FeedAlexandrinische Bibliothek
GeschichteBrockhaus 1882

Alexandrinische Bibliothek. Diese Alter- und berühmteste unter allen Bibliotheken des Altertums wurde vom ägypt. König Ptolemäos II. Philadelphos (s. d.) gestiftet. Bereits unter Ptolemäos J. Soter hatte der Athener Demetrios Phalereus 50000 Bände oder Rollen zusammengebracht, und in I. blühendsten Zeit soll die durch berühmte Gelehrte, wie enodotos, Kallimachos, Eratosthenes, Apollonios Rhodios, Aristophanes von Byzanz, Aristarch u. a. geleitete Anstalt 490000, nach einem Zeugnisse des Altertums mit Einrechnung aller Doubletten endlich sogar 700000 Rollen gehabt haben. Der größere Teil dieser Bibliothek, welche die gesamte röm., griech., ind. und 00pt Litteratur umfaßte, war in einem an den königl. Palast anstoßenden Gebäude, in der Nähe des Museums, im Quartier Brucheion, aufgestellt. Sie verbrannte bei Gelegenheit der furchtbaren Kämpfe, welche Julius Cäsar 48 und 47 v. Chr. in Alexandrien gegen die Agypter zu bestehen hatte, wurde aber nachher durch die pergamenische Bibliothek, welche der Triumvir Marcus Antonius der Königin Kleopatra schenkte, wieder ersetzt. Eine zweite kleinere, durch Ptolemäos II. gegründete Bibliothek befand sich im Serapeion im Quartier Rhakotis. Sie enthielt speziell zu praktischen Unterrichtszwecken 42800 Bände, darunter viele Doubletten der großen Bibliothek, und erhielt sich bis auf die Zeiten Theodosius' d. Gr., unter welchem ein Haufe fanatischer, über die fortdauernde Serapisfeier aufgebrachter Christen, vom Erzbischof Theophilos angeführt, das Serapeion 391 stürmte und verheerte. Schon bei diesem Sturme, und nicht erst bei der Eroberung Alexandrias durch die Araber unter Omar 641, wurde die Bibliothek zerstört. Vgl. Petit-Radel, cKecherches sur les bibliothèques anciennes et moderneso (Par. 1819); Ritschl, «Die Alexandrinischen Bibliotheken » (Bresl. 1838); Weniger, «Das Alexandrinische Museum » (Berl. 1875).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 390Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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