Archäologie (grch.) bedeutet im allgemeinen die Kunde des Altertums eines Volks, seiner Geschichte, seiner Sitten und Gebräuche, Gesetze, Mythen u. s. w.; schon Dionys von Halikarnaß und Josephus te R. in diesem Sinne ihre Werke über die Geschichte Roms beziehungsweise des jüd. Volks „Archaeologia Romana v und «Archaeologia Judaicap überschrieben. Von Neuern wird das Wort jedoch nur selten auf die allgemeine Altertumskunde oder Altertumswissenschaft angewendet, sondern gewöhnlich in beschränkterm Sinne nur auf die Wissenschaft von den alten Denkmalen, die nicht als antiquitas litterata, d. h. als Schriftwerke, sondern als antiquitas figurata, d. h. in festem Material von Stein, Erz u. s. w., +* uns gekommen sind. In diesem Sinne ist die A. wesentlich monumentale Philologie, und Numismatik, d. h. Münzkunde, Epigraphik, d. h. Inschriftenkunde, und Topo-Deadasbe Kunde der alten Ortlichkeiten, bilden Teile derselben. Doch leidet diese Begriffsbestimmung an dem Mangel, daß die Gegenstände, die unter sie fallen, unter sich zu verschiedenartig sind. So hat man neuerdings die Inschriftenkunde und Topographie von der A. ausgeschieden; namentlich seit O. Müller wird der Name A. —9 überall nur im engern Sinne von Kunstarchäologie gebraucht, für welche Topogr h und Epigraphik zwar sehr nicht tige und unerläß iche Hrert sud. aften, aber nicht eigenstes Erkenntnisobjekt sind. A. ist demnach Erkenntnis und Geschichte der bildenden Künste bei den Alten, und zwar besonders bei den Griechen und Römern und, insofern die etrusk. Kunst ein sehr wesentliches Mittelglied zwischen der griech. und röm. Kunst bildet, bei den Etruskern. Der eigentliche Begründer der wissenschaftlichen Erkenntnis der alten Kunst ist Winckelmann (s. d.). Vor diesem hatte man sich in Bezug auf die alte Kunst entweder mit der rein künstlerischen Auffassung und Nachahmung begnügt, wie dies vor allem in den großen Humanisten und Künstlern der ital. Renaissancezeit hervortritt, oder man verhielt sich zu ihr rein antiquarisch, d. h. man betrachtete, namentlich in dem Zeitraume von 1500—1750, die alten Kunstdenkmale nur wie die Inschriften als Handhaben und Hilfsmittel antiquarischer und insbesondere mytholog. Gelehrsamkeit. inckelmann vereinte zuerst unter allen modernen Kunsthistorikern den feinten künstlerischen Blick mit der tiefsten 3 Juh aftlichen Erkenntnis. Nach der Seite des Inhalts entdeckte er das große Grundgesetz, daß alle Kunstgegenstände der Griechen, wenigstens die der guten Zeit, der griech. Mythologie entlehnt seien; nach der Seite der Form 5 er durchgreifend die nationalen und histor. Unterschiede, d. h. die künstlerischen Stilverschiedenheiten, durch. Er sonderte das Agyptische, Griechische, Etruskische und Römische und in diesen wieder die einzelnen Perioden der geschichtlichen Entwickelung. Und diese Grundlage hat die A. nicht wieder verlassen, obgleich es an einzelnen bedenklichen Rückfällen in das bloß Antiquarische nicht gefehlt hat. Besonders die jüngste Zeit hat durch die großen Ausgrabungen in Troja und Mykenä, in Olympia und Pergamon der kunstgeschichtlichen Forschung wieder oroße, bedeutende Aufgaben gestellt; die einzelnen Künstler und Kunstschulen bekommen jetzt erst volle Gestalt und lebendige Anschaulichkeit, die Periodisierung der griech. Kunstgeschichte ist von Grund aus neu aufzubauen. Nach Winckelmann —5 die bedeutendsten Archäologen: Fea, Nibby, isconti, Avellino, Fiorelli in Italien; Millin, Clarac, Due de Luynes, de Witte, Lenormant, Laborde, Raoul-Rochette in Frankreich; Zoega und Bröndsted in Dänemark; in Deutschland Lessing, Heyne, Hirt, Meyer, Böttiger, F. G. Welcker, O. Müller, E. Gerhard, der sich namentlich durch Gründung des Archäologischen Instituts in Rom ein wesentliches Verdienst erworben hat, Roß, Anselm Feuerbach, O. Jahn, Brunn, Michaelis, Conze u. a. Das beste Handbuch der A. ist noch immer das von O. Müller (3. Aufl. von Welcker, Bresl. 1848); das Handbuch der A. der Kunsto von Stark (2 Abteil., Lpz. 1878 — 80) ist durch den Tod des Verfassers auf den ersten einleitenden Teil Systematik und Geschichte der A. der Kunsto beschränkt 4901 6 Vgl. ferner: A. Feuerbach, Vatikanischer pollo (Nürnb. 1833); H. Brunn, «Geschichte der (Geschichte der griech. Plastik' (3. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1881; Abbildungen dazu, Lpz. 1870). Das wichtigste Organ für A. sind die Annalio, das „Bullettinoo und die «Monumenti ineditio des Instituto di corrispondenza archeologica zu Rom, welche seit 1829 erscheinen, sowie seit 1876 die ZgZeitschrift des deutschen archäol. Instituts in Athen y. Außerdem ist besonders noch die von E. Gerhard begründete, von E. Curtius fortgeführte und 8030 Zeitungo hervorzuheben. Nach Vorgang und Vorbild der — — A. hat in neuerer Zeit auch die A. der christl. Kunst, die sog. Christliche oder Kirchliche A. zu einer eigenen Wissenschaft ausgebildet, die in Deutschland am besten von Otte im Handbuch der kirchlichen Kunstarchäologie des deutschen Mittelalterso (4. Aufl., Lpz. 1868) systematisch bearbeitet ist. Vgl. auch dessen Archäol. Katechismusv (2. Aufl., Lpz. 1872).