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Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Antiquar (lat. antiquarius) hieß bei den Römern ein Gelehrter, der gern altertümliche Ausdrücke und Formen (Archaismen) in Rede und S 9095 zur Anwendung brachte. Mit dem Wiederaufleben der Geiehrt Studien wurde A. als Bezeichnung von Gelehrten gebräuchlich, welche sh mit der Erforschung der Antiquitäten, namentlich alter Kunstwerke, beschäftigten. Während noch gegenwärtig bei Franzosen (antiquaire), Engländern (antiquarian) und Italienern (antiquario) das Wort im Sinne von Altertumsforscher und Archäolog, in Italien auch mit Cicerone (s. d.) gleichbedeutend gebraucht wird, versteht man in Deutschland unter A. jetzt vorzugsweise einen Händler mit ältern und gebrauchten Büchern. Der Betrieb des Antiquarhandels als eines besondern Geschäfts, wenn auch schon im 17. Jahrh. vorkommend, entwickelte sich ausgesprochener doch erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrh. Der Antiquarhandel, der zum Teil in Verbindung mit dem Sortimentshandel betrieben wird, beschäftigt sich vorzugsweife mit dem An⸗ und Verkauf älterer und bereits gebrauchter Werke; er findet das Hauptmittel des Vertriebs in den Lagerkatalogen. Da der Wert eines antiquarischen Werks zumeist von der rößern oder eringern Seltenheit der verschiedenen usgaben abängt, dann aber auch von der Beschaffenheit der Erhaltung, von der Form des Einbandes und auch wohl von aschen Kataioe Zusätzen, so enthalten die an Werken Kataloge bei kostbaren und seltenern Werken in der Regel noch allerlei bibliogr. Notizen. Viele A. sügen auch Spezialitäten ausgebildet und beschäftigen sich ausschlie lich oder doch vorzugsweise mit dem Vertriebe bestimmter Disciplinen. Die beim Buchhandel üblichen Kreditverhältnisse finden beim Antiquarges chäft keine Anwendung, da hierbei Ein⸗ und Verkauf gegen Barzahlung geschieht. Auch der Diaan erscheint, i ur den in Paris ein eigenes Organ erscheint, ist bei einzelnen A. ein Nebenzweig ihres Geschäfts eworden, während andere den Handel mit ältern unstgegenständen, wie Kupferstichen, Holzschnitten, Handzeichnungen u. s. w. damit zu verbinden yflegen. Ni t dem eigentlichen Antiquarhandel wesch. 0 ist eine Art des Geschäftsbetriebes, welche sich in den letzten Jahrzehnten unter dem Namen ⸗modernes Antiquariato ausgebildet hat. Durch Ankauf größerer Partien eines Werks, von Restvorräten oder ältern Auflagen wird das moderne Antiquariat in den Stand gesetzt, billigere ö Verkaufspreise zu stellen. ö Ant e Hern (vom lat. antiquus, alt), veralten; für veraltet erklären, abschaffen; antiguiert, veraltet. Antiquisieren, den alter⸗ ö tümlichen Geschmack nachahmen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 728Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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