FeedAllitteration
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Allitteration bedeutet im allgemeinen den Gleichklang, der durch den gleichen Anfangslaut (Anfangsbuchstaben) mehrerer Worte entsteht, wie er z. B. in manchen sprichwörtlichen Wendungen zu finden ist: Stock und Stein, Wind und Wetter, Kind und Kegel u. s. w. Bei manchen Völkern ist die A., dann auch Buchstabenreim, Stabreim genannt, zu einer regelmäßigen Verwendung in der Poesie gelangt, namentlich in der ältern german. Dichtung, wo sie aufs innigste zusammenhängt mit dem Loßen durch Runen (s. d.) und dem damit in Verbindung stehenden logischen Accentprinzip der german. Sprachen. Die ursprüngliche Regel war, daß in einer Langzeile die erste Hälfte einen oder zwei reimende Anfangsbuchstaben, die zweite einen solchen enthielt, und zwar sind es die am stärksten betonten Silben, welche die A. tragen; dabei ist noch zu beachten, daß die Vokale alle untereinander reimen; oft sind aber auch vier Stäbe vorhanden, zwei in jeder Vershälfte; falsch jedoch ist es, wie von neuern Nachahmern vielfach geschieht, noch Duut Reime zu häufen. In der nordischen Dichtkunst heißen die A. der ersten Vershälfte Stollen, die der zweiten der Hauptstab, zusammen die Liedstäbe. Ein Beispiel der A. der Altdeutschen gibt der Vers aus dem altsächs. Gedichte «Heliando: «so lerda he tho thea liudi — Iiot hon wordono (so lehrte er da die Menschen mit freundlichen Worten), mit drei Stäben. Aus der eigentlich deutschen Poesie verschwindet die A. im 9. Jahrh., während sie in der altengl. Dichtkunst noch jahrhundertelang neben dem Endreim fortdauert und auf Island heute noch im Gebrauch ist. Auch neuere deutsche Dichter haben sie bisweilen wieder angewendet, z. B. W. Jordan in seinen Nibelunger, Richard Wagner in mehrern seiner Musikdramen, andere gelegentlich, wie Rückert. Jedoch haben sie nicht vermocht, der abgestorbenen Mürtpilleun Leben einzuhauchen. Vgl. Vetter, Zum euspilli und zur german. Allitterationspoesie⸗

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 438Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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