Alexẽi Petröwitsch, der älteste Sohn Peters d. Gr. und der Eudoxia Lapuchin, geb. zu Moskau 18. Febr. 1690, trat schon früh mit der altruss. Partei in Verbindung, der die Neuerungen Peters verhaßt waren, worauf letzterer, der seine Reformen gefährdet glaubte und wahrscheinlich auch von seiner zweiten Gemahlin, Katharina, Weß ihren Stiefsohn aufgestachelt wurde, den Beschluß faßte, ihn von der Thronfolge auszuschließen. A. leistete zum Scheine willig auf die Krone Verzicht und erklärte, daß er Mönch werden wolle. Nachdem aber Peter d. Gr. seine zweite Reise ins westl. Europa angetreten, entfloh er 1717 unter dem Vorwande, seinem Vater nachzureisen, der ihn zu sich beschieden habe, nach Wien und von da nach Neapel. Auf des Vaters Befehl und überredet durch den Gardehauptmann Rumjanzow und den Geheimrat Tolstoi, die deshalb an den wiener Hof geschickt worden waren, kehrte er zwar zurück; allein der erzürnte nn. betrachtete jenen Schritt als ein Majestätsverbrechen, enterbte den Sohn durch den Ukas vom 2. Febr. 1718 und ließ gegen die Ratgeber und Mithelfer des A. eine Untersuchung einleiten. Die Mutter A.s, Eudoxia, deren Bruder Abraham Lapuchin, ferner Maria Alexejewna, die Halbschwester des Zaren, und andere Personen wurden gefangen gesetzt und als Mitglieder der Verschwörung teils hingerichtet, teils auf andere Weise hart bestraft. A. selbst ward iche Tode verurteilt. Obgleich Peter dem Unglücklichen bald nachher die Begnadigung ankündigen ließ, starb A. doch, wie es hieß, infolge der erlittenen Gemütsbewegung, schon 7. Juli (26. Juni) 1718. Nach andern soll er im Gefängnisse enthauptet worden sein. Um den Schein der Ungerechtigkeit zu vermeiden, ließ Peter d. Gr. die Akten des Prozesses veröffentlichen. Von seiner Gemahlin, Charlotte Christine Sophie, Prinzessin von Braunschweig-Wolfenbüttel, die von seiner Roheit viel zu erdulden hatte und schon 1715 gestorben war, hinterließ A. eine Tochter, Natalia, die 1728 starb, und einen Sohn, den nachmaligen Kaiser Peter II. Dramatisch wurde die Verschwörung und der Tod A.s von Immermann (4Alexis, eine Trilogie v) behandelt. Viele bisher unbekannte Dokumente zur Leidensgeschichte A.s enthält Usträlows «Istoria zarstwowanija Petra Welikawon (Bd. 6, Petersb. 1859), der gegenüber jedoch Pogodin in seiner Untersuchung über den Prozeß des Zarewitsch A.» (Petersb. 1860) eine Ehrenrettung des unglücklichen Prinzen im Sinne der altruss. Partei versuchte. Fernere auf A. bezügliche rkunden veröffentlichte die Gesellschaft für russ. Geschichte und Altertümer (Mosk. 1861). Vgl. Brückner, „Der Zarewitsch A.» (Heidelb. 1880).