Alexandria, Alexandrien, von den Türken und Arabern Iskanderijeh oder Skanderijeh enannt, feste Seestadt an der Mittelmeerküste Igyptens, in 30² 2 4“ nördl. Br. und 48 58 30“ östl. L., in 13 m Höhe, 331 v. Chr. von Alexander d. Gr. gegründet und nach seinem Tode Haupt⸗ und Residenzstadt der Ptolemäer, liegt am nordwestl. Rande des Nildelta, an einer von der Natur zu einer großen Schiffs⸗ und Handelsfurt bestimmten Stelle, auf dem niedrigen, sandigen Landstreifen, welcher, von SW. gegen N d den Strandsee Mariüt (Mareotis) von dem Mittelmeer trennt. Die alte Stadt, 5,5 km lang und im Durchschnitt 15,½ Km breit, war nach dem Plane des Architekten Dinochares oder Dinokrates sehr regelmäßig gebaut und durch sehr starke Ringmauern geschützt. Zwei schnurgerade, über 30 m breite und ihrer ganzen Länge nach mit Säulenhallen geschmückte Hauptstraßen und mehrere andere mit diesen parallel laufende Straßen durchkreuzten die Stadt in rechten Winkeln. Vor ihrer Fronte lag die Insel Pharus (s. d.), die auf ihrem Nordostende den nach ihr benannten weltberühmten Leuchtturm aus weißem Marmor trug und durch einen 7 Stadien langen Steindamm (Heptastadion) mit ihr verbunden war. Dieser Damm schied die beiden sehr geräumigen Haupthäfen der Stadt, den großen oder neuen im NO. und den alten oder Hafen des Eu-e nostos im SW.; beide standen durch die Bogen der Ja an beiden Enden des Damms befindlichen Brücken miteinander in Verbindung. Im S. der Stadt, an z dem jetzt versumpften und ganz verkehrlosen See f Mareotis, gab es noch einen überaus belebten Han⸗ a Der Münd Sumpfhafen genannt, und im SW., an z der Mündung des längs der südl. Ringmauer vorbeifließenden Nilkanals, der auch mit jenem See in e Verbindung stand, einen künstlichen Hafen Namens r Kibotos. Die meisten öffentlichen Gebäude lagen dem großen Hafen gegenüber, in dem östl., glän⸗ 2 zendsten Stadtteile, dem Brucheion. Hier standen7 die Königspaläste der Ptolemäer mit ihren Garten-f und Parkanlagen, das Soma oder Sema, die Begräbnisstätte Alexanders d. Gr. und der Ptolemäer, das Museum (s. d.) mit der ältern Bibliothek,‚ der größten der Welt, das große Theater, das Poseidion und das ins Meer hineinreichende Timonion, das der geschlagene Triumvir Antonius erbaute; ferner das Kaisareion (Caesareum), und gegen das Heptastadion hin das Emporion, d. h. der Platz mit den Bauten für den Großhandel und die Warenlager, endlich weiter gegen W. hin die Docks. Außerdem befanden sich in dem östl. Teile der Stadt das Gymnasium mit einer großen Stoa oder Säulenhalle, die Gerichtshalle, viele andere Prachtgebäude, Tempel und unzählige Bildsäulen. Im äußersten SW. lag dem alten Hafen Mropolts er Stadtteil Rhakotis. Hier stand die Akropolis oder die Gebäude des Sarapieion, benannt nach dem chen B. des Sarapis (s. d.), mit einer zweiten reichen anedehnn und außerhalb der Ringmauer die weitausgedehnte Nekropolis. Der nordöstl. Teil der Stadt war das Quartier der Juden, denen von den fünf Teilen der Stadt zwei gehörten, durch die Ringmauern getrennt von dem außerhalb derselben gelegenen Hippodrom für Wagenrennen. Von allen diesen Herrlichkeiten des Altertums hat das jetzige A. nur wenige Spuren aufzuweisen; am berühmtesten davon ist die sog. Pompejussäule (s. d.). Einen großen Teil des unterirdischen Raums der Stadt nehmen die weitläufigen, in den Kalkfels gearbeiteten Cisternen ein, welche die alte Bevölkerung das ganze Jahr hindurch mit Trinkwasser versahen. Felsengräber und andere Reste alter Grabstätten bezeichnen die Stelle der alten Nekropolis. A. bildete von seiner Gründung an die griech. Hauptstadt Agyptens. Seine Bevölkerung, die in der Blütezeit von Diodor auf 300000 Freie angegeben wird, also mit Sklaven und Fremden auf mehr als das Doppelte anzuschlagen ist, bestand hauptsächlich aus griech. Kolonisten, eigentlichen Agyptern und Juden, die zeitig dorthin gezogen wurden und bald sich 01 A. sierten. Nach dem Tode Alexanders d. Gr. fiel A. an die Ptolemäer, welche es zu ihrer Residenz und zum damaligen Hauptsitze griech. Gelehrsamkeit und Geistesbildung machten. Durch den Handel, für den es unvergleichlich gnstig lag, wuchs die Stadt rasch und hatte den höchsten