FeedAmädis
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Amädis ist ein in der Ritterpoesie vielgebrauchter Heldenname. An der Spitze dieser romanti dei Heldengestalten steht A. von Gallien, nach seinem Schildzeichen der Löwenritter 7 6 seinem Leben in der Einöde aber „Dunkelschöno (Beltenebros) genannt. — A. von u0 Sohn Kiuart ist ein Urenkel des gallischen A. und Sohn Lisuartes und der Onoleria, Tochter des Kaisers von Trapezunt. — A. vom Gestirn gilt wieder als Urenkel des Köninz an A. und als der 9 des Agesilaos, rönigs in Kolchis. — A. von Trapezunt, abstammend von Roger aus Griechenland, einem Sohne Florisels und der Helene, Prinzessin von Apollonien, ist der Urenkel Florisels, Sohn der Polixana und Liscarons, Prinzen von Catai. A. von Gallien ist „Roman des ältesten und besten der sog. Amadis⸗-Romane. Der Amadis-Roman beruht nicht auf nationaler Grundlage, sondern muß als das subjektive Gebilde der Phantasie eines einzelnen gelten. Er wurde auch in einer Rich verfaßt, in welcher die ursprünglich epische ichtung des Heldenromans bereits durch andere Elemente, besonders das allegorisch-didaktische, verdunkelt und das Rittertum schon seinem Verfall nahe war, nämlich frühestens am Ende des 13. oder Anfang des 14. Jahrh. Nicht verkennen ist, daß der Verfasser Gedichte der ältern Sagenkreise vielfach nachgeahmt hat; doch hat er eine ganz neue Bahn des Heldenromans eingeschlagen, die seine weniger begabten Nachtreter auf die Irrwege des Affektierten und übertriebenen leitete, wodurch der Kontrast mit dem Zeitbewußtsein immer größer und die durch Cervantes (s. d.) bewirkte Vernichtung des mittelalterlichen Heldenromans durch die Ironie unausbleiblich wurde. Vgl. Braga, Formacao de A.„. (Oporto 1878). Die span. Amadis-Romane, die ältesten dieser ganzen Gattung, bestehen aus 14 Büchern, wovon die vier ersten den eigentlichen A. von Gallieno enthalten, der ursprünglich in portug. Sprache von dem Ritter Vasco de Lobeira von Oporto zwischen 1342 und 1367 abgefaßt worden sein soll. Vgl. jedoch Braunfels, «Kritischer Versuch über den Roman A. von Gallieno (Lpz. 1876). Jene ersten vier Bücher sind nur noch in der span. übersetzung vorhanden, die Garcia Ordonez de Montalvo um 1465 angeblich in der Art bearbeitet hat, daß er die ersten drei Bücher des Originals korrigierte und ein viertes selbst 9.Derse (zwischen 1492 und 1505 zuerst gedruckt). Derselbe Montalvo fügte dann noch ein fünftes Buch hinzu: Las sergas (ergas, d. i. Thaten) de Esplandiän, hijo de A. de Gäulap, welches er um 1490 begann und gegen 1492 vollendete. Diese fünf Bücher erschienen zuletzt in Bd. 40 der „Biblioteca de autores espanoles v. Das 6. bis 14. Buch enthalten die Thaten und Abenteuer Florisandos (von Paez de Ribera), Lisuartes von riechenland und Perions von Gallien (von Juan Diaz), des A. von Griechenland, Florisels von Nicäa und Anaxartes (von Feliciano de Silva), Rogers von Griechenland und Silves' de la Selva (von demselben), Lepolemos und Leandros des Schönen (von Pedro de Lujan) und endlich Penalvas (von einem ungenannten Portugiesen). Bernard Tasso verpflanzte den A. des Montalvo nach Italien, indem er eine übersetzung in Stanzen (Amadigi di Franciap) davon anfertigte. Die franz. übersetzer und Fortsetzer, welche, seit Nicolas de Herberay, Sieur des Essarts, der 1540—48 die ersten acht Bücher herausgab, sich damit beschäftigten, haben diese Romanenreihe bis auf 24 Bücher erweitert. Von diesen umfassen das 16. bis 21. die Thaten Sphäramonts und des A. vom Gestirn und das 22. bis 24. die Abenteuer der übrigen Nachkommenschaft des gallischen A., mit Einschluß des A. von Trapezunt. Unter diesen Bearbeitern sind berühmt: Gilles Boileau (10.— 12. Buch, 1552), Gohory und Aubert. Endlich hat Gilbert Saunier, Sieur von Duverdier, einen Schluß aller in dem ganzen Sagenkreis begonnenen Abenteuer („Le roman des romanso) in sieben starken Bänden Ptein hres Auszüge aus dem 1.—21. Buche gibt ein Thresor de tous les livres d'A. de Gauler (2. Bd., Lyon 1582, 1606). Wie beliebt und verbreitet Au omane waren, beweisen, außer den vielen Auflagen der einzelnen Teile, die Übertragungen der meisten derselben ins Italienische, Englische, Deutsche, Holländische und selbst ins Hebräische (durch Ben-Mose Algabbi) und die zahlreichen ihnen nachgebildeten Ritterromane. Am längsten erhielt sich in der Gunst des Di meuene der (A. von Gallienv, der noch bis in die neueste Zeit übersetzt und überarbeitet wurde. So bearbeiteten der Portugiese Gil Vicente und der Spanier Andrés Rei de Artieda Stoffe daraus in zwei span. Komödien. De Lubert und Graf Tressan erneuerten diesen Roman in geschmackvollen Auszügen, und Creuzé de Lesser und William Stewart Rose bearbeiteten ihn in epischen Gedichten (A. de Gaule, poëme faisant suite aux chevaliers de la tablerondev, Par. 1813; A. de Gaul, a poem in three bookso, Lond. 1803). Dagegen hat Wielands Neuer A.v mit jenen ältern A. nichts gemein als den Titel und die Fülle der von dem Helden zu bestehenden Abenteuer. Auszüge aus dem alten Roman gab Southey (3 Bde., Lond. 1872). In Bezug auf die Litteratur der A. vgl. Ebert, »Allgemeines bibliogr. Lexikono (Bd. 1, Lpz. 1819—21). Kritisch-historisch und kulturgeschichtlich wurden die A. behandelt von Baret in De I'A. de Gauler (Par. 1873).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 514Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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