FeedAmbrosius
ReligionBrockhaus 1882

Ambrosius, der Heilige, einer der berühmtesten Kirchenväter, wahrscheinlich als Sohn des ward ias von Gallien um 340 zu Trier geboren, ward in Rom erzogen und schon 369 von Valentinian zum Statthalter von Oberitalien mit dem Sitz in Mailand ernannt. In 106 Stellung erwarb er sich die Achtung und Liebe des Volks in so hohem Grade, daß er bei der streitigen Bischofswahl 374, obgleich noch ungetauft, von beiden Parteien, angeblich auf das Zeugnis eines Kindes hin, zum Bischof erwählt und nach längerer Weigerung 7. Dez. geweiht wurde. Als Bischof hat A. mit aller Energie und großem Erfolg daran gearbeitet, der Kirche eine feste Organisation zu geben, damit sie den beginnenden Zusammensturz des röm. Staats überdauern könne. Zu diesem Zweck erstrebte er nach innen Reinheit von Irrlehren, daher sein entschiedenes Auftreten gegen die Arianer (s. d.), nach außen Unabhängigkeit vom Staate, daher die Unerschrockenheit, mit welcher er jedem ⁷ der Staatsgewalt entgegentrat und den Kaiser Theodosius selbst, welcher durch Rufinus die empörten Thessalonicher hatte niedermetzeln lassen, zur Kirchenbuße zwang. Doch auch als Kirchenlehrer ist A. von 9196 Bedeutung. Am wichtigsten sind seine drei Bücher ODe officiis clericorump (herausg. von Krabinger, Tüb. 1857; deutsch von Lichter, Kobl. 1830), welche jahrhundertelang als Handbuch der Ethik dienten, die allegorisierende Auslegung der Schöpfungsgeschichte, Hexaemerono, die dogmatischen fünf Bücher „De fiden und 84 Briefe und Reden. Der (Ambrosiastero dagegen, ein früher gewöhnlich dem A. zugeschriebener Kommentar über die dreizehn Paulinischen in stammt nicht von ihm, sondern ist wahrschein ich ein von 380 bis 800 entstandenes Sammelwerk. Große Verdienste hat A. auch um den Kirchengesang, teils als Dichter geistlicher Lieder — wenn auch von den angeblich 30 Hymniv nur 12 mit Sicherheit ihm gehören und besonders der allgemein berühmte sog. Ambrosianische Lobgesang Te Deum laudamusv (J. d.) nicht von ihm sondern erst im 5. Jahrh. entstanden ist —, teils durch Einführung des Ambrosianischen Gesanges, einer in welcher sowohl Elemente aus dem Wechselgesang der morgenländ. Kirche, wie auch recitativische Kadenzen aus der altgriech. Musik erhalten sind. A. starb 4. April 397 und ward unter dem Altar der Ambrosianischen Basilika beigesetzt. Seine Gebeine wurden 8. Aug. 1871 wieder aufgefunden und durch päpstl. Breve vom 7. Dez. 1873 für echt erklärt. A. ist der Schutzheilige Mailands, und die dortige Bibliothek heißt nach ihm die Ambrosianische. Seine Opera erschienen in zwei Folianten 5 Paris (1686 — 90; neu von Ballerini, Mail. 1875). Ausgewählte Schriften übersetzte F. Schulte (Bd. 1 u. 2, Kempten 1871— 1880). l. Baunard, «Histoire de Saint-Ambroise o (Par. 1871; deutsch von Bittl, Freiburg i. Br. 1874).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 531Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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