Almoraviden und Almohaden, die Namen von zwei maurisch-span. Dynastien. Im Nordwesten von Afrika erhob sich unter den rohen Nomadenstämmen der Araber Abdallah ben-Yasin, predigte den Islam und forderte zu Krieg und Eroberung auf. Diese neuen Streiter für den IJslam nannte er Morabiten oder Almoraviden (arab. al-muräbithin), d. h. die dem Dienste Gottes sich widmenden Männer, oder, nach anderer Ableitung, die eifrigen, von der Welt zurückgezogenen Bekenner des Islam. Abdallah machte den Abu-Bekr zu ihrem Herrscher, der die Eroberungen fortsetzte und 1062 Marokko gründete. Abu-Bekrs Nachfolger, Jusuf ben-Taschfin, ein thätiger Fürst, der die Macht der Almoraviden noch weiter ausgedehnt hatte, wurde von dem arab. Könige von Sevilla zu Hilfe gerufen. Er erschien und schlug die Christen 1086 in einer großen Schlacht bei Zalacca (Sacralias). Doch bald wurde er nach der Herrschaft selbst lüstern und unterwarf sich durch Gewalt und Treulosigkeit das ganze arab. Spanien. Allein die Macht der Almoraviden wurde ebenso schnell zerstört, wie sie entstanden war. Eine von Fanatismus durchdrungene Sekte, die Muahedin oder Almohaden, stürzte sie und machte 1146 unter Abd-ul-Mumens Anführung durch Eroberung von Marokko ihrem Reiche in Afrika ein Ende. Um dieselbe Zeit gingen die Sieger nach Spanien hinüber und begannen auch hier ihre Macht auszubreiten. Ihr herl Jakub Almansor gewann 1195 über die Castilier bei Alarcos einen glänzenden Sieg. Um noch größere Erfolge zu erringen, kam 1210 Jakubs Nachfolger, Mohammed, mit einem Heere nach Spanien, welches mehr als 500000 Streiter gezählt haben soll. Allein die vereinigten Könige von Castilien, Aragonien und Navarra, Alfons VIII., Peter II. und Sancho VII., besiegten ihn 1212 gänzlich auf der Ebene von Tolosa jenseit der Sierra Morena. Über 200000 Araber sollen auf dem Schlachtfelde geblieben sein, und von der ganzen Schar kamen nur wenige nach Afrika zurück. Die nächste Folge dieser Schlacht, welche als Hauptursache des Verfalls der arab. Macht in Spanien angesehen werden kann, war, daß die Herrschaft der Almohaden in Spanien sich auflöste. Die ununterbrochenen Siege Ferdinands III. und seines Sohnes Alfons X. veranlaßten den König von Granada, noch einmal die Almohaden in Afrika um Unterstützung anzurufen. Ihr damaliger Herrscher Abu-Jusuf kam ihm auch mit einem großen Heere zu Hilfe, und die Christen wurden zweimal geschlagen. Trotz dieser glücklichen Erfolge zwang Sancho, Alfons' X. zweiter Sohn, den Abu-Jusuf bald darauf zum Rückzuge nach Afrika, eroberte die Hauptstadt Marokko und machte dadurch 1273 der Herrschaft der Almohaden ein völliges Ende. Vgl. Aschbach, «Geschichte Spaniens und Portugals zur Zeit der Herrschaft der Almoraviden und Almohaden » (2 Bde., Frankf. 1833 — 37); Dozy, „History of the Almohadeso (Leid. 1848); derselbe, «Histoire des Musulmans d'Espagne v (4 Bde., Leid. 1861; deutsch, 2 Bde., Lpz. 1874).