Ananas ist der Name einer Pflanze aus der Familie der Bromeliaceen, welche zu der Linneschen Gattung Bromelia (s. d.) gehört. Die gemeine A. „(Ananassa sativa) stammt aus dem tropischen Amerika, wächst z. B. in den sandigen Küstenstrichen Nordbrasiliens wild, ist aber, durch Kultur sehr verändert, nach und nach über das warme Asien und Afrika und selbst durch Europa verbreitet worden, wo sie jedoch nur im Süden im Freien gedeiht, sonst in besonders eingerichteten, niedrigen, warmen Gewächshäusern gezogen werden muß. In Europa erhielt man zuerst ausführlichere Nachrichten über sie in der «Naturgeschichte Indiens v von Oviedo (1535). Die durch ihre goldgelbe Farbe und ihren Wohlgeruch schonrehrön eischige, immer mit einem Blätterschopf gekrönte Frucht entsteht aus den zahlreichen unter sich und mit der Achse des Blütenstandes innig verschmelzenden Fruchtknoten und ist demnach eine sog. Scheinfrucht. Sie erreicht in Amerika oft die Schwere von 3—4 kg und besitzt schmack, der durch die Kultur an Feinheit gewinnt und sie zu einem Leckerbissen macht. Sie gilt jedoch in Westindien, wenigstens den nicht akklimatisierten Fremden, als gefährlich und wird in Brasilien zur Bereitung von Branntwein benutzt. Seit etwa 1830 ist die A. in Europa Gegenstand der Treibhausgärtnerei im großen geworden. In England besonders hat man vielen Fleiß auf ihre Kultur gewendet und eigentümliche Methoden derselben entdeckt, z. B. ihre Anzucht und Unterhaltung in Waldmoos. Die Ananashäuser des Schlosses Tetschen in Böhmen sind berühmt. Ohne sorgfältige Vorkehrungen und in gewöhnlichen Glashäusern erreicht die A. weder vollkommene Ausbildung noch jenes herrliche Aroma, welches sie zur Königin der Früchte erhebt. Sie variiert bedeutend hinsichtlich der Größe, der Form und der Farbe des Fleisches. Man unterscheidet z. B. die Königinananas mit spitzen Beeren, eine kleine, eirunde, inwendig weiße Sorte; die Zuckerhutananas, von kegelförmiger Gestalt und mit gelbem Fleisch; die Königsananas, von pyramidaler Form mit hellgrünem Fleisch; die Cayenne mit glatten und mit stacheligen Blättern; die violette Jamaica und die bronzefarbige Jamaica mit glatten Blättern; die gerippte A. (nervosa); die Providence u. a. m. Die Vermehrung der Ananaspflanze geschieht, da ihre Früchte bei uns fast niemals Samen enthalten, durch Stecklinge, und zwar benutzt man gewöhnlich die über der Frucht befindliche Blätterkrone, welche man vorsichtig aus der Frucht herausdreht und verpflanzt. Die Wurzeltriebe und die unter der Frucht Herphrkonmen den Schößlinge taugen wenig. Die Ananaszucht erfordert große Vorsicht und Sorgfalt, indem die Pflanzen leicht durch Fäulnis und Schildläuse (Coccus bromeliae) zu Grunde gehen.