Allegorie ist die künstlerische Personifikation abstrakter Begriffe durch konkrete Vorstellungen. Religion, Liebe, Gerechtigkeit, Zwietracht, Ruhm, Krieg, Friede, Frühling, Sommer, Herbst, Winter, Tod u. s. f, werden als lebendige individuelle Wesen geschildert und dargestellt; die Eigens Ichen- und Erscheinungsformen, welche diesen lebendigen individuellen Wesen beigelegt werden, sind den Thätigkeiten und Wirkungen des in jenen Personifikationen gedachten Begriffs entnommen. Die Personifikationen des Kampfes und Kriegs 3. B. werden durch Waffen und Kriegsinstrumente, die Versinnlichung der Jahreszeiten durch die den verschiedenen Jahreszeiten zukommenden Blumen, Früchte und Lebensthätigkeiten bezeichnet, die Gerechtigkeit durch Wage und Binde, der Tod durch Stundenglas und Sense. Es ist klar, daß die A. die volle Genn che Sinnlichkeit und Fülle echt künstlerischer Gestalten, in denen Begriff und Bild einander vollständig decken und naturwüchsig und untrennbar aus der schaffenden Phantasie entsprungen sind, entbehrt; die A. schwankt zwischen dem aus der Reflexion entsprungenen Begriff und der erst Dunhal herausgeklügelten eit in die Umkleidung haltlos hin und her und ist in dieser Halbheit kahl und frostig. In der Kunst des Orients nimmt die A. entsprechend der bilderreichen Vor-En Die der Orientalen einen weiten Raum ein. Die Griechen dagegen mit der wunderbaren Idealität ihrer als lebendige Persönlichkeiten gedachten und geglaubten Götterwelt kennen die A. nicht; erst in der Alexandrinischen Zeit, welche diese naturwüchsige Mythenbildung ungen hatte und in der der Einfluß orient. Vorstellungen fühlbar wurde, findet sie Eingang. Mehr schon herrscht sie bei den Römern. Am meisten jedoch wucherte sie in der mittelalterlichen Poesie und Kunst seit dem Ende des 13. Jahrh., in jener 10. der Gärung, in welcher das naive Phantasieleben und die Einwirkungen des scholastischen Denkens einander berühren und, so gut es gehen will, einander zu durchdringen suchen; so bei den meisten Troubadours, Wolfram von Eschenbach und Dante. Der „Teuerdanko, ein Heldengedicht aus dem 16. Jahrh., in welchem das Leben Kaiser Maximilians dehandelt wird, ist ein Beispiel H½½½u epischer Poesie. Auch im Tierepos findet die A. eigentümliche Anwendung. Sehr natürlich ist, daß die verschiedenen Künste zur A. ein wesentlich verschiedenes Verhältnis haben. Am wenigsten kann die moderne Skulptur der A. entbehren. An die persönliche Gestalt gewiesen, muß sie oft als allegorische Personifikation geben, was die griech. Skulptur in der Form individueller und lebensvoller Göttergestalt geben konnte.