Glanz erreicht, als es 30 v. Chr. den Römern anheimfiel. Unter den Kaisern war A. die zweitgrößte Stadt des Römischen Reichs. Doch begann von nun an auch sein Verfall, der anfangs unmerklich, später aber, besonders infolge des Aufblühens Konstantinopels, sehr schnell von statten ging. Der Kampf des eindringenden Christentums mit dem Heidentume gab in A. zu blutigen Kämpfen Veranlassung. Die Erstürmung des Sarapieion, des letzten Sitzes heidnischer Theologie und Gelehrsamkeit, 389 durch Theodosius, und seine Verwandlung in eine Kirche des heil. Arcadius machten dem Heidentume ein Ende. A. war übrigens längst schon der Sitz eines Patriarchen (s. d.) und ein Hauptsitz christl. Gottesgelahrtheit. Unter der byzant. Herrschaft blieb es zwar die größte Handelsstadt des Reichs, aber die nach 14monatlicher Verteidigung erfolgte Eroberung der Stadt durch die Araber unter Amru im Dez. 641 versetzte ihrem Handel den Todesstoß. Nur der ind. Handel, soweit er den alten Weg über das Rote Meer einschlug, ging über A. und war ganz in den Händen der Venetianer, die sich im 14. Jahrh. das Monopol des Handels mit ind. Waren verschafften. Durch die Entdeckung des Seewegs um das Kap der Guten Hoffnung und mit der Gründung der portug. Macht in Ostindien versiegte endlich auch dieser Verkehr. Die Eroberung Agyptens durch die Osmanen 1517 änderte nichts in der Sachlage; A. verödete mehr und mehr, so daß es 1777 kaum über 6000 E. zählte. Selbst der inländische Exporthandel hatte sich nach Rosette und Damiette gewendet, indem A. durch Versandung der alten Kanäle und Versumpfung des Mareotissees nicht mehr in genügender Verbindung mit dem Binnenlande blieb. Die sran CEroberung von 1798 leitete wieder die Aufmerksamkeit Europas auf die Stadt, und unter Mehemed-Ali begann eine neue Ära für A. Das gegenwärtige A. liegt 209 km im Nordwesten von Kairo, seit 1855 durch Eisenbahn damit verbunden, auf derselben Stelle wie das alte. Seitdem Mehemed-Ali, der einen Teil des Jahres hier residirte, vermittelst Ausgrabung des 1820 eröffneten Mahmudijehkanals den 2½ wieder durch eine direkte Wasserstraße mit dem Nil, Kairo und dem ganzen Hinterlande in Verbindung gesetzt, hat sich die Stadt aufs neue zu einem der bedeutendsten und und schönsten Hafen⸗ und Handelsplätze des Mittelmeers erhoben, dessen Verkehr fortwährend im Steigen begriffen. Die Zahl der Einwohner ist unter solchen Umständen auf (1877) 165 752 gewachsen, darunter 42884 Fremde der verschiedensten Nationalität (von den Eingeborenen Franken genannt), welche seit 1. Jan. 1876 unter gemischten Gerichtshöfen mit einem Appellsenat in A. stehen. Die beiden alten Hafenbassins sind noch vorhanden, von denen in neuerer Zeit das westliche Mittelpunkt des Verkehrs geworden ist. ugleich it liegen hier 2—300 Handelsschiffe, und zugleich ist dieser Hafen die Hauptstation der ägypt. Kriegsflotte. Seit Mitte Mai 1871 sind die zum Schutze des Eunostushafens entworfenen großen Werke in Angriff enommen. Der neue Außenhafen hat 350 ha angen und 8 m hohen Wellenbrecher geschützt, mit einem 600 und einem 800 m breiten Eingange; der innere Hafen hat 72 ha Fläche und mindestens 8,5 m Tiefe und ist ebenfalls durch besondere Molen Batteri Die Einfahrt wird verteidigt durch einige atterien bei Moräbat im Südwesten und durch andere bei dem 1842 erbauten, 55 m hohen, plumpen Leuchtturme auf der Westspitze der alten Pharusinsel, welche jetzt durch eine im Laufe der Zeiten angeschwemmte Landzunge mit dem Festlande zusammenhängt und auf diese Weise die beiden Ider scheidet. In der Nähe dieses uute Roiern steht der schöne, von Mehemed-Ali erbaute Regierungspalast und das Gouvernementsgebäude. Weiterhin folgt das große Marinearsenal mit Docks und allen Vorrichtungen —10. Bau und zur Ausbesserung von Schiffen. Am Eingange des Arsenals beginnen die Kais (mit den Entrepots und Bazars), die sich bis zu dem an der Stadt vorbeiführenden, in den Hafen mündenden, für kleine Dampfschiffe befahrbaren Mahmudijehkanale ausdehnen. Der vor dem Nil-Man gelegene Hafen des Kanals bildet den großen arkt (genannt Minut-el-Bassal) für die Landeserzeugnisse aller Art, die durch Nilboote und auf den Eisenbahnen aus dem