delle Scale, jetzt Bürgerhospital, mit herrlichem spätgot. Portal von 1455, ferner das um 1270 erbaute Stadthaus. A. besitzt einen schönen, haf alter Zeit gerühmten Hafen, der 1732 zum Frei üm erklärt wurde. Unter der päpstl. Regierung nahm die Verschlämmung überhand, und der einst blühende . des Platzes nach dem Orient und dem ganzen ittelmeer war im zweiten Drittel des 19. Jahrh. tief gesunken. Seit 1860 hat die ital. Regierung die Wiederherstellung der Hafenanlagen mit Erfolg betrieben, die Befestigungswerke verstärkt und A. zum Kriegshafen und ben Flottenstation für die adriatischen Küsten erhoben. Kleinere Schiffe können jetzt direkt am Quai laden und löschen. Der Verkehr ist im Aufblühen begriffen, und die Stadt hat als Eisenbahnknotenpunkt sowie als eine en Merre die der Dampferlinien auf dem Adriatischen Meere die Aussicht, wiederum ein großartiger Verkehrsplatz u werden. A. ist Hauptstation der Bahn Bolognarindisi und Ausgangspunkt der Bahn A.⸗Foligno-Rom. Unter den Dampfschiffsverbindungen A.s mit Griechenland und der Levante sind hervorzuheben die Linien Triest-Konstantinopel und Triest-Alexandrien, welche jede einmal wöchentlich A. anlaufen; ferner die Linie von Genua, welche die meisten ital. Häfen berührt, und eine Verbindung mit Liverpool. Die Einfuhr besteht vorzugsweise meist aus Stockfisch Lardi Kaffee (via Deutschland), Zucker (via Holland), Eisen u. s. w.; die Ausfuhr besonders aus Getreide, Segeltuch, ohsede, seilen, Hanf, Walnußholz, Weinstein, Rohseide, Schwefel, Lamm-und Ziegenfellen, Olivenöl u. s. w. — Die gegenwärtige Provinz A. umfaßt 1907qkm mit (1876) 268 338 E. Tadtanera, Dien A. wurde wahrscheinlich von Syrakusanern, die vor der Tyrannei des ältern Dionys flohen, 392 v. Chr. gegründet, war die einzige griech. Stadt in Mittelitalien und ward im 1. ahrh. v. Chr. röm. Kolonie. Die Römer Larter. dann hier ihre Flottenstation N die Illyrier. Trajan erweiterte den Hafen, und Narses stellte den von den Goten zerstörten Ort wieder her, der aber 592 von den Longobarden eingenommen und 839 von Sarazenen verwüstet wurde. A. erhob sich zur Republik, wurde aber 1532 von Papst Clemens VII. eingenommen und samt ihrem Gebiete zum Kirchenstaate geschlagen. Am 13. Nov. 1799 nahmen es nach vierwöchentlicher tapferer Verteidigung von seiten des fas Generals Monnier die Ssterreicher unter Feldmarschalllieutenant Fröhlich; 1805 wurde es wieder von den Franzosen besetzt, 1808 zum Königreich Italien geschlagen, 1814 aber an den Kirchenstaat zurückgegeben. Seitdem blieb nur noch die Citadelle befestigt. Als 1831 österr. Truppen die insurgierten röm. Marken besetzten, trat die franz. mirchen dem militärischen Einfluß Österreichs im Kirchenstaate durch die Besetzung A.s 22. Febr. und der Citadelle 23. Febr. 1832 entgegen. Aller Protestation des röm. Stuhls ungeachtet hielten die Franzosen, jedoch unter päpstl. Civilverwaltung, A. bis zum Dez. 1838 besetzt, wo sie gleichzeitig mit den österr. Truppen das röm. Gebiet verließen. Während 1849 die Franzosen Rom dem Papste unterwarfen, drangen die Ssterreicher in die Romagna und die Marken und zwanen das mit einer revolutionären Besatzung versehen; A. nach einer Belagerung vom 24. Mai bis 19. Juni und einem heftigen Bombardement zur Kapitulation. Die Esterreicher hielten seitdem A. besetzt, verließen es aber 1859 nach der Schlacht von Magenta. Seitdem ward die national gesinnte Stadt von päpstl. Truppen daniedergehalten, die es überdies zum Waffenplatze machten. Nach dem Siege der Piemontesen 18. Sept. 1860 bei Castelfidardo warf sich Lamoricière mit dem Reste des päpstl. Heers nach A., mußte sich aber, nach zweitägiger 95 den Mar 29. Sept. ergeben. Mit Umbrien und den Marken wurde 17. Dez. 1860 auch A. dem Königreich Italien einverleibt. „Anere (Baron von Lussigny, Marschall d), eigentlich Concino Coneini, ein Florentiner, aus senatorischem Geschlecht, kam empor durch den Einfluß, welchen seine Gattin Leonora Dosi, genannt Galligai, auf Maria von Medici, die Gemahlin Heinrichs IV. von Frankreich, ausübte. Als nach der Ermordung des letztern der Königin die Regentschaft zufiel, wurde Concini Marquis von A., erster Kammerherr, Gouverneur von Amiens, Marschall von Frankreich, und hielt die Zügel der Regierung faktisch in seiner Hand. Er verfeindete sich indessen durch seine Herrschsucht mit den Großen und zog sich durch seine Verwaltung den bittersten Haß des Volks zu. Ebenso machte er sich auch dem jungen König Ludwig XIII. verhaßt, und so gelang es den Mißvergnügten, mit Vorwissen des Königs eine förmliche Verschwörung gegen das Leben A.s zu bilden. Als A. am Morgen des 24. April 1617 in Begleitung von 50—60 Personen das Louvre betrat, schoß ihn der Kapitän der Garde, Vitry, nieder. Man begrub den Leichnam in der Stille. Aber das Volk zog ihn nach einigen Tagen hervor, schleifte ihn durch Paris, hieb ihn in Stücke und verbrannte dieselben an der Statue Heinrichs IV. Auch die Galligai wurde in die Katastrophe ihres Gemahls verwickelt: der Zauberei angeklagt, ward sie 8. Juli 1617 hingerichtet. „d.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 616Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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