Herödes (Tiberius Claudius Atticus), berühmter griech. Rhetor, geb. zu Marathon im Anfange des 2. dobeh. n. Chr., widmete sich frühzeitig mit Erfolg der Beredsamkeit. Auch verwaltete er wiederholt öffentliche Amter zu Athen und erhielt, nachdem er schon unter Hadrian kaiserl. Kommissar in den freien Städten Kleinasiens gewesen, unter Lucius Verus und Antoninus Pius, deren Lehrer er war, 143 n. Chr. das Konsulat. Er starb 177 n. Chr. Sein großes Vermögen verwendete er zu wohlthätigen und gemeinnützigen Zwecken, besonders zur Errichtung prächtiger Bauwerke. Berühmt waren unter diesen das seiner Gattin Regilla gewidmete Odeum in Athen, die Umwandlung und Ausschmückung des panathenäischen Stadions und die nach dem Heros Triopas mit dem Namen Triopium bezeichnete Gartenanlage in der Nähe von Rom und der Appischen Straße mit einem Totenfeld für seine Familie und einem Tempel. In diesen Anlagen entdeckte man außer mehrern kleinern zwei größere, aus 39 und 59 Hexametern bestehende griech. Weihinschriften, wahrscheinlich von dem Arzt und Dichter Marcellus aus Side verfaßt, deren Originale sich im Museum des Louvre zu Paris befinden. Auch in Olympia wurden 1877 die Reste der von ihm geschenkten Wasserleitung und einer das Hauptbassin in Olympia überragenden halbrunden Exedra mit Statuen der Familien des Antoninus Pius und Marc Aurel und solchen seiner eigenen Familie ausgegraben. Von den Reden des H. ist nur eine «Uber den Staato erhalten; es ist aber fraglich, ob dieselbe von ihm herrührt. Sie ist in ältern und neuern Sammelausgaben der «Oratores Atticis abgedruckt, zuletzt in denen von Bekker, von Dobson und von C. Müller. Vgl. Vidal-Lablanche, Hérode Atticus. Etude critique sur sa vies (Par. 1871.