Anthemis L., Pflanzengattung aus der Familie der Kompositen, deren in Deutschland vorkommende Arten ebenso wie die Arten verschiedener anderer verwandter Kompositengattungen (Matricaria, Pyrethrum u. a.) vom Volke Kamillen (s. d.) genannt werden, von den deutschen Botanikern dagegen, in Anbetracht, daß die eigentliche offizinelle Kamille einer andern Gattung angehört, Afterkamillen genannt worden sind. Der wesentliche Charakter der Afterkamille besteht darin, daß der konvexe oder kegelförmige Fruchtboden der Blütenkörbchen nicht hohl (wie bei Matricaria) und auf seiner Oberfläche zwischen den Blüten mit Spreublättchen besetzt ist. Die Achenen sind ungeflügelt, abgestutzt und entweder mit einem trockenhäutigen Krönchen versehen oder ohne solches. Die zahlreichen Arten dieser Gattung, welche der Mehrzahl nach in Europa, besonders dem südlichen, heimisch sind, lassen sich nach der Farbe der Strahl- und Scheibenblüten in solche mit weißem oder rotem Strahl und anders gefärbter Scheibe und s be mit gelbem Strahl und meist auch gelber Scheibe einteilen. Zu den erstern gehört die Acker kamille, A. arvensis L., ein überaus häufiges und lästiges Unkraut, welches allenthalben auf bebautem und sandigem Boden, au Schutt an Wegen, Dämmen, Gräben u. s. w. wächst, niedergestreckte und aufsteigende, ästige Stengel, mehrfach fiederschnittige, graulich behaarte Blätter und einzelnstehende, ziemlich große Blütenkörbchen mit gelber Scheibe und flach ausgebreitetem, weißem Strahl besitzt. Von der echten Kamille (Feldkamille) unterscheidet sie sich außerdem auch noch durch ihre Geruchlosigkeit. Ferner gehören zur ersten Gruppe A. Cotula L., die Hundskamille, ebenfalls eine Unkrautpflanze, mit kahlen, doppelt-fiederteiligen Blättern und doldentraubig angeordneten Blütenkörbchen, sonst der vorigen sehr ähnlich, aber unangenehm riechend, und A. nobilis L., die Römis 9 Kamille, eine südeuropäische, in 10 01 en, Thüringen und anderwärts als Arznei⸗ und Ziergewächs mit gefüllten Blütenkörbchen gebaute Art, welche einen niedergestreckten, ästigen, reichbeblätterten tengel, feinzerteilte, doppelt-fiederspaltige, kahle Blätter und langgestielte, einzelne, endständige Blütenkörbchen mit weißem Strahl und gelber Scheibe besitzt. Ihre angenehm aromatisch duftenden Blüten sind unter dem Namen Flores Chamomillae romanae offizinell und werden, ähnlich wie diejenigen der Feldkamille, zu Thee, trockenen Umschlägen gegen Kolik, Verdauungsbeschwerden und als entzündungswidriges Mittel benutzt, wirken aber viel reizender als diejenigen der Feldkamille. Sie enthalten außer Fett, Wachs, Bitterstoff, Eiweiß, Gummi u. a. ein ätherisches Ol, welches je nach dem Standort bald blau, bald grünlich-weiß, bald bräunlich-gelb gefärbt erscheint. Zur zweiten Gruppe gehört die Färberkamille, A. tinctoria L., eine an felsigen Orten in sonniger Lage häufig wildwachsende Pflanze mit aufrechtem Stengel, kammförmig doppelt-fiederspaltigen Blättern, einzelnstehenden, ansehnlichen Blütenkörbchen und goldgelben Strahl- und Scheibenblüten. Letztere enthalten einen gelben Farbstoff, weshalb die Pflanze hier und da auch kultiviert wird. Desgleichen findet man sie als Ziergewächs in Gärten. Ihre Blätter waren sonst als Herba Buphthalmi offizinell. Sie haben einen widerlich aromatischen Geruch. Verschiedene südeurop. und asiat. Arten beider Gruppen werden hier und da als Zierpflanzen im freien Lande kultiviert.