Anniviers (Val d'), deutsch Einfischthal, ein Hochthal im Bezirk Sierre (Siders) des schweiz. Kanton Wallis, von der wilden Navigence oder Usenz durchflossen, erstreckt sich, 30 Em lang, von den Gletschern der Dent-Blanche (4364 m) und des Gabelhorns (4073 m) nördlich bis zum Rhönethal, in welches es bei Chippis (558 m) gegenüber Sierre einmündet. Links von der Felskette des Sasseneire (3259 m) und der Becs de Bosson (3160 m), rechts von der vom Weißhorn (4512 m) ausstrahlenden Kette der Diablons (3672 m) und der Bella-Tola (3090 m) umschlossen, reich an freundlichen Wiesen und schönen Wäldern, vereinigt das Thal in malerischem Kontraste milde, liebliche Thalgründe mit der wildesten, großartigsten Alpennatur und wird in dieser Hinsicht kaum von Zermatt übertroffen. Von der Station Sierre der Simplonbahn aus führt ein Fahrweg hoch über der engen, wilden Schlucht der Navigence der rechten Thalseite folgend durch Wald und Wiesen, finstere Tobel und drei in den Fels gesprengte Galerien an tiefen Abgründen vorbei zur obern Thalstufe hinauf, wo der Hauptort Vissoye 1220 m über dem Meere auf grüner Bergterrasse liegt. Das Dorf wurde 20. Sept. 1880 durch Feuer größtenteils zerstört. Vor dem Brande war es, wie die andern Dörfchen des A.: Chandolin, Mission, Ayer, Painsec, St.⸗Jean, Grimenz u. s. w., ein wirrer Knäuel altersschwarer Holzhäuser; eine Ausnahme macht das oberhalb issoye auf der rechten Thalseite gelegene St.⸗Luc (1675 m), ein beliebter Luftkurort, das dreimal ab-Hei Miil in Stein wieder aufgebaut worden ist. ei Mission (1580 m), 3 km südlich von Vissoye, gabelt sich das Thal: der * Arm, in dessen Hintergrund der zerklüftete Moirégletscher vom Grand Cornier (3969 m) herabsteigt, heißt Val de Moiré; der östliche, die höchste Stufe des Hauptthals, wird nach seinem obersten Dorfe Zinal (1678 m) auch Val de Zinal genannt. Zwei mächtige Eisströme, durch den schwarzen Felsturm des Besso (3675 m) voneinander getrennt, der Glacier de Moming östlich und der Zinal⸗ oder Durandgletscher westlich, senken sich in den obersten Thalboden hinab, der rings von den Fels⸗ und Eishäuptern der Dent-Blanche und Weißhornkette umschlossen, eins der großartigsten Alpenbilder von Wallis darbietet. Nach O. ins Turtmannthal führen aus A. zwei Bergpfade über den Meidenpaß (2790 m) und den Pas du Boeuf (2830 m); von letzterm aus wird die aussichtsreiche Bella-Tola ohne Schwierigkeit bestiegen. Nach W. in das Val d'Hérins gelangt man über den Pas de Lona (2720 m) und den Col de Torrent (2924 m). Alle diese übergänge sind rauhe, jedoch nicht schwierige 57 und Saumwege. Schwieriger sind die nach „und SoO. in das Zermatt⸗ oder Nicolaithal führenden Hoch⸗ und Gletscherpässe, der Col Durand (3474 m), das Triftioch (3540 m) und der Momingpaß (3793 m). Das Anniviersthal zählt etwa 2000 E. kath. Konfession und franz. Zunge. Die Sage schreibt der Bevölkerung hunnischen oder ungar. Ursprung zu, sie ist aber, wie diejenige des übrigen Unterwallis, keltischen Stammes, zeichnete sich jedoch vor ihren Nachbarn dadurch aus, daß sie sowohl den Römern wie den Bischöfen von Sedunum (Sitten) gegenüber lange Zeit ihre Unabhängigkeit bewahrte und erst spät zum Christentum bekehrt wurde. Die Bewohner, die in ihren Sitten und Gebräuchen manches Altertümliche wohlhab haben, gelten als die arbeitsamsten und wohlhabendsten Walliser. Die Haupterwerbsquelle ist die vorzüglich betriebene Alpwirtschaft; der Bergbau dagegen, der früher Kupfer und Nickel lieferte, ist eingegangen. Mehr als die äußerst einfache Lebensweise der Bewohner zeugen von ihrer Wohlhabenheit ihre Besitzungen außerhalb des Thals auf dem rechten Rhöneufer, wo die geschätzten Weinberge oberhalb Sierre großenteils den unoit., von A. gehören.