FeedAneas (grch. Aineias)
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Aneas (grch. Aineias), einer der gefeiertsten Helden der antiken Sagengeschichte, war nach Homer der Sohn des Anchises und der Aphrodite. Er wurde von Alkathoos, dem Gatten seiner Schwester, 2 one und wohnte bei seinem Vater zu Dardanos, ohne anfangs am Trojanischen Kriege teilzunehmen. st als er von Achilles auf dem Ida bei seinen Rinderherden überfallen worden, führte er seine Scharen, die Dardaner, gegen das griech. Heer. A. erscheint während des Kampfes als ein Liebling der Götter und unter den Helden Trojas als der tapferste nächst Hektor. übrigens sind die Erzählungen der Alten über seine Geschicke vor, während und nach der Eroberung Trojas so- wie über seine spätern Wanderungen sehr abweichend. Aus der Ilias geht hervor, daß die älteste Sage den A. nach dem Unter 3185 des Geschlechts des Priamos über Land und Volk desselben, soviel davon noch übrig war, herrschen ließ. Andere, spätere Dichter erzählen vom Auszuge des A. aus 5. Landschaft Troas, als dessen Ziel von einigen die Halbinsel Pallene, von andern Arkadien oder noch weiter westlich gelegene Gegenden genannt werden. Stesichoros (um 600 v. Chr.) ist der erste, der den A. nach Hesperien gelangen läßt. Die Sage vom trojanischen Ursprung der Stadt Rom taucht in der griech. Litteratur schon im 5. Jahrh. v. Chr. auf; aber erst im Beginn des 3. wird sie bestimmt und feststehend. Mit der Erweiterung der röm. Macht und des polit. Übergewichts der weltbeherrschenden Stadt bekam die Sage, daß A. nach Latium gekommen und Stammvater des röm. Volks geworden, eine allgemeine Geltung und wurde durch die röm. Sagenschreiber und Dichter, besonders aber — die Familie der Julier, die sich von Julus, dem Sohne des A., ableiteten, gepflegt. ie Lokalsagen, nach denen A. bald hier dort das Ziel seiner Fahrt oder sein Ende gefunden, wurden von der röm. Sage in Schatten gestellt und mußten sich ihr unterordnen, wobei dann jene Orte gewissermaßen als Stationen in die weite Fahrt von Troja nach den ital. Küsten eingereiht wurden. Auf diese Weise wird die dert⸗ namentlich von Virgil in der Aneiso geschildert. Nach der Darstellung des letztern stürzte sich A. in der Nacht, als Troja von den Griechen genommen wurde, in den Kampf und wich nicht eher, als bis Priamos gefallen und nun die Sorge um die Seinen ihn zurückrief. Er rettete aus dem brennenden Ilion die Götterbilder seines Hauses und Vater und Sohn. Den Vater Anchises trug er auf den Schultern — seine Gattin Krusa (s. d.) verlor er auf er Flucht in dem Getümmel. Mit 20 Schiffen segelte er nach Thrazien, wo er die Stadt Anos gründete; allein ein Wunder erschreckte ihn, und er verließ das Land. Nun wendete er sich nach Delos. Mißdeutung des dort erhaltenen Orakels rte ihn nach Kreta; dort, wo ihn eine Pest heimsuchte, ward ihm von den mitgenommenen Göttern geoffenbart, daß W feige (s.d.) das auch von Apollo gemeinte Endziel seiner Fahrt sei. Er gelangte nach dem Vorgebirge Actium, wo er zu Ehren Apollos Spiele feierte, nach Epirus, von da an talien und der 823 Ennto vorbei an den Fuß des tna ins Land der Cyklopen, dann um Sicilien Wunre nach dem Vorgebirge Drepanum auf der estseite der Insel, wo Anchises starb. Ein Sturm verschlug A. nach Karthago, wo Dido (s. d.) ihn erfüllt ward. Jupiter aber sandte durch Merkur n an A., nach Italien zu gehen. ährend die von A. verlassene Dido ihr Leben freiwillig auf dem Scheiterhaufen endigte, segelte er mit seinen Genossen ab und ward durch Sturm nach Sicilien zum Gastfreunde Acestes verschlagen, wo er dem Anchises zu Ehren Totenspiele feierte. Nach Erbauung der Stadt Acesta (Segesta, s. d.) schiffte er nach Italien, wo er bei Cumä die Sibylla aufsuchte, die ihm seine Zukunft weissagte und ihn zur Unterwelt geleitete. Aus dieser zurückgekehrt, gelangte er nach einer neuen Schiffahrt in den Tiber, an dessen östl. Ufer er, im Lande des laurentischen Königs Latinus, Latium betrat. Dessen Tochter Lavinia war von dem Schicksal einem Fremdlinge bestimmt, aber namentlich von der Mutter Amata dem Könige der Rutuler, Turnus, verheißen. Dies veranlaßte einen Krieg, nach dessen Beendigung sich A. mit Lavinia vermählte. Das Weitere deutet Virgil nur an. Man glaubte, daß er im Flusse Numicius verschwunden sei, und identifizierte ihn dann auch mit dem dort waltenden einheimischen Gott. Nach älterer Sage r gründeten Aneas' Söhne oder Enkel Rom. Nach d spätern Erzählungen erbaute A. Sohn Ascanius h Alba longa. Dessen Nachfolger wurde des A. mit der Lavinia erzeugter Sohn, Silvius. Der Sohn d des Ascanius, Huherr erhielt priesterliche Würden. f Er galt als Ahnherr des Geschlechts der Julier. r Vgl. Klausen, «A. und die Penaten» (2 Bde., Hamb. u. Gotha 1839—40). Aneas Rin Aineias), der Taktiker genannt, ein griech. Militärschriftsteller, der im 4. Jahrh. : v. Chr. lebte und vielleicht identisch mit dem arkad. Strategen A. aus Stymphalos ist, welcher 366 fl v. Chr. der Tyrannis des Euphron zu Sikyon ein Ende machte, wenn er nicht vielmehr in Kleinasien zu Hause war. Von seinem umfassenden kriegsuνρHμ»öv führte, mishen 360 und 356 verfaßt wurde und in mehrere Abteilungen zerfiel, hat sich nur der Abschnitt über Belagerungskunst erhalten, welcher anfangs mehrmals als Anhang zu den Ausgaben des Polybius in Druck erschien, neuerdings vielfach kritisch berichtigt und mit deutscher Übersetzung von Köchly und Rüstow im ersten mit einschneidender Kritik von Hercher (Berl. 1870 u. 1871) und von Hug (Opz. 1874) herausgegeben wurde. Vgl. Lange, De Aeneae commentario poliorceticoo (Berl. 1879).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 634Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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