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ErdkundeBrockhaus 1882

Anklam, Kreisstadt im Regierungsbezirk Stettin der preuß. Provinz Pommern, 84 km nordwestlich von Stettin, an dem schiffbaren Peenefluß und 8 km von dessen Mündung in den Peenestrom (Odermündung) und an der Vorpommerschen Eisenbahn (Angermünde-Stralsund), hat drei Vorstädte, von denen die eine (Peenedamm mit 709 E.), auf dem linken Flußufer liegend, bis 1874 zum Kreise Greifswald des Regierungsbezirks Stralsund gehörte. A. ist Sitz des Landratamts, eines Amtsgerichts, eines Steueramts, einer Postdirektion und einer Reichsbanknebenstelle, hat ein Gymnasium, eine höhere Bürger⸗ und eine höhere Töchterschule und eine Kriegsschule (seit 1871). Die Stadt hat eine altertümliche Bauart, zählt noch einige Giebelhäuser, besitzt sehenswerte Kirchen, wie die got. Marienkirche (aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrh.) und die Nikolaikirche. A. zählt (1880) 12264 C., welche Schiffahrt und Handel treiben, besonders mit Getreide und Torf, der in den sehr bedeutenden Torfstechereien des städtischen Moors gewonnen wird. Auch hat A. eine Werft für Schiffsbau. In den ziemlich gut angelegten Stromhafen können Seeschiffe von 2,8 — 3 m Tiefgang gelangen. Die Fabrikthätigkeit beschränkt sich auf zwei Etablissements für Steinpappe, zwei Eisengießereien, eine Seifenfabrik, Gasanstalt, eine Dampfschneidemühle und vier Bierbrauereien. Ehemals war A., das schon als Wendenburg vorkommt und ursprünglich Tanglen oder Tanglim (Tanklim) hieß, ein fester Platz. Nachdem die Stadt 1121 vom Polenherzog Boleslaw erobert und zerstört, aber 1188 wieder aufgebaut worden, trat sie im 13. Jahrh. dem Hansabunde bei; 1570 wurde sie mit neuen Befestigungen versehen und im Dreißigjährigen Kriege 1627 von den Kaiserlichen belagert, 1630 von den Schweden erobert und 1637 von den Kaiserlichen unter Clam-Gallas vergeblich bestürmt. Im Nordischen Kriege nahmen AÄ. 8. Juli 1715 die Sachsen; 1762 verlor es die Festungswerke; 1815 kam es an Preußen. — Der Kreis A. zählt (1880) auf 648 qkm 31376 E.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 672Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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