Binnenlande hierher befördert und dicht vor der Kanalmündung in die Seeschiffe verladen werden. Ungefähr 6 km nordöstlich, durch eine Eisenbahn mit A. verbunden, liegt Ramleh, ein wegen seiner gesunden, trockenen Wüstenluft beliebter Sommeraufenthalt des Vizekönigs und der vornehmen Alexandriner; dort zeigt man auch noch die überreste der Bäder Kleopatras. Am Mahmudijehkanale befinden sich die Landhäuser der Europäer, viele mit schönen Gartenanlagen. Nordöstlich von A. liegt Abukir (s. d.). A. bietet ein Gemisch von Orient und Occident, ohne bestimmten Charakter. Es zerfällt in zwei wesentlich verschiedene Hälften: die mohammed. Stadt auf der Landenge schan. den Häfen, etwa 100000 E. und 100 Moscheen, und das Frankenquartier auf dem Festlande und an der Südseite des östl. Hafens. Jene hat, nach mohammed. Art, enge, unregelmäßige und unreinliche Gassen, regellos gebaute Häuser mit vergitterten, meist gegen den Hofraum gewendeten Fenstern. Nur die Paläste reicher Türken sind in einem etwas gefälligern, witterartigen Stil (alla franca) gebaut. Das Frantenqugrtier dehnt sich um den Mehemed-Ali- oder Konsulsplatz (arabisch Menschijeh genannt) aus, wo sich in der Mitte der breiten Allee eine 11 m und. bronzene Reiterstatue Mehemed-Alis erhebt, und welchen Said Pascha durch zwei große Fontänen schmücken ließ. Hier, wo man seit 1869 Straßenpflaster, Gas⸗ und Wasserleitungen hat, befinden sich die schönsten Häuser der Stadt, in südeurop. Baustil errichtet, darunter einzelne palastartige Gebäude, meistens den Prinzen oder europ. Kaufleuten ehörig, sowie verschiedene guteingerichtete Gastöfe. Dieser europ. Stadtteil enthält auch ein heater, vier kath., drei prot. und drei griech. Kirchen, eine kopt., eine maronitische Kirche und drei Synagogen. A. ist Sitz eines kath. Patriarchen, eines Gouverneurs, einer Polizeipräfektur, hat ein Paßbureau, eine Douane, das Marineministerium und die Mehkeme oder das Bureau der Hausbesitztitel; es ist Sitz von 17 verschiedenen Generalkonsulaten, der Marine⸗ und Handelsanstalten des Vizekönigs, der Marine⸗ und Militärschulen, der Intendanz für das Quarantänewesen. Außerdem enthält die Stadt vier europ. Hospitäler, sowie ägypt. Lazarette für Eingeborene, hauptsächlich aber fur die Land⸗ und Seetruppen; ein College der Lazaristen, ein ital. Lyceum, eine deutsche Schule, eine der schott. Kirche, eine der Griechen, eine der apostolischen Armenier, eine der Juden und sechs Mädn ulen, acht Freimaurerlogen, eine öffentliche ibliothek und ein ital. Theater. Die Befestigungen des Platzes, unter Mehemed-Ali nach franz. Plänen erbaut, sind nicht unerheblich, aber viel zu ausgedehnt, als daß sie von der gegenwärtigen Militärmacht Agyptens verteidigt werden könnten. So bedeutend der Seehandel A.s ist, verdankt es doch seine jetzige kommerzielle Größe hauptsächlich nur dem Export von ägypt. Landeserzeugnissen, sowie dem Import von europ., für Agypten bestimmten Waren. Daneben üer „seitdem die engl. Überlandpost den 1190 über Agypten nach Indien eingeschlagen, ein lebhafter Transitverkehr von Passagieren, Post⸗ und Eilgütern, der zum Teil die ägypt. Eisenbahnen nach dem Roten Meere benutzt, obgleich der Transit seit Eröffnung des Suezkanals meist, ohne A. zu berühren, direkt über Port-Said geht. A. hat fünf Postämter: ein ägyptisches, österreichisches, italienisches, französisches und ein griechisches. Der Großhandel ist ganz in den Händen der Europäer; den Kleinvertrieb besorgen die Eineborenen. Unter jenen sind die Griechen und Itaiener am stärksten vertreten, denen sich die Engländer und Franzosen anschließen. Die deutschen Handlungshäuser arbeiten in Import⸗ und Exportartikeln. Im J. 1879 liefen ein: 939 Dampfer (586 englische), 1134 Segler, 1501 Küstenfahrer, im ganzen 3574 Fahrzeuge von 1058 835 t. Die Einfuhr hatte den Wert von 500216 341 Piaster (zu 21 Pfennigen), davon 156 198 130 für Gewebe, 46402 355 für Steinkohlen, 39464 791 für Kleidungsstücke u. s. w. Die Ausfuhr hatte den Wert bvon 1343905858 Piaster (Baumwolle 811 883 168 „Piaster, Baumwollsamen 131786475, Weizen 245706838, Zucker 67 869 258, Früchte 22245213, Häute 11 022 621, Federn 10 013 727, Wolle 4762351 Piaster).