FeedAlexandrinischer Krieg
GeschichteBrockhaus 1882

Alexandrinischer Krieg, der Krieg, in den Julius Cäsar im Okt. 48 v. Chr., nach der Schlacht bei Pharsalus, verwickelt ward. (S. Cä sar.) s cheitolten. Schule und Alexandrinisches Zeitalter. Als die Blüte der hellen. Nationallitteratur zugleich mit der Kraft und Selb-Derweiren der alten Großstaaten Griechenlands zu verwelken begann, wurde zu einer Zeit, wo griech. Kultur sich über den ganzen Umfang des von Alexander d. Gr. gegründeten, aber nach seinem Tode in verschiedene Staaten auseinander fallenden Reichs verbreitet hatte, unter dem Schutze und der Begünstigung der Ptolemäer die Stadt Alexandria in Agypten, die durch ihre Lage zum Mittelpunkte des damaligen Weltverkehrs wurde, ein dominierender Hauptsitz litterarischer und gelehrter Thätigkeit. Das Zeitalter, während dessen hier griech. Poesie und Wissenschaft gepflegt ward, heißt wegen der eigentümlichen Art, in welcher dies geschah, das Alexandrinische. Es läßt sich in zwei Hauptperioden scheiden, von denen die erstere, die Regierungszeit der Ptolemäer umfassend, das Alerandrinische Zeitalter im engern Sinne des Wortes, von 323 — 30 v. Chr. reicht, die letztere von 30 v. Chr. bis um 640 n. Chr., oder vom Ausgange der Ptolemäischen Dynastie bis zur arab. Eroberung sich erstreckt. Der erste unter den griech. Fürsten, welcher in Alexandria griech. Wissenschaft und Bildung eine breite Basis und einen neuen Herd zu schaffen suchte, war Ptolemäus Soter, der viele Gelehrte dahin 8 Musen den Grund zu den Bücherschätzen und dem Museum Alexandriens legte. Weit mehr noch förderte diese Studien sein Nachfolger Ptolemäus Philadelphus, der namentlich die berühmte Alexandrinische Bibliothek im großen Umfange herstellte. Der Alexandrinischen Schule gehörten Griechen, Agypter, Juden und später auch Römer an. Die größte Bedeutung erlangten die Grammatiker, geringere die Dichter. Jene waren nicht einfach Sprachlehrer oder Sprachsorscher, sondern Philologen und Litteratoren, die ebenso wohl Sachen als Worte erklärten, also eine Art Encyklopädisten. So Zenodotus der Ephesier, der die erste grammatische Schule zu Alexandria bildete, Eratosthenes der Cyrener, Aristophanes von Byzanz, Aristarch von Samothrake, Krates von Mallus, der an einem zweiten Hauptsitz der Gelehrsamkeit, in Pergamum, wirkte. Dionysius der Thrazier, Didymus, Apollonius Dyskolus und viele andere. Ihr Hauptverdienst ist, die vorhandenen Denkmäler der Kultur und Litteratur gesammelt, geprüft, beurteilt und für die folgenden Geschlechter aufbewahrt zu haben. Die berühmtesten unter den Dichtern, welche ebenfalls größtenteils in Alexandrien selbst schrieben, waren: Apollonius der Rhodier, Aratus, Nikander, Euphorion, Kallimachus, Theokrit, Philetas, Phanokles, Timon der Phliasier und die sieben Tragiker, welche man das Alexandrinische Siebengestirn nannte, darunter Lykophron. Das Alexandrinische Zeitalter mit seiner enyklopäd. Bildung hat einen von dem frühern hellen. Leben durchaus verschiedenen Geist und Charakter. Bei der Aufmerksamkeit, welche man dem Studium der Sprache widmete, war es natürlich, daß Richtigkeit, Reinheit und Zierlichkeit derselben zum besondern Augenmerk gemacht wurden, und wirklich zeichnen sch in diesen Eiber dor ten viele Alexandriner vorteilhaft aus. ber der Geist, welcher die frühere Poesie der Griechen beseelte, mangelt den meisten dieser Werke, denen noch dazu die wichtige Wechselbeziehung zu einem wirklich nationalen Publikum fehlt. Dafür pflegte man die aufs höchste ausgebildete und verfeinerte Technik, die kunstreich berechnete Komposition, die gewählte Eleganz in der Form; Kritik und reiche Gelehrsamkeit, Fleiß und übung sollten ersetzen, was vorher das Genie geleistet hatte. Nur in einigen regte sich der Genius, und diese ragen darum auch groß für ihre Zeit hervor. Die andern leisteten, was sich durch Kritik und Studium leisten läßt; ihre oft auf das rellten We ausgedachten und aufs sorgfältigste gefeilten Werke sind nüchtern, ohne Seele und Leben. Den Mangel der Eigentümlichkeit fühlend, den Wert derselben aber erkennend und danach ringend, kamen sie um so schneller zu dem Punkte, wo alle Poesie erstarrt. Ihre Kritik artete in Krittelei, ihre Kunst in Künstelei