FeedAgave L.
PflanzenreichBrockhaus 1882

Agave L., Pflanzengattung aus der Familie der zur Klasse der Monokotyledonen gehrenden Amaryllideen, langlebige, dem wärmern Amerika amt Randen Pflanzen mit dick-fleischigen, starren, am Rande meist stachelig-gezähnten Blättern, welche eine dichte grundständige oder einen sehr kurzen Stamm krönende Rosette bilden, aus deren Mitte der bis 12 m hohe, kleinere und entfernt stehende Blätter tragende Blütenschaft sich erhebt. Letzterer endet mit einer großen, kandelaberartigen Rispe zahlreicher Blüten, die sich durch ein röhriges, am Schlunde mehr oder weniger erweitertes, bleibendes Perigon auszeichnen. Die sechs in der Perigonröhre befestigten Staubgefäße sind mit dem Phern Teile ihrer Fäden in der Knospe einwärts gebogen. Der unterständige Fruchtknoten trägt einen dreiseitigen Griffel, welcher kürzer als die Staubgefäße ist, aber mit diesen aus der Blüte lang vorragt und mit einer keulig-kopfigen, schwach dreilappigen Narbe endigt. Die bekannteste Art ist A. americana L., deren blaugrüne Blätter 1 — 2 m Länge erreichen, 20 em und mehr breit und am Grunde bis 10 em dick sind; ihr Blütenschaft wird über 10 m hoch, am Grunde oft 30 em dick. Die gelbgrünen Blüten sind einschließlich der Staubgefäße 12 — 13 em lang. In Mittel⸗ und Südamerika heimisch, ist die Pflanze un 1561 auch in Südeuropa eingeführt und zu mzäunungen verwendet worden, jetzt dort, wie in Nordafrika, verwildert. In der Heimat blüht sie mit dem 5. bis 6. 30 Ju in unsern Glashäusern oft erst mit 40 — 60 Jahren (die sog. hundertjährige Alö im Volksmunde, doch nicht mit der Gattung Aloé Is. d.] zu verwechseln), um dann vollständig abzusterben. Die Vermehrung findet sehr leicht durch Wurzelschößlinge statt, welche namentlich auch vor dem Absterben der Pflanze noch in bedeutender Anzahl entwickelt werden. Technisch wichtig wird die A. americana samt einer Anzahl anderer Arten (3. B. A. mexicana Lam. in Mexico, A. vivipara L. in Florida und Mexico, A. filifera Salm. in Mexico heimisch) durch die mittels Maceration aus den Blättern gewonnene Gespinstfaser, die unter dem Namen Pite oder Pita (dem span. Namen für A.) in Amerika seit alter Zeit zur Anfertigung von Seilen, Hängematten u. s. w. Verwendung findet und jetzt auch Einfuhrartikel nach Europa ist. In neuerer Zeit wird die Pitafaser auch als Surrogat für Borsten und Roßhaare (3. B. zur Anfertigung von Bürsten) benutzt. Die Wurzel (Magueywurzel, nach dem mexican. Namen der A.) steht in der Heimat als Heilmittel gegen Syphilis in Ansehen. Ferner benutzen die Mexicaner die A. americana, namentlich aber A. mexicana, zur Bereitung ihres Pulgue genannten Lieblingsgetränks, indem sie bei beginnender Entwickelung des Blütenschaftes die Stammknospe ausschneiden und dadurch den um diese Zeit in reicher Menge vorhandenen zuckerhaltigen Saft zum Ausfließen bringen, der nun zwei bis drei Monate lang täglich aus der gebildeten Höhlung ausgeschöpft und der Gärung unterworfen wird. — In Mitteleuropa zieht man die A. am zweckmäßigsten in sandigem, lockerm Boden in Kübeln, die im Sommer ins Freie gestellt und im Winter in einem Raume von wenigstens 5 R. gehalten werden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 208Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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