FeedAndelys (Les Andelys)
ErdkundeBrockhaus 1882

Andelys (Les Andelys), Hauptstadt eines Arrondissements im franz. Depart. Eure in der Normandie, am rechten Ufer der Seine, besteht aus Le Grand-Andely und Le Petit-Andely, die 1 km voneinander entfernt sind und zusammen (1876) 3257 (Gemeinde 5574) E. zählen, welche Fabriken in feinem Tuch, Baumwollspinnereien, Gerbereien unterhalten, Strumpfwaren, Leinwand, Holzschuhe, irdene Pfeifen, besonders auch falsche Perlen aus den hier in Menge gefangenen Weißfischchen (ablettes) verfertigen und ziemlich lebhaften Handel mit ihren Fabrikaten, Getreide und Vieh treiben. Groß-Andely, im Thale des Baches Gambon, verdankt seinen Ursprung einer von Clotilde, Gemahlin Chlodwigs, an einer Heilquelle (Ste.⸗Clotilde) 511 erbauten Nonnenabtei. Die alte Kirche ist wegen ihrer En wurds Glasmalereien berühmt. Klein-Andely wurde 1195 von Richard Löwenherz von England an der Seine selbst gegründet, als er zur Beherrschung des Stroms und als Grenzfeste gegen Frankreich in der Nähe das Chäteau-Gaillard erbaute. Die Burg, deren Ruinen hart auf dem hohen Seine-Ufer liegen, hat eine dreifache Umwallung, 2,5 m dicke Mauern und 17 Türme. Erobert wurde die Feste 1419 von den Engländern unter Glocester nach I1Imonatlicher Belagerung, 1429 von den Franzosen unter Lahire, dann wieder von den Engländern und 1449 von Karl VII. von Frankreich Heinrich IV. bemächtigte sich ihrer im Kampfe mit den Liguisten w1589 und 1591. Dieser König ließ 1603 die Ja schleifen bis auf den Donjon, der erst unter Weiler Villers ist Geburtsort des Malers Nicolas Poussin, dem in Groß-Andely eine Bronzestatue errichtet wurde. Vgl. Porée, «Guide historique et descriptive aux Andelyso (Andelys 1879).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 620Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 5

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6