FeedAnethan (Jul. Jos., Baron d')
Recht & StaatBrockhaus 1882

Anethan (Jul. Jos., Baron d'), belg. Staatsminister, geb. zu Brüssel 24. April 1803, begann seine gerichtliche Laufbahn als Staatsanwalt-Substitut in Courtrai 1826 und war seit April 1836 Generaladvokat beim brüsseler Appellhof, als er 16. Aug. 1843 in das von Nothomb geleitete Kabinett als Justizminister eintrat, welche Stellung er auch unter den folgenden zwei Verwaltungen behauptete. Als im August 1847 die Liberalen ans Staatsruder gelangten, nahm A., der inzwischen 1844 zum Deputierten von Loewen und 1849 zum Senator von Thielt gewählt worden war, unter den Wortführern der klerikalen Opposition eine ihen Kennin Stellung ein, welche seine juristichen Kenntnisse, sein versöhnliches, gemessenes und leutseliges Wesen noch erhöhten. Nachdem 2. Juli 1870 das liberale Kabinett mit Frere-Orban und Rogier vom Schauplatz abgetreten war, wurde ihm die Bildung des neuen Ministeriums anvertraut, in dem er das Portefeuille des Auswärtigen Amtes übernahm. Seine korrekte und nationale Haltung während des and Um den Nurenn Kriegs von 1870—71 erwarb ihm den Ruf eines klugen und besonnenen Staatsmannes. Naßolae der durch eine unpopuläre administrative Maßregel hervorgerufenen Unordnungen (. Belgien) mußte A. 7. Dez. 1871 die Regierung an Malou abtreten; seitdem wirkt er unablässig thätig in liberal-kath. Richtung, als Chef der Rechten im Senate, als dessen Vizepräsident er 1869—70 und 1874—80 fungierte. nethol, der wesentliche Bestandteil vom Anisöl, Sternanisöl, Estragon⸗ und Fenchelöl, ist nach Untersuchungen von Ladenburg der Methyläther eines Phenols, in welchem ein Atom Wasserstoff durch die Atomgruppe Co Hs substituiert ist. Dieses als Anol bezeichnete Phenol besitzt die Zusammensetzung CeH4Cg H, OH; dessen Methyläther oder das stellung des A. destilliert man käufliches Anisöl, wobei man alles, was unter 234 übergeht, beseitigt und den zwischen 234 und 236 C. destillierenden Anteil sammelt; derselbe beträgt etwa 90 Proz. der Gesamtmenge des Ols und erstarrt beim Abkühlen unter 20 zu einer krystallinischen Masse, die man durch Abpressen von fremden Olen befreit. Das A. bildet weiße, in Alkohol und Äther lösliche Krystalle, schmilzt bei 207, siedet bei 231˙, bildet mit Chlor und Brom Substitutionsprodukte, liefert beim Erhitzen mit Kalihydrat Anol, mit Oxydationsmitteln Anisaldehyd, resp. Anissäure. Anéthum (Dill) ist der Name einer von Linné aufgestellten Pflanzengattung aus der Familie der Doldengewächse. Dieselbe besitzt hüllenlose Dolden und Döldchen, einen undeutlich fünfzähnigen Kelchsaum, eingerollte gelbe Blumenblätter und eine linienförmige, vom Rücken her stark zusammengedrückte Frucht mit 10 fädlichen Rippen und einstriemigen Rillen. Alle Arten haben feinzerteilte Blätter mit fadenförmigen Zipfeln. Die bekannteste Art ist der gemeine Dill (A. graveolens L.), welcher unter den Saaten im südl. Europa, im Oriente und in Agypten einheimisch ist und bei uns häufig angebaut wird. Er ist winsehrig und uue 0,3 bis 12 m hohe, weißlich und dunkelgrün getreifte Stengel, linealfädliche, verlängerte Blattzipfel, flache, 10—30strahlige Dolden und elliptische, mit einem breiten, flachen Rande enhmlichen, er-Kraut und Blüten haben einen eigentümlichen, gewürzhaften, starken Geruch und Geschmack und werden als Gewürz in der Haushaltung, namentlich beim Einlegen der Gurken, verwendet. Die Früchte (Dillsamen, Semina oder Fructus Anethi), welche auch in der Heilkunde gebräuchlich sind, kommen in ihren Heilkräften mit dem Fenchel und Kümmel überein. Die Kultur des Dill erfordert keine besondere Sorgfalt. Die und ln Arten wachsen in Südamerika, Nordafrika und Asien. Der Sowa-Dill (A. Sowa Rohb.), der in Bengalen einheimisch und häufig daselbst angebaut wird, ist dem gemeinen sehr ähnlich; nur sind die Früchte flacher, länglich-oval, fast ungerandet und die 5—10strahlien Dolden etwas gewölbter. ilfach als. dieser Pflanze dienen in Ostindien vielfach als Arzneimittel und Gewürz.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 637Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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