FeedAmpfer oder Ampher (Rumex L.)
PflanzenreichBrockhaus 1882

Ampfer oder Ampher (Rumex L.), Pflanzengattung aus der Familie der Knöterichgewächse Folygonaceae): ausdauernde, selten einjährige Kräuter, oder selten Halbsträucher oder Bäume, die bald fast sämtlich grundständigen, bald stengelständigen und abwechselnden Blätter nicht selten am Grunde herz-bis pfeilförmig, nur in wenigen Fällen fiederschnittig, ihre einen Teil der Stengelglieder cylindris ch umfassende, aus den verwachsenen Nebenblättern entstandene Scheide (Tute) trockenhäutig, durchscheinend, bald zerreißend und später oft ganz zerstört. Die zwitterigen oder vielehig-zweihäusigen, unscheinbaren, grünen oder rötlichen Bluüten stehen gebüschelt in den Achseln tutenartiger Hochblätter, selten von Laubblättern; sie bilden in der Regel lange Scheintrauben, die meist wieder rispig gruppiert sind. Die einzelne Blüte zeigt nur ein kelchartiges, meist sehr tief sechs⸗ (selten vier⸗) teiliges Perigon, dessen drei innere, über der Frucht zusammenneigende Abschnitte auf der Mitte der Außenwiche häufig eine Etar vortretende Schwiele entwickeln. Die sechs Staubgefäße sind mit sehr kurzen Staubfäden dem Grunde des Perigons eingefügt, und der dreikantige Fruchtknoten trägt drei sehr kurze und dünne, abstehende oder zurückgeschlagene Griffel mit pinselförmigen Narben. Der dem Endosperm des Samens seitlich anliegende Keimling ist meist gekrümmt, selten fast gerade. Von den etwa 130 Arten ist die Mehrzahl über die gemäßigten Klimate der nördl. durh ihre zerstreut. Die Blätter vieler Arten sind durch ihren durch saures oxalsaures Kali (Kleesalz) bedingten sauren Geschmack ausgezeichnet. Unter den bemerkenswerten Arten sind besonders die folgenden hervorzuheben. Rumex Acetosa L. (Sauerampfer), ein ausdauerndes, auf Wiesen und n Maz un durch bit ganz Europa verbreitetes, im Mai und Juni blühendes, 30 — 60 em hohes Kraut mit grasgrünen, pfeil⸗ oder spießförmigen Blättern, geschlitzt-gezähnten Tuten und zweihäusigen roten Blüten, deren innere Perigonabschnitte zur Zeit der Fruchtreife länger als die Frucht und doppelt so lang als die zurückgebogenen äußern sind und eine sehr re herabgebogene Schwiele tragen. Wurzel, Blätter und Früchte des Sauerampfers sind hier und da noch offizinell, und namentlich werden die Blätter im Norden als ein kühlendes, skorbutwidriges Mittel benutzt; mehr noch werden dieselben aber als Zuthat zu Suppen oder zu Salat oder Gemüse verwendet, sodaß man die Pflanze auch in ein paar Varietäten (als französischer Spinat) in Gemüsegärten kultiviert. Der der vorigen Art nahe verwandte kleine Sauerampfer (Rumex Acetosella L.) ist nur 8 — 25 em 98 hat spießförmige, lanzettliche oder linealische Blätter, und die innern Perigonabschnitte sind zur Zeit der Fruchtreife nicht vergrößert. Diese von Mai bis August blühende Art ist auf kalkfreiem Sandboden ein sehr gemeines Unkraut, das nach dem Mergeln des Bodens verschwindet und wieder auftritt, sobald der Kalk verbraucht ist. Rumex Patientia L. (Gemüseampfer, Geduldampfer, Gartenampfer, englischer oder ewiger oder immerwährender Spinat) wird bis 1,25 m hoch, und seine untern flachen Blätter sind eilanzettlich, zuespitzt, am Grunde abgerundet oder 5. a verschmälert, die 4ge Bi Blätter lanzettlich; alle haben rinnenförmige Blattstiele; die Blüten stehen in dicken, blattlosen, oft dicht rispigen Scheintrauben, und von den rundlich-herzförmigen, ganzrandigen innern Zipfeln der Fruchthülle trägt nur einer eine Schwiele. Die in Südeuropa heimische, noch in Unterösterreich vorkommende Pflanze wird unter den angegebenen Namen vielfach und besonders in England als Gemüsepflanze gebaut. Eine nahestehende, an grasreichen, gedüngten Stellen (besonders in der Nähe der Ställe), auf den Alpen, Vogesen, dem Schwarzwald und den Sudeten wachfende Art, der Alpenampfer (Rumex alpinus L.), besitzt rundlich-herzförmige Blätter und schwielenlose Perigonzipfel. Sie und die vorige Art besitzen einander sehr ähnliche Wurzeln, die im Mittelalter als Surrogat der Rhabarber dienten, weshalb namentlich die letztere Pflanze häufig in Klostergärten kultiviert wurde (daher die Bezeichnung «Mönchsrhabarber v», Radix Rhei Monachorum); jetzt dient der Mönchsrhabarber nur noch in der Tierarzneikunde. Eine letzte Art ist der auf der nördl. Hälfte beider Hemisphären weit verbreitete 4.— Ampfer (Rumex obtusi⸗- folius L.), bis Im hoch, die untern herzeiförmigen Blätter wen . die übrigen bis lanzettlich sich verschmälernden Blätter spitz, alle ganzrandig oder wellig ausgeschweift; die innern Perigonabschnitte haben am Grunde beiderseits meist drei bis fünf pfriemenförmige Zähne und alle drei oder nur einer bis zwei eine Schwiele. Die unangenehm bitter und adstringierend schmeckende Wurzel war die früher (und jetzt noch in Frankreich) besonders gegen chronische Flechten benutzte Grindwurzel (Radix Lapathi acuti).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 574Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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