Alexander III. Alexandrowitsch, Kaiser von Rußland, geb. 10. März (26. Febr.) 1845 als zweiter Sohn des Kaisers Alexander II., erhielt mit seinem 17 Monate ältern Bruder, dem Großfürst-Thronfolger Nikolaus, eine gemeinschaftliche Erziehung. Die Oberaufsicht war dem Grafen S. Stroganow anvertraut; der eigentliche u . sollte ein Geheimrat Titow, bis zur Zeit russ. Gesandter in Stuttgart, sein. An des letztern Stelle wurde (Herbst 1858) Staatsrat von Grimm berufen, der 20 Jahre früher, im Verein mit dem Admiral 384 Alexander I. (Fürst von Bulgarien)- Lütke, Erzieher des Großfürsten Konstantin Nikolajewitsch gewesen war und von der Zeit her bei der Kaiserin-Mutter und der regierenden Kaiserin in gutem Andenken stand. Dieser stellte indessen nur die Fachlehrer an, meist Deutsche aus der petersburger gelehrten Welt, und überwachte das Ganze. Die militärische Ausbildung der Prinzen war den im Winterpalast wohnenden Generaladjutanten üÜbertragen, der Religionsunterricht einem Popen; Staatssekretär Baron Modest Korff, chichtnde einer Biographie Speranskys und der Geschichte des Dezemberaufstandes, trug russ. Staatsrecht vor. Nach dem am 24. (12.) Apri 1865 A fit erfolgten Tode seines ältern Bruders wurde A. feierlich zum Thronfolger ernannt. Im Herbst 1866 vermählte er 15 mit der frühern Verlobten seines verstorbenen ältern Bruders, der Prinzessin Dagmar von Dänemark. Anfangs schien A. in seiner neuen Stellung sich an die Spitze aller fanatisch-nationalen russ. Parteien stellen zu wollen. Während des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870 — 71, wo der Hof den Sympathien des Kaisers für Deutschland zustimmte, nahmen der Cäsarewitsch A. und sein Hof ebenso entschieden Partei für Frankreich. Der Aufstand der Commune in Frankreich, dann die Agitationen und Attentate der Nihilisten in Rußland riefen jedoch eine wesentliche Anderung in seinen Anschauungen hervor. Nach der Ermordung seines Vaters (13./1. März 1881) bestieg er den russ. Thron. Man hatte fast allgemein von ihm die Verheißung baldiger liberaler Reformen, namentlich bezüglich einer Teilnahme der Bevölkerung an der Gesetzgebung und der Kontrolle der Finanzen, erwartet, aber sowohl das bei seiner Thronbesteigung erlassene Manifest, wie das vom 11. Mai (29. April) 1881 betonte in hervortretender Weise die selbstherrliche Gewalt. Bald nach dem letztern Manifest entließ er Loris-Melikow als Minister des Innern und ernannte den General Ignatjew zu dessen Nachfolger. Am 9. Sept. 1881 hatte A. in Danzig eine persönliche Zusammenkunft mit seinem Großoheim, dem Deutschen Kaiser Wilhelm. (S. Rußland.) A. ist vermählt seit 9. Nov. (28. Okt.) 1866 mit Maria Feodorowna (vorher Marie Sophie Friederike Dagmar, geb. 26./14. Nov. 1847), Tochter des Königs Christian IX. von Dänemark, aus welcher Ehe drei Söhne und eine Tochter hervorgingen: Cäsarewitsch Nikolaus, geb. 18.76. Mai 1868; Georg, geb. 9. Mai (27. April) 1871; Kenia, geb. 6. April (25. März) 1875; Michael, geb. 5. 1 (23. Nov.) 1878.