FeedAlterweibersommer
TierreichBrockhaus 1882

Alterweibersommer, oft auch Fliegender Sommer, Flugsommer, Sommerflug, Graswebe u. s. w., heißen die weißen Fäden, welche im Herbst, bisweilen auch im Frühling, die Luft durchziehen. Man ist sehr lange über den Ursprung derselben in Zweifel gewesen. Nach der gewöhnlichen Annahme sind sie das Gespinst sehr kleiner Spinnen, welche, vom Winde fortgetragen, Fäden nach sich ziehen, bis sie einen Ort zum Festhalten finden. Menge hat in seiner Schrift Preußische Spinnen » (6 Abteil., Danzig 1869 — 74) nachzuweisen versucht, daß die fliegenden Fäden namentlich von Spinnen aus den Gattungen Luchsspinne (Lycosa), Kreuzspinne (Epeira), Krabbenspinne Conversations-Lexikon. 13. Aufl. I. (Thomisus) und Weberspinne (Theridium) herrühren. Im Volksglauben früherer Jahrhunderte brachte man ihn in Verbindung mit den Göttern; wie denn die heidnischen Slawen das Gespinst von einem Gotte über die Erde gebreitet glaubten. Später, nach Einführung des Christentums, bezog man ihn auf Gott und Maria, weshalb er in Frankreich Fils de la Vierge, in Süddeutschland Mariengarn, Marienfaden oder Frauensommer, in England Gossame (d. i. Gottes Schleppe) genannt wird. In Schweden heißt er Dvärgsnät (d. i. Zwergsnetz). AÄlteste, s. Bischof und Presbyter.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 497Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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