Auerochs (Bos Urus bei Linné, Bison europaeus der heutigen Naturforscher), der Wisent der alten Deutschen, im Polnischen Zubr, steht an Körpergröße weit über dem zahmen Rindvieh, wird aber jetzt nicht so groß als in der Vorzeit. Gegenwärtig gibt es keine Individuen, die über 1,58 m hoch, 3,5 mlang und 800 kg schwer wären. Das Haar ist je nach der Jahreszeit veränderlich, am Ochsen gewöhnlich etwa 20 em lang, am Vorderteil filzig, schwärzlich-braun, im Sommer heller; im Winter weich; Nacken, Hals und Brust sind beim Stier mit einer Mähne, das Kinn mit einem Bart, der Iudim Werh einer Endquaste geziert. Die Hörner sind im Verhältnis zur Größe des Tiers klein zu nennen, drehrund und halbkreisförmig nach oben gegen die Mittellinie Pas Fie die Stimme ist grunend, nicht brüllend. Das Fleisch, frei von dem Mosusgeruche des Felles, am Geschmacke zwischen dem des Hirsches und zahmen Ochsen in der Mitte +1 0 wurde auf den Tafeln der poln. Könige als elikatesse aufgetragen. Ihr Lebensalter beträgt etwa 30 Jahre, da aber viele Kühe unfruchtbar sind, so m an Flas sich die A. nur langsam. Sie leben meist an Flüssen, zumal in schattigen Dickichten, welche sie nicht freiwillig verlassen, und in Herden von 30—40 Stück. Ihre Nahrung beiond in Gräsern, Laubknospen und Baumrinden, besonders lieben sie die Rinde der jungen Eschen; im Winter suchen sie vertrocknete Kräuter unter dem Schnee und werden nur durch Hunger Sie Genusse des ausgestreuten Heues gebracht. Sie sind sehr wild und, selbst jung eingefangen, schwer zu zähmen, verraten unversöhnlichen Haß gegen auhmes Rindvieh und haben wegen ihrer großen Stärke weder von Bären noch Wölfen etwas zu fürchten. Den Menschen vermeiden sie gewöhnlich, stürzen sich aber auf ihn bei plötzlichem aenem Eide An und sind zur Zeit der Bremsen, gegen Ende August, und wenn sie Junge haben, gefährlich. Ehedem waren sie über ganz Deutschland und die Schweiz verbreitet und werden überall, auch schon im Nibelungenliede, als Jagdtiere erwähnt, aber schon im 17. Jahrh. auf einen Forst bei Tilsit beschränkt, wo man sie hegte und schützte. Doch unterlagen sie den Wilddieben, und 1775 soll der letzte einem solchen in die Hände gefallen sein. Jetzt kommen A. nur noch in dem großen sumpfigen Forste von Bialowicz in Litauen vor und sollen sich H höchstens 1000 Stück belaufen. Sie sind dort mehr durch die Natur als die sonst sehr strengen Gesetze geschützt. König Auust III. von Polen ließ dort am 27. Sept. 1752 dei einer großen Jagd 42 Stück schießen; die letzte große Jagd wurde 1860 gehalten. Ihre Jagd ist jetzt um so strenger verboten, da das Aussterben der Art überhaupt bevorzustehen scheint. Zufolge neuer Nachrichten kommen R im Kaukasus an den Ufern des Kuban noch in Rudeln vor. In inden si en Gärten, wo sie sich gut vermehren, finden sie sich jetzt ziemlich häufig, und zwar stammen diese Exemlare meist von einem Paare, welches Kaiser Nikoaus von Rußland dem schönbrunner Garten schenkte. Die Annahme, daß der A. der Stammpvater unsers zahmen Rindviehs sei, ist durch Boja-Inus widerlegt worden. Seine Knochen finden sich häufig in den Diluvialablagerungen Europas, bis nach Italien und Frankreich hinein, mit dem Mammuth, dem Höhlenbären und andern ausgestorbenen Tierarten zusammen, sowie mit einem andern Ochsen (dem Ur, Bos primigenius), der unzweifelhaft die Stammart der heutigen fries. Rasse bildet.