FeedAlexei Michailowitsch
GeschichteBrockhaus 1882

Alexei Michailowitsch, der zweite russ. Zar aus dem Hause Romanow, geb. 10. März 1629, folgte seinem Vater Michael Feodorowitsch 12. Juli 1645 auf dem Throne. Der erst 16jährige Alleinherrscher überließ sich der Leitung des Okolnitschi leschtschesew und seines Erziehers Morosow. Die Habsucht seiner Ratgeber veranlaßte 1648 eine Empörung, welche Pleschtschejew das Leben kostete. Auch traten zwei Prätendenten auf,‚ der dritte falsche Demetrius (s. d.) und Ankudinow. Letzterer gab sich für einen Sohn des Zaren Wasilij Schuiskoi aus, flüchtete Hierer ins Ausland, ward aber von Holstein ausgeliefert und 1653 zu Moskau hingerichtet. Später wandte sich A. mit Eifer den Staatsgeschäften und der Vergrößerung seines Reichs zu. Durch die Kriege mit Polen (1654 — 67) sicherte er sich in den Friedensschlüssen von Niemez und Andrussow den Besitz der Provinzen Smolensk, Tschernigow und Sewerien. Da die mißhandelten Kosaken sich unter ihrem Hetman Bogdan Chmielnicki gegen Polen erhoben hatten, n er auch einen Teil der Ukraine. Im triege mit Schweden (1655 —58) eroberte er zwar einen großen Teil Livlands und Ingermanlands, mußte ihn aber schließlich im Frieden von Kardis (21. Juni 1661) zurückgeben. Dagegen breitete er seine Herrschaft bis zum äußersten Osten Sibiriens aus, trat in Verbindung mit China und unterwarf durch den kühnen Hetman Chabarow Daurien und das Land am Amur. Der Aufstand der Donischen Kosaken wurde 1672 0 f furchtbarem Blutvergießen beschwichtigt. Durch seine Fürsorge kam das berühmte russ. Gesetzbuch, die Ulosheniey, zu Stande, aber auch das Schisma in der russ. kon se nahm unter ihm durch den Patriarchen Nikon seinen Anfang. Den engl. Kaufleuten in Rußland entzog er nach der Hinrichtung Karls J. ihre Privilegien; doch wußte er andererseits die Vorüge geschickter Ausländer wohl zu schätzen. Er starb 29. Jan. 1676. Seine zweite Gemahlin, Natalia Narischkin, wurde die Mutter Peters d. Gr. Vgl. Berg, Zarstwowanie Alexeja Michailowitscha (2 Bde., Petersb. 1830 — 31) und den zehnten bis zwölften Band von Solowjews «Istoria Rossii) (Mosk. 1860—62).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 392Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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