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ErdkundeBrockhaus 1882

Altlutheraner, s. Lutheraner. „Altmark ist der Name einer ehemaligen Provinz der Kurmark Brandenburg, welche, durch die Elbe von der Priegnitz geschieden, im N. und W. von Hannover, im S. und O. vom ehemaligen eil des jetzigen Regierungsbezirks Magdeburg der preuß. Provinz Sachsen bildet. Die A. umfaßt gegenwärtig die vier Kreise Stendal, Salzwedel, Osterburg und Gardelegen und zählt auf 4523 qkm (1880) 201 543 E. Die Hauptstadt der Provinz war Stendal. Der Boden des Landes ist eben und nur im SW. von Gardelegen von der Hügelreihe der Hellberge bis zu 146 m Höhe überhöht, die bei dem Dorfe Zichtau die Altmärkische Schweiz mit dem Stakenberge bildet. Der Hauptfluß ist die Elbe mit der Ohre, der Tanger, dem Aland und der Jeetze mit der Dumme. Unter den Seen ist der Arendsee durch Reichtum an Fischen bekannt. Obwohl das Land an vielen Stellen sandig und mit Wald bedeckt ist, z. B. von der Letzlinger Heide, die einst Garleber, d. h. Gardelegener Heide hieß, so hat es doch in den Niederungen sehr guten Gras⸗ und Ackerboden. Besonders fruchtbar ist die Wische, der nordöstl. Teil zwischen der Elbe und Uchte. Die A. wurde unter dem Namen Nordmark oder Mark Nordsachsen 931 von Kaiser Heinrich I. als Mark- oder Grenzgrafschaft zum Schutze des Herzogtums Sachsen gegen die Wenden gegründet. Ihre Bestandteile waren: 1) der Gau Belesem oder das Balsamerland, von der Elbe, dem Aland, der Biese, der Milde und einer Linie am Ohre dieser dies den Sumpf von Roxförde zur Le und zu diesem Flusse eingeschlossen; der nördl. Teil hieß Mintgau oder Miltgau und enthielt die jetzige Wische; der südliche hieß Gau Mose oder Moside; 2) der Gau Osterwalde, im Westen des vorigen, von der Biese über die Jeetze bis zur Ohre reichend; 3) slaw. Distrikte (im Norden), deren Bewohner noch heute ihre Eigentümlichkeiten bewahrt haben. Die Nordmark stand unter der Lehnshoheit der Herzöge von Sachsen und hatte Burgwarten zu Tangermünde, Arneburg, Werben u. s. w. Nach den ersten Markgrafen Bernhard, Gero, Dietrich von Ballenstädt folgten fünf aus dem Hause Walbeck (984 — 1056) und sechs aus dem Hause Stade (1056—1130). Von den letztern nahm Udo II. (1057 — 62) seinen Sitz zu Soltwedel oder Salzwedel, und seitdem hieß das Land die Mark Soltwedel, wogegen die Namen Mark Stendal und Mark Tangermünde erst später und nur vereinzelt vorkommen, der Name A. erst seit dem 14. Jahrh. üblich wurde. Nach dem Tode des Markgrafen Konrad von Plötzkau kam die A., die Wiege des brandenb. Kurstaats, 1134 an Albrecht den Bären (s. d.) aus dem Hause Askanien. Nachdem dieser 1142 von Konrad III. mit der Nordmark als reichsunmittelbarem Erbfürstentum belehnt und 1157 reichsunmittelbarer Markgraf von Brandenburg geworden war, hörte der Lehnsverband mit dem Herzogtume Sachsen auf, und die Geschichte der A. fällt seitdem mit der von Brandenburg (s. d.) zusammen. Die A. umfaßte am Ende des 18. Jahrh. die sechs Landreitereien oder Kreise Stendal, Tangermünde, Seehausen, Arendsee, Arneburg und Salzwedel. Im Tilsiter Frieden 1807 trat Preußen die A. an das Königreich Westfalen ab, bei welchem sie, einen Teil des Depart. Elbe bildend, bis 1813 verblieb; bei der neuen Einteilung Preußens von 1815 wurde sie zum Regierungsbezirk Magdeburg geschlagen. Vgl. Wohlbrück, «Geschichte der A.» (Berl. 1855).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 503Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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