aus. Man haschte nach dem Seltsamen, Neuen und suchte es durch Gelehrsamkeit aufzuputzen. Daher sind die Alexandriner, meist Dichter und Grammatiker zugleich, dem größern Teile nach steife und nüchterne Verskünstler. Auch in Hinsicht der Philosophen, welche in das Alexandrinische Zeitalter gehörten und in Alexandrig lebten, spricht man von einer Alexandrinischen Schule. Als Charakteristisches der Alexandrinischen Philosophie macht sich geltend, daß sich in Alexandria orient. und occident. Philosophie berührten, und daß hier im ganzen ein Bestreben nach Vereinigung widerstreitender Philosopheme herrschend ward, weshalb man die alexandrinischen Philosophen, die jenem Triebe des Sammelns und Vereinigens folgten, auch oft eklektische Philosophen oder Synkretisten genannt hat. Indes gilt dieser Titel doch nicht von allen, denn es traten auch den Dogmatikern gegenüber Skeptiker auf. Am berühmtesten wurden die alexandrinischen Neuplatoniker. Orient. Theosophie mit griech. Dialektik verbindend, repräsentieren sie den Kampf der antiken Bildung mit dem Christentume; und deshalb war ihre Philosophie nicht ohne Einfluß auf die Art, wie das Christentum in Agypten aufgefaßt wurde. Aus der Verschmelzung orient. Anschauungen mit christlichen entstand die Gnosis (s. d.); einige der bedeutendsten gnostischen Systeme waren zu Alexandria ausgebildet worden. Nicht minder hatten die angesehensten Lehrer an der daselbst entstandenen und blühenden christl. Katechetenschule den Geist dieser Philosophie eingesogen. Darum bewegten auch, weil die verschiedensten Elemente sich in Alexandrien begegneten, die heftig-Religionsstreitigkeiten die alexandrinische Kirche, bis von ihr im Kampfe mit dem Arianismus durch Athanasius das Prinzip der Stabilität orthodoxer Endlich zeichneten sich die alexandrinischen Be⸗ „strebungen noch aus durch die Kultur der exalten Wissenschaften, der Medizin, der Geographie, der Physik, der Mathematik und der Naturwissenschaften; diese erhielten hier die Höhe der Ausbildung, die ihnen überhaupt im Altertum beschieden war. Schon im 3. Jahrh. v. Chr. hatte Euklides hier sein klassisches Werk über die Geometrie geschrieben. Die Astronomen dieser Schule unterschieden sich gleich anfangs von ihren Vorgängern dadurch, da sie alle metaphysischen Spekulationen beiseite stellten und sich 18 en eigentlichen Beobachtungen hingaben. Als Physiter⸗ Mathematiker, Geographen zeichneten sich aus: Aristyll und Timocharis, dann Archimedes zu Syrakus, Eratosthenes, Aristarch von Samos, Ptolemäus u. a. Gegen acht Jahrhunderte erhielt sich die Alexandrinische S mi⸗ in ihren verschiedenen Richtungen auf einer solchen, freilich mit dem „daß f der Zeiten steigenden und sinkenden Höhe, daß sie immer ein Hauptmittelpunkt der Gelehrsamkeit und Litteratur der damaligen Welt gewesen ist. 14 Parthey, «Das alexandrinische Museump (Berl. 1838) Matter, Histoire de l'école de P'Alexandrie 2. Aufl., 2 Bde., Par. 1840 — 44); Barthelemy Saint-Hilaire, De L'école d'Alexandrien (Par. 1845); Simon, Histoire de l'école d'Alexandrie (2 Bde., Par. 1844—45); Göll, Das gelehrte Altertump (Lpz. 1870); Weniger, «Das alexandrinische Museumo (Berl. 1875). Eine besondere Erwähnung verdient noch die Alexandrinische Theologenschule. Man unterscheidet eine ältere und eine jüngere Schule. Erstere, hauptsächlich durch PBantänus, Clemens von Alexandrien (s. d.), Origenes (s. d.) und dessen Schule vertreten, hat seit der zweiten Hälfte des 2. Jahrh. der häretischen Gnosis eine kath. Gnosis gegenübergestellt und mit den Mitteln der Platonischen und stoischen bio ophie eine spekulative Begründung der christl. Grundlehren unternommen. Die jüngere Schule hat namentlich in den trinitarischen und christologischen Streitigkeiten seit dem 4. Jahrh. einen bedeutenden Einfluß auf die kirchliche Lehrentwickelung geübt. Ihr Haupt war im 4. Jahrh. Athanasius (s. d.), im 5. der Patriarch Cyrill von Alexandrien, der einflußreiche Gegner des Nestorius (s. d.). Üüber den Gegensatz dieser Schule zu der Antiochenischen s. Antiochenische Schule. [Aphrodisias).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 391Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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