Amortisation (mittellat. amortisatio oder amorticatio, d. i. Ertötung, Auslöschung) heißt in der Rechtssprache die Erwerbung liegender Gründe und ihnen atden Sahwie Sachen durch geistliche Anstalten. Bei den Schwierigkeiten, welhe das kanonische Recht der Wiederveräußerung von Kirchengütern entgegensetzt, konnte die Kirche an dem Verkehrsleben für die Regel bloß durch weitere Erwerbungen teilnehmen. Der Volksmund schrieb ihr deshalb, weil sie das Erworbene starr festhielt, eine „Tote Hand» zu und urteilte im Sprichworte, ad Kirchengut weiter zehrev, daß es Adlerfedern habes (angeblich weil ate Al e Federn in den Betten durch untermengte Adlerfedern zerrieben werden). Im Einklang mit diesen Anschauungen nannte man den übergang von Gütern an geistliche Anstalten ein Gelangen an die Tote Hand. Schon im Mittelalter erkannte der volkswirtschaftliche Instinkt die Gefahren eines Systems, welches den Verkehr durch Entziehung so bedeutender Objekte des Umsatzes entkräftete und am Ende allen Grund und Boden in das Eigentum der Kirche bringen, hiermit aber die Laien in pflichtige Hintersassen und Pächter oder in heimatlose Almosenempfänger des Klerus verwandeln mußte. Desalb wurde im Mittelalter der Erwerb von Grundtücken durch die Tote Hand an die Bedingung landesherrlicher Erlaubnis geknüpft, zuweilen ganz untersagt. Bisweilen auch und schon in der alten fränk. Monarchie, neuestens durch das Königreich Italien, wurde der kirchliche Grundbesitz wieder säkularisiert, d. h. der Herrschaft der Kirche entzogen und dem weltlichen Verkehr zurückgegeben. Der Haß gegen die geistliche Grundherrschaft bethätigte sich als wirksamer Bundesgenosse der Reformation, deren Annahme überall von ausgedehnten Säkularisationen begleitet war. Es gelangte seitdem der Grundsatz zu allgemeinerer Geltung, daß Liegenschaften durch Kirchen und milde Stiftungen für jeden Fall nur nach dem Ermessen und mit Genehmigung der weltlichen Gewalt erworben werden können. Anderwärts, wo diese vorsichtige Beschränkung nicht eingeführt oder nicht gehandhabt wurde, wie in Spanien, rächte sich die übermäßige Ausbreitung der Toten Hand durch den tiefsten wirtschaftlichen Verfall, welcher schließlich doch zur Erkenntnis der unabweisbaren Kulturinteressen und mit ihr zur Säkularisation führte.